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Biodiversitätsverluste Insekten

F+E-Vorhaben "Biodiversitätsverluste in FFH-Lebensraumtypen des Offenlandes"

Malaisefalle des Entomologischen Vereins Krefeld ((c) M. Sorg).

 

Seit Mai 2016 führt der Entomologische Verein Krefeld e. V. (EVK) unter fachlicher Begleitung durch das BfN die mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit geförderte Studie "Biodiversitätsverluste in FFH-Lebensraumtypen des Offenlandes" durch. In diesem Vorhaben werden die Artenstruktur und langfristigen Trends von Insektenzönosen als charakteristische Artengruppen verschiedener Lebensraumtypen des Offenlandes vertieft untersucht und mögliche Ursachen für ihren Rückgang ermittelt.

Ziele des F+E-Vorhabens

Zunächst sollen eine fachwissenschaftliche breite Absicherung der bisherigen Erkenntnisse über Umfang, räumliche Ausdehnung und betroffene Arten, Artengruppen und Gilden der Biodiversitätsrückgänge erfolgen und die  langfristigen Entwicklungstrends analysiert werden.

Darüber hinaus ist ein wesentliches Ziel, die Ursachen des Rückgangs von charakteristischen Arten in FFH-Lebensraumtypen (LRT) in Natura 2000-Gebieten möglichst weitreichend zu analysieren, um daraus dringend notwendige Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen ableiten und bundesweite Empfehlungen geben zu können.

Inhaltlicher Bezug zum Bestäuber-/Insektenrückgang

Massive Biodiversitätsverluste sind ein Grund für die schlechten Erhaltungszustände der Grünland-Lebensraumtypen im Nationalen FFH-Bericht 2013 nach Art. 17 FFH-RL (Bewertung der charakteristischen Arten im Parameter Struktur und Funktionen). Es zeichnet sich aber mindestens regional bereits ab, dass eine viel größere Palette der Offenland-LRT betroffen ist. Durch Biomasserückgänge sind auch insektenfressende Vogelarten in EU-Vogelschutzgebieten und die nach BNatSchG streng geschützten Fledermäuse besonders betroffen. 

Zunächst sind der Umfang des Rückganges hinsichtlich des betroffenen Biotop- und LRT-Spektrums und die räumliche Relevanz zu ermitteln. Darüber hinaus ist eine Ursachenermittlung/-eingrenzung der Biodiversitätsverluste notwendig, um gezielte Erhaltungsmaßnahmen oder evtl. Gegenmaßnahmen einleiten zu können, die eine Verschlechterung des Zustandes oder eine Verringerung der Biodiversität auf Kernflächen des Naturschutzes und insbesondere des Netzwerks Natura 2000 verhindern oder abmildern können. Aus den Einzelergebnissen sollen Empfehlungen für das Management und den Schutz von ausgewählten FFH-LRT abgeleitet werden.

Derzeit werden im Projekt zahlreiche historische Daten auf Artniveau ausgewertet und Wiederholungskartierungen ausgewählter Standorte vorgenommen. Da die Methode und die Malaisefallenstandorte exakt dokumentiert wurden, können die aktuellen Fangergebnisse direkt mit denen aus vorangegangenen Jahren verglichen werden. Seit 1982 wird diese Methode vom EVK eingesetzt. Ein weiteres wichtiges Thema des Projektes ist die Frage des Pflanzenschutzmittel-Einsatzes in Schutzgebieten.

Absehbarer Zeithorizont für relevante Ergebnisse

Während der Projektlaufzeit sollen Einzelergebnisse bereits publiziert werden. Mit einem ersten Artikel ist Anfang 2018 zu rechnen.

Wesentliche Eckpunkte zur Verwendung der Malaisefallenmethodik wurden zusammengestellt und sind hier verfügbar.

Im Rahmen dieses F+E-Vorhabens ist ein Workshop zur fachlichen Diskussion der Ergebnisse im Herbst 2018 geplant. Teilauswertungen der bisher vorliegenden Daten (im Vorfeld des F+E) zeigen einen Rückgang der Biomasse an ausgewählten Standorten um bis zu 80 % (Hallmann et al. 2017, Vogel 2017, Sorg et al. 2013).

Der Schwerpunkt der Untersuchungen liegt auf Offenland-Vergleichsflächen in Schutzgebieten, bei denen Vegetation, Sukzession oder sonstige Landschaftsveränderungen möglichst als direkte Ursachen ausgeschlossen werden können.

Ein wesentliches Projektziel sind breit angelegte Analysen auf Artniveau für zahlreiche sonst im Regelfall nicht untersuchte Insektengruppen der Hautflügler (Hymenoptera), Fliegen und Mücken (Diptera) und Käfer (Coleoptera), sowie weiterer Insektenordnungen, um eine gezielte Ursachenanalyse zu ermöglichen und Aufschluss über den Zustand charakteristischer Arten der FFH-LRT zu bekommen.

Literatur-Links

Hallmann et al. (2017): http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0185809

Vogel et al. (2017): http://science.sciencemag.org/content/356/6338/576

Sorg, M. (2013): http://80.153.81.79/~publ/mitt-evk-2013-1.pdf