Öffnet eine externe Seite Link zur Startseite

Bundesamt für Naturschutz

Carabus variolosus - Gruben-Großlaufkäfer

Geschützt nach
Anhang II FFH-Richtlinie
Anhang IV FFH-Richtlinie
EU-Code
4014
Artengruppierung
Käfer
Synonyme
Carabus nodulosus
Status Rote Liste Deutschland
(Schmidt et al. 2016): 1 (Vom Aussterben bedroht)
Verantwortlichkeit
In besonders hohem Maße verantwortlich

Beschreibung

Landlebende Quellart - Wasserlebender Laufkäfer

Der Schwarze Grubenlaufkäfer ist eng an oft sehr kleinräumige, sumpfige Quelllebensräume in Wäldern gebunden und gehört zu den wenigen Großlaufkäfern, die eine halbaquatile Lebensweise führen.  Die Art ist aufgrund ihrer einheitlich schwarzen Färbung und stark gerunzelten Flügeldecken in Deutschland unverwechselbar. Grubenlaufkäfer sind nachtaktiv und leben sehr versteckt. Die Käfer verbergen sich tagsüber meist am Ufer oder an sumpfigen Stellen und jagen nachts auch untergetaucht im flachen Wasser kleinere Wirbellose. Der Schwarze Grubenlaufkäfer ist der einzige mitteleuropäische Großlaufkäfer mit einer solchen Lebensweise. In der Roten Liste Deutschlands wird er als „vom Aussterben bedroht“ geführt.

Verbreitung

Die Vorkommen von Carabus variolosus nodulosus in Mitteleuropa gehören einer Unterart von Carabus variolosus an, von der in Deutschland aktuell nur wenige Funde aus Nordrhein-Westfalen und Bayern bekannt sind, historisch auch aus Baden-Württemberg und Niedersachsen. Der Gruben-Großlaufkäfer bewohnt sehr feuchte Lebensräume des Waldes und kommt vor allem in Eschen- und Erlen-Sumpfwäldern, in Uferbereichen und Sickerquellen, die von Grund- und Quellwasser geprägt sind, in Quellmooren sowie ferner in naturnahen Bachauen und Sümpfen vor. In Südostbayern werden auch Habitate in Hochmoorgebieten besiedelt.

Lebensraum

Schwarze Grubenlaufkäfer besiedeln fast ausschließlich rohbodenreiche, sumpfige Quellfluren, Quellrinnsale und Schwemmkegel mit stetiger Wasserführung an alten Waldstandorten, meist Erlen- und Eschenwäldern (prioritärer LRT 91E0* Anh. I FFH-Richtlinie) in niedrigen und mittleren Höhenlagen. Sie sind eng an solche Lebensräume gebunden und werden praktisch nie außerhalb davon gefunden. Die Art ist flugunfähig und gilt als sehr ausbreitungsschwach.

Fortpflanzung/Biologie

Die von April bis September/Oktober aktive Art reproduziert im Frühjahr. Das Prä-Imaginalstadium wird von Mai an beobachtet, ab Juli schlüpfen die Imagines, die vorwiegend in morschem Totholz überwintern. Sowohl die Larven wie auch die Käfer zeigen eine semi-aquatische Lebensweise und können unter Wasser jagen, wobei sich die Larven von Wasserkäferlarven, die Käfer von Wasserschnecken, Kleinkrebsen, Insektenlarven, Kaulquappen und auch kleinen Fischen ernähren.

Lokale Population

Abgrenzung der lokalen Population

Die Art besitzt ein nur sehr geringes Ausbreitungspotential (Matern et al. 2008, 2009) und viele Populationen weisen eine hohe genetische Eigenständigkeit auf (Matern et al. 2009, 2010). Daher sind alle Individuen eines nach Geländebeschaffenheit und Strukturausstattung räumlich klar abgrenzbaren Gebietes als lokale Population anzusehen. Eine Vernetzung von lokalen Beständen erscheint immer dann gegeben, wenn Lebensräume nicht weiter als einige hundert Meter voneinander entfernt und durch keine Barrieren getrennt sind. Als Barrieren oder starke Filter örtlicher Bewegungen dürften Siedlungen, verkehrsreiche, breitere Straßen und jegliche Offenlandbereiche (insbesondere Äcker) zu werten sein. Eine eher günstige Vernetzungssituation dürfte dagegen in geschlossenen Waldbeständen und insbesondere entlang von Waldbächen bestehen. Letztere dürften auch als Ausbreitungskorridore fungieren.

Gefährdung

Die Art hat erhebliche Flächenverluste durch die Zerstörung und Zerschneidung von Feuchtgebieten erlitten, durch Bachbegradigungen, Entwässerungen, die Anlage von Fischteichen und Quellfassungen. Auch durch Nadelholzanbau in den von ihr besiedelten Feuchtwäldern ging zum Teil Lebensraum verloren. Straßenbauten haben viele Flächen isoliert, und auch Forststraßen können die Hydrologie der Flächen verändern. Die als Tagesversteck und Winterquartier benötigten Totholzstrukturen im Uferbereich sind oft nicht in ausreichendem Umfang vorhanden. Durch den Klimawandel sind weitere Beeinträchtigungen durch verstärkte Grundwasserspiegel-Fluktuationen, intensivere und häufigere Starkniederschläge (Erosion, Sedimentfracht) etc. zu erwarten. Aufgrund ihrer Flugunfähigkeit ist die Art sehr ausbreitungsschwach, und die verbliebenen Restpopulationen sind vielfach hochgradig voneinander isoliert, so dass derzeit kaum noch ein (genetischer) Austausch zwischen ihnen stattfinden kann.

