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Vogelspinnen-Verwandte auf Vilm

Seltener Fund: Vogelspinnen-Verwandte auf Vilm

Fangschlauch von Atypus affinis | Foto: Christoph Muster
Foto: Christoph Muster
Atypus affinis | Foto: Christoph Muster
Foto: Christoph Muster

Putbus/Insel Vilm, 7. April 2020: Der Spinnenexperte Dr. Christoph Muster hat vergangene Woche auf der Insel Vilm eine seltene Entdeckung gemacht: er konnte das Vorkommen der Spinnenart Atypus affinis auf der Insel bestätigen. Die letzten Nachweise dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern liegen, laut Aussage des Biologen, mehr als 30 Jahre zurück.

Atypus affinis, auch Gemeine Tapezierspinne, gilt in Mecklenburg-Vorpommern als extrem selten und vom Aussterben bedroht (Rote Liste der Spinnen Mecklenburg-Vorpommerns, Martin 2012). Deutschlandweit steht sie auf der Vorwarnliste. Tapezierspinnen gehören im weiteren Sinne zu den Vogelspinnen und sind in Mitteleuropa die einzigen Vertreter der Vogelspinnenartigen (Mygalomorphae). Drei Tapezierspinnen-Arten kommen hier vor. Die Gemeine Tapezierspinne ist die kleinste von ihnen.

Die circa nur 10–15 Millimeter großen Achtbeiner werden nur von sehr aufmerksamen Beobachtern entdeckt. Anders als ihre Verwandten, weben sie keine flächigen Netze, sondern leben versteckt in Erdröhren, die circa 20 bis 45 Zentimeter ins Erdreich hineinreichen. Die Art macht ihrem deutschen Namen alle Ehre: Die Wände ihrer Erdröhre tapeziert Atypus affinis mit Spinnenseide. Der so entstehende Fangschlauch wird bis zu 15 Zentimeter über der Erdoberfläche verlängert und mit Moos und Erde getarnt. Die Spinnen sitzen im inneren der Röhren und lauern auf Insekten, die über den Fangschlauch krabbeln. Bei Erschütterung schnappt die Spinne ihre Beute durch die Schlauchwand hindurch und zieht sie hinein. 2013 wurde die gemeine Tapezierspinne durch die Arachnologische Gesellschaft (AraGes) zu Europas Spinne des Jahres ernannt.

Gemeine Tapezierspinnen leben an warmen und trockenen Orten wie Halbtrockenrasen, Weinbergen oder lichten Kiefernwäldern. Dr. Muster hat die Spinne unter der herabgefallenen Borke einer absterbenden Eiche am Südkliff des Großen Vilm entdeckt. Im Rahmen einer Untersuchung des Landesamts für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern ist er Ende März auf die Insel gekommen, um den aktuellen Status einer bekannten Kolonie von Atypus affinis auf Vilm zu überprüfen. Die Ergebnisse sollen in einen Verbreitungsatlas der Spinnen Mecklenburg-Vorpommerns eingehen.