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Carabus variolosus Creutzer, 1799 ssp. nodulosus

Gruben-Großlaufkäfer

bis 33 mm großer Laufkäfer

EU-Code: 5377, Anh. II, IV

Rote Liste Deutschland: 1 (2011)


Verbreitung

Die Vorkommen von Carabus variolosus nodulosus in Mitteleuropa gehören einer Unterart von Carabus variolosus an, von der in Deutschland aktuell nur wenige Funde aus Nordrhein-Westfalen und Bayern bekannt sind, historisch auch aus Baden-Württemberg und Niedersachsen. Der Gruben-Großlaufkäfer bewohnt sehr feuchte Lebensräume des Waldes und kommt vor allem in Eschen- und Erlen-Sumpfwäldern, in Uferbereichen und Sickerquellen, die von Grund- und Quellwasser geprägt sind, in Quellmooren sowie ferner in naturnahen Bachauen und Sümpfen vor. In Südostbayern werden auch Habitate in Hochmoorgebieten besiedelt.


Fortpflanzung/Biologie

Die von April bis September/Oktober aktive Art reproduziert im Frühjahr. Das Prä-Imaginalstadium wird von Mai an beobachtet, ab Juli schlüpfen die Imagines, die vorwiegend in morschem Totholz überwintern. Sowohl die Larven wie auch die Käfer zeigen eine semi-aquatische Lebensweise und können unter Wasser jagen, wobei sich die Larven von Wasserkäferlarven, die Käfer von Wasserschnecken, Kleinkrebsen, Insektenlarven, Kaulquappen und auch kleinen Fischen ernähren.


Gefährdung

Die Art hat erhebliche Flächenverluste durch die Zerstörung und Zerschneidung von Feuchtgebieten erlitten, durch Bachbegradigungen, Entwässerungen, die Anlage von Fischteichen und Quellfassungen. Auch durch Nadelholzanbau in den von ihr besiedelten Feuchtwäldern ging zum Teil Lebensraum verloren. Straßenbauten haben viele Flächen isoliert, und auch Forststraßen können die Hydrologie der Flächen verändern. Die als Tagesversteck und Winterquartier benötigten Totholzstrukturen im Uferbereich sind oft nicht in ausreichendem Umfang vorhanden. Durch den Klimawandel sind weitere Beeinträchtigungen durch verstärkte Grundwasserspiegel-Fluktuationen, intensivere und häufigere Starkniederschläge (Erosion, Sedimentfracht) etc. zu erwarten. Aufgrund ihrer Flugunfähigkeit ist die Art sehr ausbreitungsschwach, und die verbliebenen Restpopulationen sind vielfach hochgradig voneinander isoliert, so dass derzeit kaum noch ein (genetischer) Austausch zwischen ihnen stattfinden kann.


Schutz

Der Erhalt aller noch bekannten Populationen und ihrer Habitate muss oberste Priorität haben. Gezielte Schutzmaßnahmen sind erforderlich und erfolgen durch Erhaltung und Wiederherstellung ausgedehnter grund- und quellwassergeprägter Wälder sowie Wiederherstellung sumpfiger naturnaher Uferbereiche von Waldbächen, sumpfiger Lichtungen und quellig-mooriger Röhrichte (Quellmoore) mit Waldkontakt. Ein wichtiger Schritt ist die notwendige Wiedervernetzung isolierter Populationen. Auch der rasch realisierbaren Erhaltung geeigneter Kleinstrukturen als Habitate (insbesondere Stubben, Alt- und Totholz) kommt eine große Bedeutung zur Stabilisierung bestehender Vorkommen zu.


Literaturhinweise

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Turin, H., Penev, L., Casale, A., Arndt, E., Aßmann, T., Makarov, K.V. , Mossakowski, D., Szél, G. & Weber, F. (2003): Species accounts. In: Turin, H., Penev, L. & Casale, A. (Hrsg.): The Genus Carabus in Europe – a Synthesis. Pensoft Publishers and European Invertebrate Survey, Sofia, Moscow and Leiden. 


Letzte Änderung: 11.06.2019

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