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19. Vilmer Sommerakademie

19. Vilmer Sommerakademie: Naturschutz als Partner der Landwirtschaft?

| Foto: BfN

Putbus/Insel Vilm, 2. Juni 2021: Auf Einladung der internationalen Naturschutzakademie Insel Vilm (INA) des Bundesamts für Naturschutz, der Universität Tübingen und der Universität Kiel diskutierten vom 17. bis 20. Mai 2021 rund 50 Interessierte bei der digitalen 19. Vilmer Sommerakademie über Zielkonflikte und Kooperationschancen von Naturschutz und Landwirtschaft.

"Zu oft werden Naturschutz und Landwirtschaft noch als Kontrahenten wahrgenommen", sagt Gisela Stolpe, Leiterin der INA. "Dabei können beide Seiten von einer Kooperation profitieren. Mit der diesjährigen Sommerakademie haben wir viele hoffnungsvolle Ansätze kennengelernt, die zeigen, wie Landwirtinnen und Landwirte mit entsprechender fachlicher und finanzieller Unterstützung sehr wirkungsvoll Arten der Agrarlandschaft auf ihren Flächen erhalten und fördern können. Die europäische und nationale Agrarpolitik muss endlich die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, damit dies in dem notwendigen Umfang auch auf breiter Fläche und dauerhaft erfolgen kann."

Die 19. Vilmer Sommerakademie, die aufgrund der Corona Pandemie zum ersten Mal digital stattfand, nahm das Verhältnis zwischen Naturschutz und Landwirtschaft als Grundsatzfrage in den Blick. Vertreter*innen von Behörden und Verbänden, Umwelt- und Agrarpolitiker*innen sowie Naturschützer*innen und Landwirt*innen waren eingeladen, sich über agrarsoziologische, umweltethische und politische Fragen auszutauschen. Referent*innen beleuchteten die Potentiale von verschiedenen Produktionssystemen wie Ökolandbau, Precision farming, „nachhaltiger Ökologisierung“ und biodiversitätsfördernden Maßnahmen für mehr Naturschutz in der Landwirtschaft. Die Teilnehmenden identifizierten notwendige politische, administrative und finanzielle Rahmenbedingungen für eine bessere Berücksichtigung von Naturschutz in der Landwirtschaft, wie zum Beispiel die Gemeinwohlprämie. Auch eine Integration von Naturschutzbelangen in die landwirtschaftliche Ausbildung wurde dringend gefordert.

An die Landwirtschaft werden heutige vielfältige Anforderungen wie Ernährungssicherung, Klimaschutz, Umwelt- und Naturschutz, Gesundheitsfürsorge und ländliche Entwicklung gestellt. Wie sich das Verhältnis zwischen Stadt und Land verändert und welche Chancen das auch für eine naturverträglichere Landwirtschaft bietet, wurde ebenfalls beleuchtet. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass für eine Verbesserung der Situation der Biodiversität in der Agrarlandschaft ein transformativer Wandel in der Politik, in den Anbausystemen, in der Kommunikation zwischen den Akteuren, aber auch im Selbstverständnis und Berufsethos der Landbewirtschaftenden notwendig ist.

Im Nachgang der Tagung entstehen auf der Basis der Vorträge und Diskussionen die „Vilmer Thesen zu Naturschutz als Partner der Landwirtschaft“, die voraussichtlich Anfang 2022 veröffentlicht werden.

Die Vilmer Sommerakademie findet seit 20 Jahren meist jährlich statt. Die INA bietet Interessierten damit die Möglichkeit, grundsätzliche Fragen des Naturschutzes zu diskutieren. Die 20. Vilmer Sommerakademie zum Thema „Grüne Städte– Naturschutz zwischen Nutzungskonkurrenz und Synergien im urbanen Bereich“ findet bereits im August 2021 statt. Weitere Informationen finden Sie im Tagungskalender.

Letzte Änderung: 21.09.2020

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