Bundesamt für Naturschutz

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Gewässer- und Auenentwicklung


Elbufer mir Sandbänken und Ufergehölz

Die  Flussauen  der  großen  Ströme  und  vieler  kleiner  Flüsse  in  Deutschland  sind  meist  weit  von ihrem natürlichen Zustand entfernt. Laut Auenzustandsbericht  gelten in  Deutschland nur noch etwa 9 % der rezenten Auen, die selbst nur ein Drittel  der  ursprünglichen  Auenflächen  ausmachen,  als  ökologisch  intakt. Die Gewässer- und Auenentwicklung dient der Wiederherstellung ökologisch funktionsfähiger Flusslandschaften. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung vielfältiger Ökosystemleistungen  sowie zum Erhalt und zur Entwicklung von Lebensräumen für selten gewordene Pflanzen und Tiere geleistet.


Die Publikation  „Biodiversität der Flussauen Deutschlands“  (NaBiV Heft 163) gibt einen Überblick zur biologischen Vielfalt von Flussauen und zeigt, dass sich Auenökosysteme durch die Schaffung geeigneter ökologischer Rahmenbedingungen in hohem Maße regenerieren können. Hierfür sind jedoch große Zeiträume einzukalkulieren und die Flussdynamik ist dabei ein entscheidender Faktor.


Seit Beginn der 1980er Jahre werden verstärkt Anstrengungen unternommen, Gewässer und Auen wieder in einen naturnahen Zustand zu versetzen. Dabei handelt es sich überwiegend um Pilot- und Einzelprojekte; deren wissenschaftliche Begleitung in der Regel nur über einige wenige Jahre hinweg erfolgt. Im  Rahmen  des Vorhabens „Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben zur Auenrenaturierung –  Erfolgskontrollen 20 Jahre später“ (BfN-Skripten 588) wurden die wissenschaftlichen Begleituntersuchungen von vier ehemaligen Pilotvorhaben zur Auenrenaturierung ungefähr 20 Jahre nach Projektende in Teilen wieder aufgenommen. Die Bilanz im Hinblick auf den Wert der Gebiete  als  naturnahe Inseln in der intensiv genutzten Kulturlandschaft ist durchweg positiv. Das Ziel einer   größeren Auendynamik – die Grundvoraussetzung  für eine  Wiederansiedlung  von auentypischen Arten – ließ sich aber nur auf wenigen Teilflächen erreichen und zwar dort, wo durch die Maßnahmenumsetzung auch tatsächlich eine größere Auendynamik entstehen konnte. Die Ergebnisse dieser Erfolgskontrolle bestätigen die Notwendigkeit einer Wiederherstellung der funktionalen Einheit von Aue und Fließgewässer.


Verbesserungen der ökologischen Situation von Flussauen, hängen wesentlich von einer effizienten Nutzung vorhandener Möglichkeiten zur Entwicklung und Verbesserung ab. Eine Studie des BfN zeigt, dass die Potenziale zur naturnahen Auenentwicklung (BfN-Skripten 489) regional unterschiedlich, in der Gesamtheit aber umfangreich sind und bislang nur bedingt ausgeschöpft werden. Bundesweit könnten demnach rund 850 Altauenflächen wieder an das Überflutungsgeschehen angeschlossen werden. Dies entspricht etwa einem Fünftel der ursprünglichen Überflutungsflächen bzw. einer Vergrößerung der rezenten Auen um 40 %. Das Potenzial ist also deutlich größer als die bisher realisierte oder geplante Wiedergewinnung.


Flutrinne an der Unteren Havel (Foto: BfN/Ehlert)

Das Bundesamt für Naturschutz setzt sich gemeinsam mit vielen anderen Akteurinnen und Akteuren dafür ein, Flussauen zu renaturieren. Die Möglichkeiten der Umsetzung sind dabei vielfältig und reichen vom Rückbau von Querbauwerken, Uferverbau und Deichen, über die Wiederanbindung künstlich abgetrennter Altarme, die Förderung extensiver Nutzungsformen, die Reetablierung von Auwäldern bis hin zur Renaturierung ganzer Flusslandschaften.

 

Projekte des Bundesamtes für Naturschutz

Im Rahmen von Bundesförderprogrammen werden im Fachgebiet „ Gewässerökosysteme, Wasserhaushalt, Blaues Band“ Naturschutzgroßprojekte Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben und Projekte im Förderprogramm Auen betreut, die dem Schutz, der Entwicklung und der dauerhaften Sicherung von Fließgewässern und Auen dienen. Zu den Projekten des Bundesamtes für Naturschutz


Bundesweite Übersicht zu Auenrenatuierungsprojekten

Über die Projekte der Bundesförderprogramme hinaus hat das Bundesamt für Naturschutz eine bundesweite Übersicht zu Auenrenaturierungsprojekten an Flüssen erstellt. Eine bundesweite Übersichtskarte, eine Auflistung der dargestellten Projekte mit Hyperlinks zu den jeweiligen Projekt-Homepages und ein Formular zur Meldung weiterer Auenprojekte können unter folgendem Link eingesehen werden. Zur bundesweiten Übersicht 

Veröffentlichungen

Cover NaBiV 163

Biodiversität der Flussauen Deutschlands Bestellung


Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben zur Auenrenaturierung – Erfolgskontrollen 20 Jahre später (9 MB)


Titelblatt Skript 489

Potentiale zur naturnahen Auenentwicklung - Bundesweiter Überblick und methodische Empfehlungen für die Herleitung von Entwicklungszielen (BfN-Skript 489)

Anhänge:
 Karte 1
 Karte 2
 Karte 3

 


Letzte Änderung: 17.03.2021

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