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Indikatoren veranschaulichen die Auswirkungen des Klimawandels auf die biologische Vielfalt

Hintergrund

Die Kohlmeise wird in dem DAS-Indikator „Temperaturindex der Vogelartengemeinschaft“ berücksichtigt (Foto: Elisa Braeckevelt)
Kohlmeise in einem Pfirsichbaum.

Der Klimawandel führt auf ganz unterschiedliche Art und Weise zu erheblichen Veränderungen der biologischen Vielfalt. Zum Beispiel fangen viele Pflanzen früher im Jahr an zu blühen und für Tiere und Pflanzen verschiebt sich die Lage geeigneter Habitate. Zudem haben auch die Strategien zur Vermeidung des Klimawandels, wie z.B. der Ausbau erneuerbarer Energien, Auswirkungen auf die Landnutzung und die biologische Vielfalt. Solche Veränderungen greifen in ein komplexes Zusammenspiel von Organismen ein und können daher weitreichende Folgen für die Biodiversität haben.

Um diese Auswirkungen anschaulich darzustellen und sie für die Öffentlichkeit und Politik zugänglich zu machen, eignen sich Indikatoren. Indikatoren an der Schnittstelle zwischen Klimawandel und Biodiversität gibt es bisher allerdings kaum.

Das Projekt

Naturschutzgebiete können dazu beitragen, den Tier- und Pflanzenarten die Anpassung an den Klimawandel zu ermöglichen (Foto: Elisa Braeckevelt)
Verkehrsschild eines Naturschutzgebietes.

Ein Hauptziel des Projekts ist die Entwicklung eines Satzes naturschutzfachlich aussagekräftiger Indikatoren zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die biologische Vielfalt in Deutschland. Das Projekt arbeitet daran, ein schlüssiges Indikatorensystem zusammenzustellen, das in leicht verständlicher Form einen breiten Überblick über die vielfältigen und komplexen Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Biodiversität schafft. 

Dieses Indikatorensystem soll schließlich auch für die Politikberatung herangezogen werden: Deutschland setzt sich mit der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) das Ziel, die Anpassungsfähigkeit natürlicher Systeme zu erhalten und zu steigern. Mithilfe der Indikatoren soll auf anschauliche Art und Weise ermöglicht werden, zu überprüfen und zu kommunizieren, wo Deutschland in Bezug auf die in der Strategie formulierten Ziele steht, und Handlungsbedarfe aufzuzeigen. Bei der Entwicklung passender Indikatoren zu Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität werden eine Reihe von Anforderungen hinsichtlich ihrer Aussagefähigkeit, Konzeption, Steuerbarkeit, Datenverfügbarkeit, Auflösung usw. berücksichtigt. Eingeschränkte Datenverfügbarkeiten und die Erstellung geeigneter Berechnungsmethoden stellen dabei die größten Herausforderungen dar.

Als besonders vielversprechend gelten zurzeit Indikatoren zu:

  • phänologischen Veränderungen bei Tierarten: Phänologische Veränderungen können z. B. zu einer Entkopplung von Räuber-Beute-Beziehungen führen und sich dadurch negativ auf die Bestandsentwicklung von Arten auswirken.
  • Arealveränderungen bei klimasensitiven Pflanzenarten: Durch Arealverschiebungen kommt es zur Ausbildung neuer Pflanzengemeinschaften und Vegetationstypen mit neuen Nahrungsnetzen und Konkurrenzverhältnissen, was z. B. zur Gefährdung von Arten führen kann.
  • Sicherung des länderübergreifenden Biotopverbunds: Für viele Tier- und Pflanzenarten sind Wanderungs- und Ausbreitungsmöglichkeiten essentiell, damit sie sich an klimatische Änderungen anpassen können. Zum Erhalt der Artenvielfalt und genetische Vielfalt müssen daher geeigneter Habitate und Lebensräume in einem Verbund geschützt werden.
  • Lebensraumvielfalt und Landschaftsqualität: Eine Landschaft mit einem vielfältigen Mosaik verschiedener Lebensräume und einer hohen Vielfalt an Habitattypen verbessert die Überlebensmöglichkeiten von Tieren und Pflanzen, weil Rückzugs- und Ausweichlebensräume in ausreichender Zahl und ausreichender Nähe zueinander vorhanden sind.

Vielfältig strukturierte Landschaften stellen für viele Tier- und Pflanzenarten eine Art Versicherung gegen den Klimawandel dar (Foto: Elisa Braeckevelt)
Strukturierte Landschaft mit Acker, Hecken, Wald.

Ausblick

Für einige der in Entwicklung befindlichen Indikatoren bestehen gute Aussichten, sie abschließend konzeptionieren und berechnen zu können. Diese Indikatoren könnten künftig durch regelmäßige Berichterstattungen wertvolle Informationen über die Folgen des Klimawandels auf die Biodiversität liefern und Politikerinnen und Politiker bei klima- und biodiversitätsrelevanten Entscheidungen aus Naturschutzperspektive unterstützen und beraten. Deutschland kann mit der erfolgreichen Entwicklung solcher Indikatoren und deren Integration in Berichtssysteme einen wichtigen Beitrag dazu leisten, ein verbessertes Verständnis für klimawandelbedingte Veränderungen der biologischen Vielfalt aufzubauen. 

Publikationen / weiterführende Links

Laufzeit

09/2017 bis 08/2019

Förderprogramm

F+E-Vorhaben, UFOPLAN 2017

Projektnehmer

Prof. Dr. Stefan Heiland
TU Berlin
FG Landschaftsplanung und Landschaftsentwicklung
Straße des 17. Juni 145
10623 Berlin
stefan.heiland@tu-berlin.de
Webseite Fachgebiet Landschaftsplanung und Landschaftsentwicklung
Webseite TU Berlin

Beteiligte Partner

Prof. Dr. Gert Rosenthal
Universität Kassel
FG Landschafts- und Vegetationsökologie
Gottschalkstraße 26a
34127 Kassel
rosenthal@asl.uni-kassel.de
Webseite Universität Kassel

Prof. Dr. Ulrich Walz
HTW Dresden
Fakultät Landbau/Umwelt/Chemie
Pillnitzer Platz 2
01326 Dresden
ulrich.walz@htw-dresden.de
Webseite HTW Dresden

Christoph Sudfeldt
Dachverband Deutscher Avifaunisten e.V.
An den Speichern 6
48157 Münster
christoph.sudfeldt@dda-web.de
Webseite DDA e.V.

Daniel Fuchs
PAN Planungsbüro für angewandten Naturschutz GmbH
Rosenkavalierplatz 8
81925 München
info@pan-gmbh.com
Webseite PAN GmbH

Fachbetreuung im BfN

Dr. Elisa Braeckevelt, FG II 1.3 Monitoring

Letzte Änderung: 04.06.2018

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