Bundesamt für Naturschutz

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Religionen und Natur

Aktuelles

Bild mit Sonne hinter einem Baum

Derzeit wird der in 2015 begonnene Dialog zwischen den Religionen und dem Naturschutz durch das Abrahamische Forum in Deutschland weiter fortgesetzt und vom Bundesamt für Naturschutz unter dem Titel „Religionen für biologische Vielfalt" gefördert. Unterstützt wird das bundesweite Vorhaben vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Die Projektleitung hat der Theologe und Soziologe Dr. Jürgen Micksch in Darmstadt inne. Das mehrjährige Vorhaben soll dazu beitragen, den Wert von Natur und biologischer Vielfalt gemeinsam mit den Religionsgemeinschaften greifbar zu machen, um Naturschutz in Gemeinschaft zu ermöglichen.

Eine detaillierte Darstellung der laufenden Aktivitäten ist auf den Internetseiten des Abrahamischen Forums abrufbar.


Auf der Abbildung ist das Cover der Veröffentlichung "Die Natur feiern" abgebildet.

Im Rahmen des Dialogforums am 17. und 18. Oktober 2019 in Mainz, stellt das Abrahamische Forum seine neue Publikation “Die Natur feiern – Naturschutz und Religiöse Feste” von Julia Glaeser vor. Religiöse Feste sind in Gemeinden tief verankert und haben durch die Wiederholung eine hohe Nachhaltigkeit. Viele der Feste haben ihre Wurzeln in der Verbundenheit mit der Natur, auch wenn dies den Menschen oft nicht bewusst ist.

Ziel dieser Veröffentlichung ist es, auf die verschiedenen religiösen Feste hinzuweisen, die einen Naturbezug haben und mit denen auf den Schutz der Natur eingegangen wird. Somit werden auch Menschen anderer Religion oder ohne religiöse Prägung über diese Feste informiert. Zusätzlich werden Religionsgemeinschaften selbst an den naturverbundenen Charakter ihres Glaubens und dem damit verbundenen Schutz von Natur und Umwelt erinnert. Ein gemeinsames Lernen der Religionen von- und übereinander durch die gemeinsam gefeierten Feste kann neue Bekanntschaften und sogar Freundschaften entstehen lassen und zum Schutz der Natur beitragen.

zur Publikation 

Weitere Auskünfte erteilt Julia Glaeser beim Abrahamischen Forum in Darmstadt.

Was ist grundsätzlich vorgesehen?

Das Vorhaben dient insbesondere der Umsetzung der in 2015 verabschiedeten Gemeinsamen Erklärung von Vertreterinnen und Vertretern der Religionsgemeinschaften und des Naturschutzes:

 

Jährliche Religiöse Naturschutzwoche

Am 1. September beginnt die Ökumenische Zeit der Schöpfung. Nach jedem ersten Freitag im September soll eine „Religiöse Naturschutzwoche" stattfinden.

 

RuN-Teams

Teams aus Vertreterinnen und Vertretern der Religionsgemeinschaften (R) und des Naturschutzes (N) sollen in Schulen, Gemeinden und anderen Bildungseinrichtungen die gemeinsame Aufgabe bei der Erhaltung der Natur erörtern. Die Teams können beim Abrahamischen Forum gebucht werden.

 

Praxisprojekte

Freiflächen um Gebäude wie Synagogen, Tempel, Kirchen, Moscheen oder Friedhöfe sollen noch stärker als bisher Orte der biologischen Vielfalt werden. Das gilt auch für die in zahlreichen Städten entstehenden Interkulturellen Gärten.

 

Netzwerk „Religionen und Naturschutz"

Es wird ein Netzwerk „Religionen und Naturschutz" aufgebaut. Kern dessen ist ein Arbeitskreis aus Vertreterinnen und Vertretern der Religionsgemeinschaften und des Naturschutzes, der den Verbindungsaufbau zwischen interessierten Akteurinnen und Akteuren voranbringt.

 

Öffentlichkeitsarbeit

Ein Austausch über das Projekt soll gefördert werden. Vorgesehen sind hierfür Plakataktionen, Flyer und andere öffentlichkeitswirksame Maßnahmen.