Gefährdungsursachen durch Land-, Forst-, und Fischereiwirtschaft

  • Abholzung von Baumbeständen im Bereich der Lebensräume, selbst bei sofortiger Wiederaufforstung

  • Drainierungsmaßnahmen

  • Quelleinfassung

  • Einrichtung von Fischzuchten (insbesondere Forellen) in Quellbereichen oder Wasserentnahme für unterhalb gelegene Fischzuchten

  • Beeinträchtigung durch Pestizide (direkt und indirekt)

  • Entnahme von Tot- und Altholz

Sonstige Gefährdungsursachen

  • Verlust bzw. Degradierung kleinflächiger Teillebensräume durch Befahrung z.B. waldwirtschaftliche Maßnahmen und Gewässerräumungen

  • Flächeninanspruchnahme durch Bau von Verkehrswegen (auch Forst-, Fuß- und Fahrradwege), Siedlungen, Gewerbe

Schutz

Der Erhalt aller noch bekannten Populationen und ihrer Habitate muss oberste Priorität haben. Gezielte Schutzmaßnahmen sind erforderlich und erfolgen durch Erhaltung und Wiederherstellung ausgedehnter grund- und quellwassergeprägter Wälder sowie Wiederherstellung sumpfiger naturnaher Uferbereiche von Waldbächen, sumpfiger Lichtungen und quellig-mooriger Röhrichte (Quellmoore) mit Waldkontakt. Ein wichtiger Schritt ist die notwendige Wiedervernetzung isolierter Populationen. Auch der rasch realisierbaren Erhaltung geeigneter Kleinstrukturen als Habitate (insbesondere Stubben, Alt- und Totholz) kommt eine große Bedeutung zur Stabilisierung bestehender Vorkommen zu.

Programme und Projekte

Finanzierungsinstrumente für Maßnahmen und Umsetzung von Managementplänen

  • Internetseite des BfN zu Finanzierungsoptionen von Maßnahmen im Rahmen der FFH- und Vogelschutzrichtlinie

  • Finanzierungsinstrument der EU zur Förderung von Umwelt- und Naturschutz-Projekten in Europa, LIFE+

Literaturhinweise

Gries, B., Mossakowski, D. & Weber, F. (1973): Coleoptera Westfalica: Familia Carabidae, Genera CychrusCarabus und Calosoma. Abhandlungen aus dem Landesmuseum für Naturkunde zu Münster in Westfalen 35(4): 3–80.

Kaiser, M. & Hannig, K. (2008): Die Laufkäfer in NRW – Regionale Schutzverantwortlichkeit, Schwerpunktvorkommen und Gefährdung. Natur in NRW 4: 18–21. 

Kless, J. (1965): Beobachtungen an Carabus variolosus nodulosus CREUTZ. Mitt. bad. Landesver. Naturkunde u. Naturschutz, N.F.8/4: 577.

Koth, W. (1974): Vergesellschaftung von Carabiden bodennasser Habitate des Arnsberger Waldes verglichen mit der Renkonen-Zahl. – Abh. Westl. Landesmus. Naturkde. Münster 36(3): 1-43.

Matern, A. & Aßmann, T. (2004): Nationale Verantwortlichkeit und Rote Listen – Carabus nodulosus als Fallbeispiel für die Zusammenführung von Verbreitungsdaten und Gefährdungssituation und die damit verbundenen Probleme. Naturschutz und Biologische Vielfalt 8: 235–254.

Matern, A., Drees, C., Kleinwächter, M. & Aßmann, T. (2007): Habitat modelling for the conservation of the rare ground beetle species Carabus variolosus (Coleoptera, Carabidae) in the riparian zones of headwaters. Biological Conservation 136: 618–627.

Müller-Kroehling, S. (2006): Ist der Gruben-Großlaufkäfer Carabus (variolosus) nodulosus ein Taxon des Anhanges II der FFH-Richtlinie in Deuschland? – Waldökologie online 3: 57-62.

Müller-Kroehling, S. (2008): Laufkäfer, Zeigerarten für Naturnähe. – LWF aktuell 63: 14-18.

Sturani, M. (1963): Osservazioni biologiche e morfologiche sul Carabus (Hygrocarabus) variolosus Fabricius. – Atti dell’Accademia Nazionale Italiana di Entomologica Rendiconti 11: 182-184.

Turin, H., Penev, L., Casale, A., Arndt, E., Aßmann, T., Makarov, K.V. , Mossakowski, D., Szél, G. & Weber, F. (2003): Species accounts. In: Turin, H., Penev, L. & Casale, A. (Hrsg.): The Genus Carabus in Europe – a Synthesis. Pensoft Publishers and European Invertebrate Survey, Sofia, Moscow and Leiden. 

Autoren

Kontaktinformationen für weitere Auskünfte und Hilfestellungen

Für weitere Hinweise zur Art und Hilfestellungen für die Bewirtschaftung der Lebensräume wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige Naturschutzbehörde in Ihrer Region.

Experten

Michael Franzen

Autoren

Michael Franzen

Unter Mitarbeit von

Claudia Drees, Andrea Matern

Zurück nach oben