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Bundesamt für Naturschutz

Colias myrmidone - Regensburger Gelbling

Geschützt nach
Anhang II FFH-Richtlinie
Anhang IV FFH-Richtlinie
EU-Code
4030
Artengruppierung
Schmetterlinge
Synonyme
Orangeroter Heufalter, Myrmidone-Gelbling
Status Rote Liste Deutschland
(Reinhardt & Bolz 2011): 0 (Ausgestorben oder verschollen)
Status Rote Liste Europa
(van Swaay et al. 2010): EN (Stark gefährdet), in der EU CR (Vom Aussterben bedroht)

Beschreibung

Bayerischer Ureinwohner in Osteuropa

Der Regensburger Gelbling bewohnt ausgedehnte Kalkmagerrasen, Weidelandschaften und komplexe, lichte Baum-Buschbestände. In Deutschland war der Regensburger Geißklee die wichtigste Nahrungspflanze der Raupen, ansonsten werden jedoch auch andere Geißklee-Arten befressen. Die Falter fallen durch ihre Größe und bei den Männchen durch ihre kräftige orange Farbe auf. Sie treten in zwei Generationen etwa im Mai bis Juni und im August auf. Die Vorkommensgebiete sind durch eine Vielfalt an Nutzungen geprägt, die für den Erhalt des Lebensraumes unabdingbar sind. In Deutschland ist die Art seit 2001 ausgestorben. Die namensgebende Region um Regensburg beherbergte die letzten deutschen Vorkommen, aktuell wird die Art nur noch vereinzelt in Osteuropa gefunden.

Lebensraum

Der Regensburger Gelbling besiedelte Kalkmagerrasen und komplexe Weide-Wald-Buschlandschaften (Steppenheiden, lichte Wälder, nährstoffarmes Grasland und Lichtungen in Kiefernbeständen) mit der Nahrungspflanze Regensburger Geißklee (Chamaecytisus ratisbonensis). Insbesondere der Lebensraum der Raupen wird, vor allem am westlichen Rand der Verbreitung (Deutschland, Österreich, Tschechien), als stark wärmegetönt beschrieben. Die Vorkommen in der Umgebung von München sind seit der Mitte des letzten Jahrhunderts erloschen. Mehrere Nachweise aus Sachsen sowie Einzelfunde aus Sachsen-Anhalt, Hessen und Nordrhein-Westfalen vom Beginn des letzten Jahrhunderts werden als nicht autochthon betrachtet. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Art auch außerhalb Deutschlands weit verbreitet beobachtet, so z.B. im Norden bis in die Umgebung von Kaliningrad (Königsberg) und in Teilen der Baltischen Republiken (Marhoul & Dolek 2010). In den aktuellen Lebensräumen scheint vor allem die Nutzungs- und Nischenvielfalt von essenzieller Bedeutung zu sein. Der Regensburger Gelbling ist damit ein Zeiger für eine besonders vielfältige Kulturlandschaft.

Fortpflanzung/Biologie

Ökologie der Art

Geeignete Lebensräume für die Art sind sonnige und warme Stellen auf Kalkmagerrasen, in lichten Wäldern, Lichtungen, Weide- und Buschlandschaften mit vielfältiger Nutzung mit Vorkommen der Nahrungspflanze Regensburger Geißklee (Dolek et al. 2005, Freese et al. 2005). Wichtig ist die starke Gliederung der Landschaft durch zeitlich-räumlich differenzierte Nutzung. Die Lebensräume in der EU sind immer stark unterteilte, traditionelle Kulturlandschaften.

Die Weibchen legen ihre Eier einzeln auf die Blätter der Nahrungspflanzen ab. Zwar können verschiedene Geißklee-Arten genutzt werden (Marhoul & Dolek 2010), in Deutschland hatte der Regensburger Geißklee aber die größte Bedeutung. Die Eier haben die für die Gelblinge (und weitere Arten der Familie Pieridae) typische schlanke Form und werden mit einer spitzen Seite angeheftet.

Die Eiablage erfolgt bevorzugt auf Blättern an jungen Trieben nahe der Triebspitze (Dolek et al. 2005, Marhoul & Dolek 2010). Romstöck-Völkl et al. (1999) stellten im Raum Regensburg fest, dass vor allem große Polster der Nahrungspflanze in der Nähe von Felsen genutzt wurden. Letzteres deutet auf das hohe Wärmebedürfnis der Raupen hin.

Die Überwinterung erfolgt als junge Raupe. Über die genaueren Ansprüche der Raupen ist jedoch kaum etwas bekannt. Die Beobachtung, dass die Eiablage nur an Pflanzen mit jungen, nicht jedoch an blühenden oder fruchtenden Trieben erfolgt, deutet auf eine entsprechende Auswahl der Nahrung hin. Auch die Tauglichkeit der verschiedenen Geißklee-Arten als Nahrung ist nicht abschließend geklärt. Alle Beobachtungen von Raupen deuten jedoch darauf hin, dass sie sich in allen Altersstufen hauptsächlich in den oberen Teilen der Pflanzen aufhalten.