 

Hintergründe zum Dialogprozeß

Zur „Bewahrung der Schöpfung“ ruft nicht nur die christliche Lehre auf, sondern auch in vielen weiteren, in Deutschland vertretenen Religionsgemeinschaften nimmt die Natur und der nachhaltige Umgang mit ihr einen großen Stellenwert ein.

Um diesem gemeinsamen Anliegen Raum zu geben und den interreligiösen Austausch zu fördern, haben im Februar 2015 das Abrahamische Forum in Deutschland zusammen mit dem Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sowie dem Bundesamt für Naturschutz zu einem Dialogforum eingeladen.

Hierbei kamen erstmals Vertreterinnen und Vertreter aus neun Religionsgemeinschaften sowie Akteure des Naturschutzes, der Wissenschaft und staatlicher Stellen zusammen. Mit Begeisterung stellten die Teilnehmenden fest, dass über die verschiedensten Religionen hinweg der Natur und ihrer Vielfalt eine große Bedeutung beigemessen wird und dass zahlreiche Verhaltensweisen und Regeln zum aktiven Naturschutz aufrufen. In einem beachtlichen Konsens aller Teilnehmenden wurde eine gemeinsame Erklärung verfasst und konkrete Projektvorhaben diskutiert. Auf die gemeinsame und zeitnahe Umsetzung folgender praktischer Schritte wurde sich geeinigt:

Im Anschluss an den jährlichen Ökumenischen Tag der Schöpfung, dem ersten Freitag im September, soll gemeinsam an einer religiösen Woche gearbeitet werden, in der Themen des Naturschutzes und der biologischen Vielfalt im Zentrum stehen.

Freiflächen um Gebäude wie Synagogen, Tempel, Kirchen, Moscheen oder Friedhöfe sollen noch stärker als bisher Orte der biologischen Vielfalt werden. Das gilt auch für die in zahlreichen Städten entstehenden Interkulturellen Gärten.

Für Gemeinden, Schulen und andere Bildungseinrichtungen sollen Interreligiöse Teams für Natur und biologische Vielfalt gebildet werden, die angesichts unterschiedlicher religiöser Traditionen die gemeinsamen Aufgaben bei der Erhaltung und Bewahrung der Natur darstellen und erörtern.

Dieses Netzwerk der Religionen für den Naturschutz wird weiter ausgebaut.

Gemeinsame Erklärung (Flyer)

Joint Declaration (Flyer, englische Fassung)

Dokumentation des Dialogforums "Religionen und Naturschutz" (BfN-Skript 426)


Dattelpalmen (Phoenix dactylifera, W. Barthlott).
Die Dattelpalmen (Phoenix dactylifera) spielen in Bibel und Koran eine bedeutende Rolle, sie werden von Pakistan bis Ägypten seit über 6.000 Jahren kultiviert (Foto: W. Barthlott).

Olivenbäume (Olea europea, M.D. Rafiqpoor).
Es sind Olivenbäume zu sehen

Religionen vermitteln den Wert der Vielfalt des Lebens, wie das Studium der Heiligen Schriften zeigt. In diesem Zusammenhang legt die Universität Bonn mit dem BfN-Skript 448 "Pflanzen der Heiligen Bücher Bibel und Koran" einen eindrucksvoll illustrierten Band vor.

Durch die Darstellung der Biologie und des ökologischen Zustandes der Pflanzenarten im ethischen Kontext der Religionen ermöglicht die Veröffentlichung eine wertebasierte Auseinandersetzung mit der persönlichen und gesellschaftlichen Mensch-Natur-Beziehung, die für einen zukunftsorientierten Naturschutz von hoher gesellschaftlicher Bedeutung ist.

Die Autoren und die Autorin kommen von der Universität Bonn: Professor Dr. Wilhelm Barthlott war langjähriger Institutsdirektor und Direktor der Botanischen Gärten, Dr. Mohammad Daud Rafiqpoor ist Geograph und Jasmin Obholzer ist Biologin. Das Skript enthält neben einem BfN-Beitrag auch Gastbeiträge von der führenden Koranpflanzen-Spezialistin Fatima Al-Khulaifi (Quatar) und dem weltweit anerkannten Bibel- und Koranpflanzen-Forscher Prof. Lytton J. Musselman (USA).