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Bergwiesen im Osterzgebirge – Nutzung im Einklang mit der Natur – Und es geht doch!


Feuchtwiese mit dem Breitblättrigen Knabenkraut (© Holger Menzer)
Auf dem Foto sieht man eine Feuchtwiese mit dem Breitblättrigen Knabenkraut, einer heimischen Orchideenart im NSG am Galgenteich

Hintergrund

Die Kulturlandschaft auf dem Kamm des Osterzgebirges um Altenberg und Fürstenau, ca. 50 km südlich von Dresden, bildet entlang der tschechischen Grenze ein einzigartiges Mosaik an blütenbunten Bergwiesen und charakteristischen Steinrücken mit besonderer Eigenart und Schönheit. Bemerkenswert ist die Vielzahl an schützenswerten Biotopen und der reichhaltigen Flora und Fauna. Beeindruckend sind die zahlreichen Vorkommen verschiedener Bergwiesenarten wie Orchideen, Arnika, Feuerlilie und Trollblume. Herausragende Bedeutung erlangt das Gebiet durch die Vorkommen besonders gefährdeter Vogelarten wie Wachtelkönig, Bekassine und Braunkehlchen und Arten mit bundesweiter Bedeutung wie Birkhuhn, Hochmoor-Laufkäfer und Karpatenenzian. 

Wachtelkönig (© J. Glässner)
Auf dem Foto ist ein rufender Wachtelkönig, der in einer Wiese sitzt abgebildet.
Birkhuhn (© J. Glässner)
Auf dem Foto sieht man ein balzendes männliches Birkhuhn.

Das Projekt

Das Naturschutzgroßprojekt (NGP) „Bergwiesen im Osterzgebirge“ untergliedert sich in ein 2.858 ha großes Projektgebiet und in zwei direkt aneinander angrenzende Projektgebiete mit einer Kerngebietsgröße von insgesamt 1.828 ha. Ziel des Naturschutzgroßprojektes ist die Erhaltung und Entwicklung eines repräsentativen Ausschnitts dieser einmaligen Offenlandschaft mit ihren schützenswerten Lebensräumen und Arten wie Bergwiesen, Borstgrasrasen, Feuchtwiesen, Steinrücken und Mooren durch Maßnahmen des Arten- und Biotopschutzes, extensive Land- und Forstwirtschaft und naturverträglichen Tourismus. Dazu sollen historische Nutzungsformen wieder belebt und passende, umweltgerechte Bewirtschaftungsformen gefunden und angewendet werden.


Dort, wo der Wachtelkönig brütet erfolgt die Mahd der Flächen erst nach dem 15. August (© Holger Menzer)
Auf dem Foto sieht man ein Brutgebiet des Wachtelkönigs mit Hügel- und Wiesenlandschaft.

Unerlässlich für die Umsetzung der im Pflegeplan beschriebenen Maßnahmen war der Flächenkauf. Seit Projektbeginn wurden dazu über 620 ha erworben, die langfristig an die regionalen Landwirtschaftsbetriebe und Naturschutzvereine verpachtet wurden. Damit bestand die Möglichkeit, Maßnahmen zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung der artenreichen Bergwiesen und zur Wiedervernässung von Feuchtbiotopen und Mooren sowie die Instandsetzung von über 100 km prägenden Steinrücken umzusetzen. 


Beim Mähgutübertrag wird artenreiches Grüngut auf der Empfängerfläche ausgebracht (© Holger Menzer)
Auf dem Foto sieht man einen Mann mit einer landwirtschaftlichen Maschine, die Mähgut transportiert und eine Frau, die mit einer Heugabel auf einer Wiese Mähgut verteilt.

Über 20 ha Brachflächen konnten entbuscht und jährlich ca. 100 ha Grünland entsprechend der naturschutzfachlichen Anforderungen gemäht und beweidet werden. Inzwischen werden fast alle Grünlandflächen im Gebiet naturschutzgerecht bewirtschaftet. Flankierend dazu fand auf über 50 ha geeigneter Empfängerflächen der Übertrag von artenreichem Mähgut zur schnelleren Entwicklung von Berg- und Feuchtwiesen statt. Wesentliche Projektziele wie die Erhaltung von wertvollen Bergwiesen und die Entwicklung von Intensivgrünland zu extensiv genutzten, artenreichen Grünlandgesellschaften wurden damit erreicht. 


Durch besondere Artenschutzmaßnahmen wie die Durchführung der brutschonenden Wiesenmahd konnten Bestandszunahmen bei Wachtelkönig und Bekassine beobachtet werden. Gleiches gilt für ausgewählte floristische Leitarten wie Arnika, Feuerlilie oder verschiedene Orchideenarten, deren Anzahl auch durch zusätzliche Bestandsstützungen und Wiederansiedlungen deutlich gewachsen ist.

Darüber hinaus wurden zur dauerhaften Sicherung der Projektziele 1.300 ha als Naturschutzgebiete gesichert.

Charakteristische Steinrücken an der Klengelsteigwiese bei Altenberg (© Holger Menzer)
Auf dem Foto sieht man einen entbuschten Steinriegel am Rand einer Bergwiese.

Ausblick

Die Erfahrungen aus der langjährigen Zusammenarbeit mit den Landbewirtschaftern und die hervorragende Akzeptanz in der Gesellschaft sind geeignete Grundlagen für die Vernetzung ähnlicher Flächen angrenzender Gebiete mit einem hohen Naturschutzwert. Gemeinsam wird mit dem Landkreis und der Naturschutzstation Osterzgebirge geprüft, das Projektgebiet in ein neues Großschutzgebiet zu integrieren um auch hier weitere Bergwiesenkomplexe durch entsprechende Pflegemaßnahmen zu entwickeln und deren nachhaltige Nutzung durch Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte und naturverträglichen Tourismus zu fördern. Unsere Webseite, Broschüren, Führungen und Vorträge sind gut geeignet, eine breite Öffentlichkeit umfassend über die Bergwiesen im Osterzgebirge zu informieren. 

Überregional bekannt sind die blütenbunten Bergwiesen am Geisingberg (© Holger Menzer)
Auf dem Foto sieht man eine bunte Bergwiese mit gelben Trollblumen und violetten Orchideen.

Publikationen/weiterführende Links

Homepage des Naturschutzgroßprojektes „Bergwiesen im Osterzgebirge“  -  alle Projektinformationen, News, Panoramen und der ultimative Film zum Projekt

Laufzeit

Projekt 1: Dezember 1999 - November 2008

Projekt 2: Dezember 2010 - Dezember 2018

Fördervolumen insgesamt: 10,8 Mio. €
Bund: 75% (Projekt 1) / 65%  (Projekt 2)
Freistaat Sachsen: 20% (Projekt 1) / 28% (Projekt 2)
Landkreis Sächsische Schweiz und Projektpartner: 7%   

Projektträger

Landkreis Sächsische Schweiz - Osterzgebirge
mit den Projektpartnern Stadt Altenberg, Stadt Geising und dem Förderverein für die Natur des Osterzgebirges e.V.

Fachbetreuung im BfN

Annette Hagius, FG I 2.1

Letzte Änderung: 25.02.2019

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