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Rote Liste zeigt Gefährdung der Pflanzenvielfalt in Deutschland

Hintergrund

Farn- und Blütenpflanzen prägen die Lebensräume anderer Pflanzen-, Tier- und Pilzarten sowie das Bild der Natur- und Kulturlandschaften. Veränderungen der Pflanzenvielfalt wirken sich entsprechend auf die biologische Vielfalt und damit auf die Zusammensetzung und die Funktion der Ökosysteme aus. Das Wissen über die Bestandssituation und die Gefährdung der Pflanzenvorkommen ist somit eine wichtige Grundlage nicht nur für den botanischen Artenschutz. Die Verbesserung der Kenntnis zu Zustand und Entwicklung der biologischen Vielfalt ist auch ein in der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt (NBS) festgelegtes Ziel. Rote Listen knüpfen an diese Zielsetzung an und geben Auskunft darüber, welche Arten in Deutschland wachsen und wie stark diese gefährdet sind. 

27,5 % der Taxa der Farn- und Blütenpflanzen sind bestandsgefährdet
Das Tortendiagramm zeigt die Anteile der Farn- und Blütenpflanzen in den Kategorien der Roten Liste.

Das Projekt

Zwanzig Jahre nach Erscheinen der vorigen Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen wurde im Dezember 2018 die aktuelle Fassung vorgestellt. Die Roten Listen sind ein Beispiel für die enge Zusammenarbeit von ehrenamtlichem und behördlichem Naturschutz. Insgesamt 27 Autoren und Autorinnen haben die aktuelle Fassung der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen erarbeitet, viele weitere Experten und Expertinnen steuerten zusätzliche Informationen und Kenntnisse bei. Eine wesentliche Grundlage für die Ermittlung der Bestandsveränderungen waren die Verbreitungsdaten der Pflanzenarten, die über viele Jahre von etwa 5000 Pflanzenkennern erhoben wurden.

Stark gefährdet: die Ackerwildkrautart Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis) (© Eckhard Garve)
Auf dem Foto sieht man die orangefarbene Blüte eines Sommer-Adonisröschens.
Die Kornrade (Agrostemma githago) – eine stark gefährdete Ackerwildkrautart (© Detlev Metzing)
Auf dem Foto sieht man die violette Blüte der Kornrade.

Für die 3880 in Deutschland heimischen Taxa (Arten-  und Unterarten) der Farn- und Blütenpflanzen wurden jeweils die Bestandssituation sowie die kurz- und langfristigen Bestandstrends ermittelt und daraus die Gefährdungskategorie abgeleitet. Die Rote Liste bewertet neben der Gefährdung der einzelnen Arten auch die Verantwortlichkeit Deutschlands für deren Erhalt. Sie ermöglicht damit die Priorisierung von Naturschutzmaßnahmen und zeigt Handlungs- und Forschungsbedarfe auf. 

27,5 % der Farn- und Blütenpflanzentaxa werden derzeit als bestandsgefährdet eingestuft, d. h. sie sind entweder vom Aussterben bedroht oder in unterschiedlichem Ausmaß gefährdet. Damit hat sich der Anteil der gefährdeten Arten gegenüber der Situation vor zwei Jahrzehnten (26,8 %) leicht erhöht. Besonders stark vom Rückgang betroffen sind Ackerwildkräuter wie das Sommer-Adonisröschen und Arten, die nährstoffarme Standorte benötigen, wie Arnika oder Wasser-Lobelie.


Arnika (Arnica montana) besiedelt mageres Grünland (© Detlev Metzing)
Auf dem Foto sieht man eine gelb blühende Arnika auf einer Wiese.

Es gibt aber auch positive Fälle: Für 327 Taxa, die im langfristigen Trend zurückgingen, wird jetzt eine gleichbleibende Bestandssituation festgestellt, die Bestände von 18 Taxa nehmen sogar zu. Dies ist z. T. gezielten Artenhilfsmaßnahmen wie der Einrichtung von Ackerrandstreifen oder Schutzäckern zu verdanken. Dadurch konnten z. B. die stark bedrohten Bestände der Kornrade oder der Dicken Trespe verbessert werden, beides früher typische Begleitpflanzen in Getreidekulturen. Im Vergleich zur vorigen Liste hat sich die Gefährdungseinstufung bei  5,5 % der Arten verbessert, bei 14,3 % aber verschlechtert. 

Die in der NBS festgelegten Ziele, den Anteil der vom Aussterben bedrohten und stark gefährdeten Arten bis 2010 zu verringern und die Gefährdungssituation der meisten Arten bis 2020 zu verbessern, wurden bzw. werden nicht erreicht.

Ausblick

Daher gilt es nun, sich den Herausforderungen der dokumentierten, anhaltend hohen Gefährdungssituation zu stellen. Die Rote Liste ist eine Gefährdungsanalyse; sie zeigt auf, welche Arten gefährdet sind, aber nicht, weshalb. Geplant ist ein Forschungsvorhaben, das die Gefährdungsursachen spezifisch ermittelt, um entsprechende Naturschutzmaßnahmen zielgerichteter planen und umsetzen zu können. Ein weiteres Forschungsvorhaben soll – für die nächste Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen, die in etwa zehn Jahren erscheinen soll – Erfassungsmethoden zur Bestandsentwicklung der mäßig häufigen bis häufigen Pflanzenarten erproben, um die Kenntnis darüber zu verbessern. 

Auf nährstoffarme Gewässer angewiesen – der Igelschlauch (Baldellia ranunculoides) (© Eckhard Garve)
Auf dem Foto ist ein blühender Trieb des Igelschlauchs in einer Wiese zu sehen.

Publikationen/weiterführende Links

Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.) 2018: Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 7: Pflanzen. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70(7). Landwirtschaftsverlag, Münster. ISBN 978-3-7843-5612-9.

Fachbetreuung im BfN

Detlev Metzing, FG II 1.2

Letzte Änderung: 29.04.2019

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