Bundesamt für Naturschutz

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Das Schutzgebietsnetz Natura 2000 in Deutschland

FFH- und Vogelschutzgebiete in Deutschland
NATURA 2000-Meeresschutzgebiete in der AWZ
Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung

FFH-Gebietsmeldung - Historie

Die erste Frist zur Übermittlung der nationalen Gebietsliste an die EU-Kommission im Juni 1995 verstrich, ohne dass Deutschland ein einziges FFH-Gebiet nach Brüssel gemeldet hatte. Die ersten offiziellen Gebietsmeldungen wurden 1996 vorgelegt und danach folgten weitere Meldungen in mehreren Tranchen. Wegen nicht ausreichender Meldung von FFH-Gebieten wurde Deutschland 1998/99 von der EU-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt und am 11.09.2001 von diesem verurteilt. Bis 2002 hatten die Bundesländer inzwischen rund 3.500 Gebiete gemeldet. Der Umfang der Gebietsmeldungen wurde im Rahmen der europaweiten biogeografischen Seminare jedoch als weitgehend defizitär bewertet.

Deutschland hatte daraufhin der EU-Kommission im März 2003 einen Zeitplan zur Abarbeitung dieser Defizite in mehreren Stufen bis Januar 2005 vorgeschlagen.

Im Anschlusshttps://www.bfn.de/typo3/#_msocom_1 an die jeweils zweiten biogeografischen Seminare für die atlantische Region 2002 in Den Haag und für die kontinentale Region 2003 in Potsdam, hatten die Bundesländer gegenüber der EU-Kommission ihre Nachmeldeabsichten zur Behebung der dort festgestellten Defizite bekundet. Am 21. und 22.01.2004 fand auf dieser Basis in Bonn ein  bilaterales Gespräch zwischen Deutschland und der EU-Kommission statt, in dem die Nachmeldeabsichten der Bundesländer auf Vollständigkeit überprüft wurden. In vielen Fällen wurden die Gebietsvorschläge der Bundesländer von der EU-Kommission als ausreichend bewertet. In einigen Fällen wurden aber noch weitere Nachforderungen erhoben. Ende Januar 2005 wurden dann auf der Basis der Gesprächsergebnisse die neuen Gebietsvorschläge der Länder nach Brüssel übermittelt. Dadurch hatte sich 2005 der Meldeanteil gegenüber Dezember 2003 um ca. 2,5 % erhöht (ohne Bodensee, Meeres-, Watt- und Boddenflächen).

Die EU-Kommission hatte parallel dazu im April 2003 ein Zweitverfahren nach Artikel 228 EG-Vertrag gegen Deutschland gestartet, um ihrer Forderung nach einem entschiedenen Abbau der festgestellten Defizite Nachdruck zu verleihen. Gleichzeitig sagte sie jedoch zu, das Zwangsgeldverfahren ruhen zu lassen, sofern der vorgeschlagene Nachmeldeprozess wie vereinbart durchgeführt werden würde.

Diesen Zeitplan hatten alle Bundesländer eingehalten, einzelne Flächen (z.B. im Ems-, Elbe- und Weser-Ästuar) waren allerdings entgegen den Forderungen der EU-Kommission nicht gemeldet worden. Daher hat die Europäische Kommission am 19. Dezember 2005 das Zwangsgeldverfahren gegen Deutschland weiter vorangetrieben. Als Reaktion darauf wurden am 17.02.2006 fristgerecht weitere 18 FFH-Gebiete und 9 Gebietserweiterungen nachgemeldet. Die EU-Kommission hat auf dieser Basis das Zwangsgeldverfahrens gegen Deutschland am 13.10.2006 eingestellt

Natura-2000 Gebiete

Meldeverfahren


FFH- und Vogelschutzgebiete in Deutschland

Das kohärente Netz Natura 2000 umfasst die im Rahmen der FFH- und Vogelschutzrichtlinie gemeldeten Gebiete. Diese können sich räumlich überlagern. Zusammen bedecken die insgesamt 5.200 Gebiete 15,5 % der terrestrischen Fläche Deutschlands und rund 45 % der marinen Fläche (Stand: 2019).
EU-weit liegt der Meldeanteil der knapp 27.000 FFH- und Vogelschutzgebiete bei 18,5 % der Landfläche aller Mitgliedstaaten (Stand: 2020).

Steckbriefe der Natura 2000 Gebiete in Deutschland 

Meldestand FFH-Gebiete

Deutschland hat 4.544 FFH-Gebiete in Brüssel vorgelegt, die sich auf drei biogeografische Regionen (alpin, atlantisch, kontinental) verteilen. Dies entspricht einem Meldeanteil von 9,3 % bezogen auf die Landfläche. Dazu kommen 2.123.789 ha Bodensee sowie Meeres-, Bodden- und Wattflächen (Stand: 13.12.19). Von diesen marinen Schutzgebietsflächen entfallen 943.984 ha auf die Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) Deutschlands.

