Bundesamt für Naturschutz

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Naturschutz, Jahr der Wälder, 40 Jahre Ramsar-Konvention, Weltfeuchtgebietstag

Weltfeuchtgebietstag: Leistungen für Mensch und Natur sichern

  • Bundesamt für Naturschutz macht auf die Bedeutung von Feuchtgebieten aufmerksam und empfiehlt Auszeichnung weiterer Ramsarschutzgebiete

Bonn, 31. Januar 2011: Angesichts des weltweiten Feuchtgebietstags weist das Bundesamt für Naturschutz auf den bedenklichen Zustand vieler Feuchtgebiete gerade auch in Deutschland hin: Die ursprünglich vorhandenen Moore sind zu 95 % entwässert, abgetorft oder land- oder forstwirtschaftlich genutzt. Von der verbliebenen Fläche unserer Flussauen sind nur noch zehn Prozent in einem naturnahen Zustand, in dem sie ihre Funktionen erfüllen können.

Und dies obwohl Feuchtgebiete nicht nur wahre Schatzkammern der Natur sind mit zahlreichen Tier- und Pflanzenarten, sondern wesentliche Dienstleistungen für uns Menschen zur Verfügung stellen: In den Mooren sind gewaltige Kohlenstoffmengen gespeichert. Sie bilden, bleiben die Moore intakt, eine sogenannte Kohlenstoffsenke und tragen nicht zum globalen Treibhauseffekt bei, - man geht davon aus, dass in den Mooren 20-25 % der weltweiten Kohlenstoffvorräte gespeichert sind. Naturbelassene Auen leisten über ihre Filterwirkung einen wesentlichen Beitrag zur Selbstreinigung von Gewässern, der sonst vielfach über Kläranlagen erbracht werden müsste, sie lassen unseren Flüssen mehr Raum, so dass Hochwasserspitzen gedämpft werden und dadurch Siedlungen weniger gefährdet sind. Die große ökologische wie auch wirtschaftliche Bedeutung von Feuchtgebieten kann daher kaum überschätzt werden.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) wirbt deswegen auch für Ramsar-Gebiete in Deutschland. Das sind Feuchtgebiete, die nach den Kriterien der internationalen Ramsar-Konvention geschützt sowie mit einem Prädikat ausgezeichnet werden. „Deutschland hat ein grosses Potential mit seinen Juwelen bei den Feuchtgebieten zu werben und weitere wertvolle Feuchtgebiete mit dem Prädikat auszuzeichnen. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn wir in Deutschland das 40 jährige Bestehen der RAMSAR Konvention als Impuls hierzu nutzen“ sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel bei einem Pressegespräch in Bonn aus Anlass des Weltfeuchtgebietstages und des 40jährigen Bestehens der Ramsar-Konvention.

Hintergrundinformation:
In Deutschland sind Feuchtgebiete Lebensraum von spezialisierten Tier- und Pflanzenarten wie Wat- und Wasservögeln, zahlreichen, auch wandernden Fischarten, einer vielfältigen Wirbellosenfauna sowie Seggen und Torfmoosen. Die Deutschen Feuchtgebiete reichen vom Weltnaturerbe Wattenmeer und den Boddengewässern über die größeren und kleineren Fließgewässer mit ihren Auen bis hin zu den Seen, Weihern, Teichen und Tümpeln, Mooren und Sümpfen. Durch die Zerstörung der Feuchtgebiete sind viele Tier- und Pflanzenarten stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Hier sind z.B. Lachs und Stör als wandernde Fischarten oder der ausschließlich im deutschen Süßwasserwatt der Elbe vorkommenden Schierlings-Wasserfenchel zu nennen.

Feuchtgebiete wie beispielsweise Moore spielen auch eine wichtige Rolle beim Schutz des Weltklimas, denn sie speichern 20% bis 25% des globalen Kohlenstoffs. Weltweit gehören Moore zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen, was das Weltklima zusätzlich zu den menschlich verursachten direkten CO² Einträgen in die Atmosphäre in Bedrängnis bringt, wie Torfbrände im letzten Sommer gezeigt haben. Aber auch in Deutschland, wo Moore unterschiedlicher Ausprägung ursprünglich 4,2 % der Landesfläche bedeckten, sind mittlerweile 95 % aller Moore durch Nutzung und Entwässerung zerstört oder stark degeneriert.

