Bundesamt für Naturschutz

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„Allgäuer Moorallianz“ vereint Naturschutz und Klimaschutz

  • BfN-Präsidentin besucht das Projektgebiet der „Allgäuer Moorallianz“
  • „Moorbauernhöfe“ stehen für vorbildliche Partnerschaft von Naturschutz, Landwirtschaft und Klimaschutz

Halblech/Bonn, 01. August 2012: Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Prof. Beate Jessel besuchte das Naturschutzgroßprojekt "Allgäuer Moorallianz", eine der fünf Gewinnerregionen des Bundeswettbewerbs "idee.natur - Zukunftspreis Naturschutz". Das Naturschutzgroßvorhaben, das aus dem Förderprogramm "chance.natur - Bundesförderung Naturschutz" finanziert wird, will die bundesweit einzigartigen Hochmoore und Streuwiesen in den voralpinen Landkreisen Ostallgäu und Oberallgäu langfristig erhalten und renaturieren. Sogenannte "Moorbauernhöfe" unterstützen dieses Vorhaben mit nachhaltiger Landnutzung auf Streuwiesen.

Die BfN-Präsidentin hob bei ihrem Besuch die besondere Bedeutung des Projektes hervor: "Die im Allgäu noch zahlreich vorkommenden intakten Hochmoore sind Edelsteine der Natur. Mit der Wiederherstellung und dauerhaften Sicherung von Mooren mit einem naturnahen Wasserhaushalt sowie dem Erhalt und der Extensivierung von Streuwiesen trägt das Naturschutzgroßvorhaben zum Erhalt des Naturerbes bei. Zugleich leistet es einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz", sagte Prof. Beate Jessel.

In Mooren mit ihren Torfkörpern sind große Mengen an Kohlenstoff gespeichert. Als Folge von Entwässerungen und der Intensivierung der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung sind viele Moore zumindest oberflächig ausgetrocknet. Dies führt zur Freisetzung der klimaschädlichen Gase Kohlendioxid und Lachgas. Dieser Prozess soll nun im Projekt gestoppt werden. Mit dem Rückbau von Entwässerungseinrichtungen, mit Staumaßnahmen sowie der Extensivierung der umgebenden Streuwiesen werden geschädigte Moore revitalisiert. Von diesen Maßnahmen sollen zusätzlich die teilweise ausschließlich hier vorkommenden Tier- und Pflanzenarten profitieren und langfristig in ihren Beständen gesichert werden. Im Rahmen der beantragten Förderphase II sind rund 6,3 Mio. € an Bundesmitteln für die Umsetzung des Projekts im 13.811 ha großen Kerngebiet vorgesehen.

Neben dem Erhalt von Mooren soll in dem Vorhaben zudem ein Beitrag zum Schutz des bundesweit stark gefährdeten Grünlandes geleistet werden. In einem beispielhaften Zusammenspiel von anspruchsvollem Naturschutz und nachhaltiger Landnutzung ist es gelungen Rahmenbedingungen zu schaffen, die langfristig eine stabile Partnerschaft von Naturschutz und Landnutzern ermöglichen. Das Streuwiesenkonzept des Vorhabens sieht mit der Einbindung von sogenannten Moorbauernhöfen eine dauerhafte Nutzung der anfallenden Streu der spät im Jahr gemähten naturschutzfachlich wertvollen, nährstoffarmen Wiesen vor. So werden die Stoffeinträge in die Moore minimiert. Das Ziel des Projektes ist es, Moore wiederherzustellen, die allein der eigenen Dynamik und Selbstregulation unterliegen. Zudem sollen die für das Allgäu charakteristischen, artenreichen Streuwiesen dauerhaft gesichert werden, die durch Zunahme brachliegender Flächen und Intensivierung gefährdet sind.

 

 

Hintergrund

Moore haben eine große Bedeutung für die biologische Vielfalt und für den Klimaschutz. Für Deutschland wird davon ausgegangen, dass in Mooren ebensoviel Kohlenstoff gespeichert ist wie in Wäldern, nämlich jeweils ca. ein Drittel der Kohlenstoffvorräte, obwohl Moorböden hier nur ca. 3 bis 5 % der Landesfläche bedecken und Wälder ca. 30 %. Entwässerte Moore verlieren jedoch ihre Funktion als Kohlenstoffspeicher. Sie setzen vielmehr in erheblichem Maße Treibhausgase frei und tragen somit zum Klimawandel bei. Die Ausgasungen aus Äckern und Intensivgrünland auf ehemaligen Moorstandorten sind sehr hoch. Die im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes vorgesehenen Revitalisierungsmaßnahmen in den Mooren der Allgäuer Moorallianz tragen dazu bei, die klimaschädigende Wirkung degradierter Moore zu mindern und ihre Funktion als Kohlenstoffspeicher wieder herzustellen.

Der Bundeswettbewerb "idee.natur - Zukunftspreis Naturschutz" wurde vom Bundesumweltministerium und dem Bundesamt für Naturschutz in Kooperation mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium im Jahr 2008 ausgeschrieben. Im Rahmen dieses Wettbewerbes sollten neue zukunftsweisende Konzepte für Naturschutzgroßprojekte entwickelt werden, die zugleich wirtschaftliche Perspektiven für ländliche Regionen erschließen. Das Projekt "Allgäuer Moorallianz" ist eine von fünf Gewinnerregionen.

Mit dem Förderprogramm "chance.natur - Bundesförderung Naturschutz" unterstützt der Bund seit 1979 ausgewählte Regionen bei ihren Bemühungen, national besonders schützenswerte Naturräume und historisch gewachsene Kulturlandschaften großräumig zu sichern. Insgesamt wurden bislang 76 Vorhaben auf einer Gesamtfläche von mehr als 3.500 Quadratkilometern in die Förderung aufgenommen.

Letzte Änderung: 01.08.2012

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