Aktueller Meldestand der FFH-Gebiete in Deutschland, pdf-Datei (13.12.2019)

Übersichtskarte FFH-Gebiete in Deutschland (mit AWZ), pdf-Datei (2019)

Der Meldeanteil von FFH-Gebieten liegt in den Mitgliedstaaten der EU (EU27) zwischen 7,4 % in Dänemark und 32,7 % gemeldeter Landfläche in Slowenien (Stand: Juni 2020). Europaweit beträgt der Meldeanteil an der Landfläche 14,2 %. Die marinen Flächenanteile von derzeit insgesamt 34.713.300 ha sind in den Prozentangaben nicht enthalten. Eine Übersicht über die Natura 2000-Meldungen der EU-Mitgliedstaaten gibt das Natura 2000-Barometer der Kommission.

Meldestand Vogelschutzgebiete

Deutschland hat bislang 742 Vogelschutzgebiete (BSG) gemeldet. Dies entspricht einem Meldeumfang von 11,3 % bezogen auf die Landfläche. Dazu kommt 1.971.825 ha Bodensee sowie Meeres-, Bodden- und Wattflächen. Von diesen marinen Schutzgebietsflächen entfallen 513.930 ha auf die Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) Deutschlands.

Die Bekanntmachung des Meldestandes der Europäischen Vogelschutzgebiete gemäß § 10 Abs. 6 BNatSchG vom 26.07.07 ist durch die Veröffentlichung im Bundesanzeiger erfolgt. 

Aktueller Meldestand der Vogelschutzgebiete in Deutschland, pdf-Datei (13.12.2019)

Übersichtskarte Europäische Vogelschutzgebiete in Deutschland (mit AWZ), pdf-Datei (2019)

Der Meldeanteil von Vogelschutzgebieten liegt in den Mitgliedstaaten der EU (EU27) zwischen 5,1 % in Malta und 30,2 % gemeldeter Landfläche in Kroatien (Stand: Juni 2020). Europaweit beträgt der Meldeanteil an der Landfläche rund 12,7 %. Die marinen Flächenanteile von derzeit insgesamt 29.001.200 ha sind in den Prozentangaben nicht enthalten. Eine Übersicht über die Natura 2000-Meldungen der EU-Mitgliedstaaten gibt das Natura 2000-Barometer der Kommission.

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NATURA 2000-Meeresschutzgebiete in der AWZ

Mit dem am 4. April 2002 in Kraft getretenen Neuregelungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz wurden die rechtlichen Vorraussetzungen für die Umsetzung von Natura 2000 in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ, 12-200 sm) geschaffen. Demnach ist das BfN in der AWZ der Nord- und Ostsee für die Auswahl der Natura 2000 Flächen verantwortlich. Die Ausweisung der Schutzgebietsflächen erfolgt durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

Ende Mai 2004 ging die Meldung von NATURA 2000 Gebieten in der deutschen AWZ bei der EU-Kommission in Brüssel ein. Die 10 Gebiete, 8 FFH- und 2 Vogelschutzgebiete, die an die Kommission gemeldet wurden, umfassen zusammen ca. 30 % des deutschen Meeresanteils an der AWZ.

Die in der AWZ liegenden Vogelschutzgebiete wurden durch den Bund am 15.09.2005 als Naturschutzgebiete gemäß BNatSchG ausgewiesen.

Unter dem Thema Meeresnaturschutz gibt weitere Informationen zu den Lebensraumtypen und Arten, den Forschungsvorhaben sowie der Ausweisung von FFH- und Vogelschutzgebieten in der deutschen AWZ.

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Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung

Die EU-Kommission erstellt gemäß Art. 4 Abs. 2 nach dem in Art. 21 dargestellten Verfahren der FFH-Richtlinie für jede der neun biogeografischen Regionen eine Liste der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung, die bei Bedarf fortgeschrieben wird. Mit Aufnahme auf die Gemeinschaftsliste sind die Mitgliedstaaten gemäß Art. 4 Abs. 4 der Richtlinie verpflichtet, binnen sechs Jahren ihre FFH-Gebiete zu besonderen Erhaltungsgebieten (BEG) zu erklären (Umsetzung in deutsches Recht: § 32 BNatSchG).

Für die drei Regionen, an denen Deutschland Anteil hat, wurden erstmals am 22.12.2003 (alpine Region) und am 07.12.2004 (atlantische und kontinentale Region) anfängliche Listen von gemeinschaftlicher Bedeutung erstellt. Mit dem Durchführungsbeschluss der Kommission vom 21.01.2021 wurden die Listen bereits zum vierzehnten Mal fortgeschrieben.

Mit der neunten Fortschreibung ist es gelungen, alle für Deutschland gemeldeten FFH-Gebiete auf den Listen zu verzeichnen. Sie bilden zusammen mit den Europäischen Vogelschutzgebieten das Netz Natura 2000.

 

Auflistung der bislang erfolgten Entscheidungen und Durchführungsbeschlüsse der Europäischen Kommission nach biogeografischen Regionen:


Alpine biogeografische Region:



Atlantische biogeografische Region:



Kontinentale biogeografische Region:


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Letzte Änderung: 19.03.2021

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