In den Auen deutscher Flüsse stehen nur noch rund 1/3 der Fläche als Retentionsraum zur Verfügung. Von der verbliebenen Fläche sind nur 10% noch naturnah. Dies sind die ernüchternden Ergebnisse des Auenzustandsberichtes des Bundesamtes für Naturschutz. Die verheerenden Folgen werden mit jedem extremen Hochwasser, mittlerweile fast jährlich sichtbar. Mit dem Erhalt und der Wiederherstellung funktionsfähiger Auen und Auwälder in Deutschland können die Folgen der durch den Klimawandel noch verstärkten Extremereignisse von Niedrig- und Hochwasser an Flüssen abgemildert werden womit auch ein Beitrag zur Vermeidung volkswirtschaftlicher Schäden geleistet wird.

Dass intakte Auen und Feuchtgebete auch eine enorme wirtschaftliche Bedeutung haben wird an einer Untersuchung des Bundesamtes für Naturschutz an der Elbe deutlich: Die Rückdeichung von 35.000 ha ehemaliger Auenflächen würde durchschnittlich jährliche Kosten von 18 Mio € verursachen; dem stehen jedes Jahr eingesparte Schadenskosten von 6 Mio € sowie eingesparte Klärleistungen und alternative Maßnahmen zur Nährstoffminderung von 16 Mio € gegenüber; hinzu kommen weitere 30 Mio €, mit denen befragte Personen unter anderem den Wert der Erholungsleistung einstuften. Dieses Ergebnis unterstreicht eindrücklich, dass sich Rückdeichungen auch aus wirtschaftlicher Sicht als sinnvolle Maßnahmen erweisen.

Die Ramsar-Konvention von 1971, die bis dato von 160 Staaten (Stand 14.1.2011) unterzeichnet wurde feiert als eine der ältesten Naturschutzkonventionen dieses Jahr ihren 40. Geburtstag. Ihr Hauptziel ist mittlerweile nicht nur, die Feuchtgebiete weltweit zu erhalten und beeinträchtigte oder zerstörte Gebiete wiederherzustellen, sondern dies auch mit einer wohlüberlegten und nachhaltigen Nutzung ("wise use") zu verbinden. Obwohl eine der weltweit ältesten NaturschutzKonventionen, verfolgt die Ramsar-Konvention einen sehr modernen Ansatz eines integrativen Naturschutzes. Deutschland hat bislang 34 Feuchtgebiete internationaler Bedeutung als Ramsar-Gebiete gemeldet.

Im Rahmen der Nationalen Biodiversitätsstrategie, die im November 2007 von der Bundesregierung verabschiedet wurde, hat sich Deutschland zudem auch auf nationaler Ebene konkrete Ziele auch im Feuchtgebietsschutz gesetzt, um sowohl den Artenrückgang zu stoppen als auch wesentliche Beiträge zum Schutz der Wälder zu leisten: So sollen z. B. in allen Bundesländern Moorentwicklungskonzepte erarbeitet werden, deren Umsetzung bis 2025 vorgesehen ist. Bis 2020 sollen Fließgewässer und ihre Auen in ihrer Funktion als Lebensraum soweit gesichert sein, dass eine für Deutschland naturraumtypische Vielfalt gewährleistet ist.

Der Weltfeuchtgebietstag am 2. Februar wird seit 1997 jährlich begangen und erinnert an die Unterzeichnung der Konvention über Feuchtgebiete internationaler Bedeutung in der iranischen Stadt Ramsar am 2. Februar 1971. Im Jahr 2011 feiert die Ramsar Konvention ihren 40. Geburtstag als älteste weltweite Naturschutzkonvention.

Informationen im Internet:

Ramsar Kurzfilm (5:50 min) unter:

www.bfn.de/0310_weltfeuchtgebietstag.html

Feuchtgebiete sind äußerst bedeutende Ökosysteme und haben einen entscheidenden Einfluss auf den Wasserhaushalt, das Klima und für den Erhalt der biologischen Vielfalt unser Erde. Der Film zeigt die vielfältigen Funktionen von Feuchtgebieten, die Folgen ihrer Zerstörung und wie die Ramsar Konvention hilft, zum Erhalt von Feuchtgebieten in Europa und weltweit länderübergreifend zusammenzuarbeiten.

 

Internationales Jahr der Wälder:

Die Vereinten Nationen haben 2011 zum Internationalen Jahr der Wälder erklärt, um einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Wälder weltweit zu leisten. Am 2.Februar wird die UN in New York die internationale Kampagne starten. Wie bereits in Deutschland hat das Sekretariat der Biodiversitäts-Konvention (Convention on Biological Diversity, CBD) der Vereinten Nationen den Tag der Biodiversität, den 22. Mai, jetzt auch weltweit unter das Motto “Biodiversität der Wälder“ gestellt.

Letzte Änderung: 31.01.2011

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