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Gebietseigenes Saatgut


Abb. 3: Einteilung Deutschlands in 22 Ursprungsgebiete für gebietseigenes Saatgut krautiger Arten
Die Abbildung zeigt die Einteilung Deutschlands in 22 Ursprungsgebiete für gebietseigenes Saatgut krautiger Arten

Generell ist bei gebietseigenem Saatgut zwischen lokalem Saatgut (naturraumgetreuem Saatgut) und regionalem Saatgut (Regiosaatgut) zu unterscheiden.

Lokales Saatgut wird durch die Beerntung von mehreren geeigneten Spenderflächen mittels spezialisierter Verfahren gewonnen (z.B. per Mahd- oder Druschgutübertragung), ggf. zwischengelagert, und dann direkt auf der zu begrünenden Fläche ausgebracht. Die Spenderflächen sollten dazu von der Artenzusammensetzung her passend ausgewählt werden und sich in räumlicher Nähe zu der Zielfläche befinden.

Um zu entscheiden, ob Saatgut noch als „lokal“ bezeichnet werden kann, kann die Unterteilung Deutschlands in 502 „natürliche Haupteinheiten“ (nach Meynen & Schmithüsen 1953-1962) zugrunde gelegt werden. Lokales Saatgut eignet sich vor allem für die Begrünung von höherwertigen Flächen, z.B. für Artenschutz- oder Renaturierungsmaßnahmen sowie zur Verwendung auf Kompensationsflächen. Bei ausreichender Verfügbarkeit kann lokales Saatgut auch für die Begrünung von weniger hochwertigen Flächen genutzt werden. Das gilt insbesondere für Regionen, in denen derzeit keine Produktion von regionalem Saatgut stattfindet (z.B. in den Alpen oder im Schwarzwald).

Regionales Saatgut wird produziert, indem die Arten zunächst einzeln auf geeigneten Flächen, z.B. in Schutzgebieten, gesammelt und anschließend auf dem Acker ausgebracht und dann dort über maximal fünf Generationen vermehrt werden.  Aus dem geernteten Saatgut der einzelnen Arten werden dann verschiedene Standardmischungen bzw. projektspezifische Mischungen zusammengestellt.

Im Rahmen eines Forschungsvorhabens der Universität Hannover wurde im Jahr 2010 für die kommerzielle Produktion von regionalem Saatgut eine Abgrenzung von 22 Ursprungsgebieten (= Vorkommensgebieten) auf der Grundlage der naturräumlichen Gliederung Deutschlands nach Meynen & Schmithüsen (1953-1962) erarbeitet. Diese Abgrenzung ist auch in die Erhaltungsmischungsverordnung (ErMiV) eingegangen, in der das Inverkehrbringen von Erhaltungsmischungen geregelt wird. Hier wurden darüber hinaus die 22 Ursprungsgebiete auf acht sogenannte Produktionsräume aufgeteilt, innerhalb derer die Arten auch außerhalb des eigentlichen Ursprungsgebietes vermehrt werden dürfen. Die räumliche Abgrenzung der Ursprungsgebiete (= Vorkommensgebiete) und der Produktionsräume sind in einem Kartendienst der Universität Hannover dargestellt.

Zur Sicherstellung der regionalen Herkünfte sollte auf zertifiziertes Saatgut zurückgegriffen werden. Derzeit gibt es für regionales Saatgut in Deutschland zwei Zertifikate, VWW Regiosaaten und Regiozert, welche nachweisen, dass es sich bei dem verkauften Wildpflanzensaatgut um gebietseigenes Material handelt. Neben den Webseiten und Leitfäden der Bundesländer bietet auch der Artenfilter der Universität Hannover eine gewisse Orientierung, welche Arten für ein bestimmtes Gebiet als Regiosaatgut geeignet sind, und im gesamten Ursprungsgebiet zum Einsatz kommen können. Von der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) wurde im Jahr 2014 außerdem eine Richtlinie der FLL zum Thema „Gebietseigenes Saatgut“ entwickelt, die derzeit überarbeitet wird. Sie enthält unter anderem konkrete Mischungsvorschläge.

Während für naturschutzfachlich höherwertige Flächen bevorzugt lokales Saatgut zum Einsatz kommen sollte, sollte regionales Saatgut bevorzugt für die Begrünung von weniger wertigen Flächen zum Beispiel im Rahmen von landschaftsbaulichen Begrünungen genutzt werden.


Forschungsvorhaben des BfN zu gebietseigenem Saatgut

Im Rahmen eines aktuellen Forschungsvorhabens am BfN sollen die fachlichen Grundlagen zur Verwendung von gebietseigenem Saatgut verbessert werden. Das Forschungsvorhaben besteht aus zwei Modulen:

Modul 1: Analog zum Leitfaden zu gebietseigenen Gehölzen soll in diesem Teilprojekt unter Beteiligung aller relevanten Akteure in 2020/2021 ein Leitfaden zu gebietseigenem Saatgut entwickelt werden.

Modul 2: In diesem Teilprojekt mit einer Laufzeit von dreieinhalb Jahren (Mai 2020 – Oktober 2023) sollen die genetische Vielfalt und die genetischen Differenzierungsmuster einer Auswahl an krautigen Arten in Deutschland näher untersucht werden. Mehr Informationen dazu finden Sie auf der Projektwebseite.

Literatur

Meynen, E., Schmithüsen, J., Gellert, J., Neef, E., Müller-Miny, H., & Schulze, J. H. (Hrsg.) (1953-1962): Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands.

Letzte Änderung: 13.08.2020

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