Der Regensburger Geißklee ist eine wärmeliebende Pflanze magerer Standorte, die von Weidetieren meist gerne befressen wird.

Die Puppe wird entweder an der Futterpflanze direkt oder an anderen Pflanzen angelegt (vgl. Marhoul & Dolek 2010).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Der Regensburger Gelbling bildet zwei Generationen pro Jahr aus, in manchen Jahren kommt es zu einer partiellen dritten Generation (Mayer 1916). Die Flugzeiten waren in Deutschland vor allem im Mai und Juni sowie August. Aus Rumänien wird jedoch berichtet, dass im Sommerhalbjahr immer alle Stadien gleichzeitig gefunden werden können, die Generationen also stark überlappen (Marhoul & Dolek 2010). Die Weibchen legen ihre Eier einzeln an die Nahrungspflanze ab, insgesamt sollen es etwa 150 Eier sein. Es besteht der Verdacht, dass zu allen Raupenphasen, also auch im Spätsommer/Herbst, junge Triebe mit Blättern als Nahrung benötigt werden. Da die Pflanzen zu dieser Jahreszeit normalerweise fruchten, sind sie zumeist nicht für die Eiablage geeignet. Ein zwischenzeitlich erfolgter Schnitt der Pflanzen durch Mahd oder Beweidung bringt sie jedoch zum Neuaustrieb. Diese Problematik zwischen notwendiger Nutzung um die richtige Nahrungsqualität herzustellen, und der Gefahr, dass die Eier, Raupen und Puppen durch die Nutzung zerstört werden, könnte eine Schlüsselposition für den Erhalt der Art einnehmen. Sowohl Eier und Raupen als auch Puppen finden sich an den oberen Teilen der Pflanzen und sind damit gegenüber einer Nutzung exponiert. Das Dilemma lässt sich nur durch eine mosaikartige Nutzung in ausreichend großer Landschaft lösen. Diese Aussagen beruhen bisher jedoch nur auf wenigen Beobachtungen, die noch bestätigt werden müssen (Marhoul & Dolek 2010).

Gefährdung

Allgemeine Gefährdungsursachen

Der Lebensraum des Regensburger Gelblings ist durch eine kleinräumige Nutzungs- und Nischenvielfalt charakterisiert. Die Art ist damit der Prototyp einer an eine vielfältige Kulturlandschaft angepassten Schmetterlingsart. Jegliche Vereinheitlichung und Uniformierung der Landschaft führt zu einer massiven und rasanten Verschlechterung der Vorkommen. Sogar die gut gemeinten Förderinstrumente der EU, die in Tschechien aufgrund der Förderrichtlinien aber zu einer Vereinheitlichung der Nutzung führten, haben das Aussterben des Regensburger Gelblings befördert (Konvicka et al. 2008).

  • Aufgabe kleinräumiger Nutzungen bzw. Vereinheitlichung der Nutzung in Land- und Forstwirtschaft
  • Ungünstige räumlich-zeitliche Steuerung der Beweidung von Kalkmagerrasen (z.B. zu großflächig, zeitgleich auf Teilflächen oder ungünstige Intensität)
  • Verlust der Dynamik in als Lebensraum geeigneten Lebensraumkomplexen
  • Verlust lichter Waldbestände, fehlende Lichtungen und Reduktion von offenen Waldrändern
  • Fehlende Keimungs- und Wuchsbedingungen für den Regensburger Geißklee
  • Verlust der Vernetzung der Lebensräume (Biotopverbund) und großräumiger Wiederbesiedlungsmöglichkeiten
  • Nach Modellrechnungen besteht ein extrem hohes Risiko durch den Klimawandel (Settele et al. 2008). Auch bei den aktuellen Rückgängen wurde die verringerte Kontinentalität des Klimas als mögliche Teil-Ursache diskutiert

Erhaltungsmaßnahmen

Allgemeine Maßnahmen

  • Erhaltung und Förderung einer kleinräumigen Nutzungsvielfalt in Land- und Forstwirtschaft
  • Erhaltung und Förderung lichter Wälder mit ausgeprägten Lichtungen, Waldrändern sowie Innen- und Außensäumen
  • Wiederherstellung geeigneter Standorte und Wiederansiedlung bei klimatischer Eignung
  • Enge Zusammenarbeit mit und Unterstützung von osteuropäischen Ländern mit aktuellen Vorkommen

Erhaltungszustand

  • Kontinentale Region: ungünstig - schlecht

Autoren

Kontaktinformationen für weitere Auskünfte und Hilfestellungen

Für weitere Hinweise zur Art und Hilfestellungen für die Bewirtschaftung der Lebensräume wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige Naturschutzbehörde in Ihrer Region.

Experten

Dr. Matthias Dolek
Obere Dorfstr. 16
82237 Wörthsee

Autoren

Matthias Dolek

Unter Mitarbeit von

Christian Anton, Burkhard Beinlich, Markus Bräu, Stefan Brunzel, Adi Geyer, Stefan Hafner, Andreas Lange, Erwin Rennwald, Matthias Simon, Karola Szeder, Rainer Ulrich, Volker Wachlin, Thomas Widdig

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