Bundesamt für Naturschutz

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Naturschutz, China, TEEB,

Bundesamt für Naturschutz führt intensive Kooperation mit China in den Bereichen Klima-, Hochwasser- und Naturschutz fort

  • Wissenschaftler und Regierungsvertreter beider Staaten beraten im BfN

Bonn, 15. Juli 2013: Auf Einladung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und seines chinesischen Kooperationspartners, der "Chinese Research Academy of Environmental Sciences", hat heute in Bonn ein viertägiger Expertenaustausch begonnen. Im Fokus der Veranstaltung stehen die erbrachten Leistungen von Feuchtgebieten wie Mooren und Flussauen.
Denn intakte Feuchtgebiete wirken dem Klimawandel entgegen, verbinden sinnvoll einen effektiven Hochwasser- und Naturschutz miteinander und leisten als Erholungsräume einen wichtigen Beitrag zum menschlichen Wohlergehen. Diese Ökosystem-Leistungen sind volkswirtschaftlich sehr wertvoll und können ökonomisch bewertet werden. Damit ist es möglich, die positiven Leistungen der Natur in konkreten politischen und unternehmerischen Entscheidungen zu berücksichtigen.

In Deutschland wie in China sind allerdings viele Moor- und Feuchtgebiete durch Entwässerung und eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung ausgetrocknet oder von Austrocknung bedroht. Dabei bieten gerade feuchte Torfböden als dauerhafte Kohlenstoffspeicher einen wichtigen Ausgleich zum Kohlendioxid-Ausstoß. Die Wiederherstellung und Sicherung von Moorflächen mit naturnahem Wasserhaushalt stellt eine kostengünstige Möglichkeit zur Eindämmung des Klimawandels dar. Gleichzeitig wird im Zuge einer Renaturierung dieser Ökosysteme ein wichtiger Beitrag für den regionalen Wasserhaushalt und die biologische Vielfalt geleistet.

In den kommenden Tagen werden hochrangige Wissenschaftler, Regierungsvertreter und Vertreter der Zivilgesellschaft aus China, Deutschland und anderen europäischen Ländern die Bedeutung von Feuchtgebieten und Wasserkörpern in ländlichen Räumen und städtischer grüner Infrastruktur v.a. für städtische Ballungsräume erörtern.

Weltweit werden gerade in stark überprägten und verstädterten Gebieten die größten Mengen an klimawirksamen Treibhausgasen ausgestoßen und die biologische Vielfalt verdrängt. Zudem sind hier, wie die vergangenen Wochen in Deutschland gezeigt haben, potentiell die größten Vermögenswerte von Überflutungen betroffen.

Die bilaterale Kooperation zwischen dem deutschen Bundesamt für Naturschutz und der chinesischen Umweltbehörde im Bereich Naturschutz besteht bereits seit 2008. Sie steht seit dem letzten Jahr im Zeichen von TEEB (The Economics of Ecosystems and Biodiversity), einer internationalen Initiative, die den Wert von Ökosystemen und Biodiversität mit ökonomischen Zusatz-argumenten unterstreicht. Unter Beteiligung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission sowie zahlreicher Universitäten und Nichtregierungsorganisationen gilt der jetzige Austausch v.a. wissenschaftlich-methodischen Fragen und der Übersetzung von wissenschaftlichen Ergebnissen in Politikempfehlungen.

Hintergrund:
Im Jahr 2005 stellten die Vereinten Nationen die Ergebnisse des Millennium Ecosystem Assessments vor. Darin wurde der Zustand von Ökosystemen durch die Analyse und Bewertung ihrer Leistungen für das Überleben auf unserem Planeten dargestellt. Im Rahmen der deutschen G8-Präsidentschaft initiierte Deutschland 2007 gemeinsam mit der Europäischen Kommission die internationale TEEB-Studie. Ihr Ziel war es, Ökosystemdienstleistungen einen Wert beizumessen, um der weltweiten Naturzerstörung mit ökonomischen Gegenargumenten entgegenzutreten und die entstandenen Kosten in betriebs- und volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen einzubeziehen. Um diese Ziele national umzusetzen, hat TEEB International die Erarbeitung nationaler Studien empfohlen.

Deutschland arbeitet seit 2012 an einer nationalen TEEB-Studie (http://www.naturkapitalteeb.de/aktuelles.html). Schwerpunkte der deutschen Studie sind neben Biodiversität und Unternehmen die Ökosystemleistungen urbaner und ländlicher Räume sowie das Thema Klimapolitik und Naturkapital. Auch in China wachsen die Bemühungen, eine nationale TEEB-Studie zu erarbeiten. Um dies zu unterstützen und den wissenschaftlichen Austausch auf diesem Gebiet voranzutreiben, findet mit dem 6. Deutsch-Chinesischen Workshop zu "TEEB for Cities and Urban-Rural Interactions - with a focus on wetland ecosystem services" bereits die vierte Fachveranstaltung in diesem Kontext statt. Neben dem wissenschaftlichen Austausch dient die Veranstaltung dazu, die jeweilige Situation in beiden Ländern zu vermitteln, beteiligte Akteure zu vernetzen und Handlungsoptionen aufzuzeigen, mit Hilfe derer der Erhalt von Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen durch die Berücksichtigung ökonomischer Argumente verbessert werden kann.

Letzte Änderung: 15.07.2013

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