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Bundesamt für Naturschutz

Euphydryas maturna - Eschen-Scheckenfalter

Geschützt nach
Anhang II FFH-Richtlinie
Anhang IV FFH-Richtlinie
EU-Code
1052
Artengruppierung
Schmetterlinge
Synonyme
Hypodryas maturna L., Melitaea maturna L., Euphydrias maturna L., Eurodryas maturna L., Eschenfalter, Kleiner Maivogel, Maivogel
Status Rote Liste Deutschland
(Reinhardt & Bolz 2011): 1 (Vom Aussterben bedroht)
Status Rote Liste Europa
(van Swaay et al. 2010): VU (Gefährdet)

Beschreibung

Kleiner Maivogel: Weder Mai noch Vogel

Der Eschen-Scheckenfalter, auch Kleiner Maivogel genannt, ist ein attraktiver Tagfalter des lichten Waldes. Er ist an das Vorkommen von Eschen in warmen, feuchten und lichten Waldbeständen und Grünland-Waldinsel-Mosaiken gebunden. Die Falter fliegen, anders als der Name vermuten lässt, vorrangig im Juni. Nur in einigen Vorkommensgebieten (z.B. in Baden-Württemberg) oder in warmen Jahren können die ersten Falter bereits ab Mitte Mai auftreten. Die zuerst schlüpfenden Männchen sind dann auffällig und z.B. entlang von Wegen zu finden. In Deutschland wird der Eschen-Scheckenfalter nur noch an einzelnen Orten in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Bayern gefunden. Wichtigste Schutzmaßnahmen sind die Erhaltung und Förderung der Mosaiklandschaften, der Mittelwaldbewirtschaftung und die Schaffung lichter Waldbereiche z.B. über breite, gebuchtete Weg- und innere Waldränder, kontrollierter Verzicht auf Wiederbepflanzung von Windwurfflächen sowie Erhaltung und Schaffung von Lichtungen.

Verbreitung

Die Art kommt in Mitteleuropa in inselartigen Teilarealen vor. In Deutschland existieren noch Vorkommen in Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Besiedelt werden warmfeuchte, sehr lichte Laubmischwälder mit hohem Grundwasserstand in denen freistehende, besonnte Jungeschen und eine reiche Kraut- und Strauchvegetation vorhanden sind.

Lebensraum

Der Eschen-Scheckenfalter besiedelt lichte Wälder und Mosaiklandschaften an warmen und luftfeuchten Standorten. Viele historische Vorkommen sind aus den ehemals natürlichen Auen bekannt, wo die Flussdynamik für ausreichende Lichtigkeit und Besonnung (Wärme) und die Nähe des Flusses für die notwendige Luftfeuchte sorgte. An den aktuellen Fundorten ist die Lebensraum schaffende Dynamik weitgehend vom Menschen verursacht. Ein wichtiges Beispiel sind die Stockausschlagswälder (Mittel- und Niederwälder) des Steigerwaldes in Bayern.

Fortpflanzung/Biologie

Ende Juni/Anfang Juli legt das Weibchen die aus 50-400 Eiern bestehenden Gelege auf die Unterseite eines Eschenblattes. Die Raupen schlüpfen nach ca. 20 Tagen. Sie können bis zu dreimal überwintern. Während der ca. 18 Tage dauernden Puppenphase ist ein warmfeuchtes Milieu lebenswichtig, da die Puppen sonst vertrocknen. Die Falter leben nur etwa 12 Tage.

Ökologie der Art

Der Eschen-Scheckenfalter ist eine Lichtwaldart. Geeignete Lebensräume in Mitteleuropa sind feuchte Lichtungen und Jungbaumbestände in Auwäldern, Bruchwäldern und Laubmischwäldern, sofern ausreichend Luftfeuchte und Besonnung erreicht wird. In solchen Lagen werden junge oder sehr tief beastete Eschen zur Eiablage genutzt. An geeigneten Standorten bietet insbesondere der Stockausschlagswald günstige Lebensräume, aber auch natürliche dynamische Prozesse und eine weitergehende Nutzungsvielfalt können zur Schaffung von Lebensräumen beitragen. Eschen an Waldaußenrändern werden z.B. im Steigerwald nicht oder nur ausnahmsweise genutzt, da sie vermutlich zu windexponiert und dadurch eventuell zu trocken stehen. Im Vorland der Schwäbischen Alb wurden Landschaften aus Baumhecken mit zwischengelagerten Wiesenstreifen besiedelt, dort sind jedoch alle Fundorte seit wenigen Jahren verwaist. Es wird angenommen, dass die Standorte zu trocken geworden sind. In der Kocher-Jagst-Ebene werden feuchte Bachtäler genutzt, die kleinparzelliert bewirtschaftet werden. Die Lebensräume zeigen einen mosaikartigen, kleinräumigen Wechsel von mehr oder weniger feuchten Fettwiesen, Hecken/Feldgehölzen und Laubwaldbeständen mit sehr hohem Eschenanteil unterschiedlichen Alters. Im Berchtesgadener Land sind Verzahnungsbereiche von Streuwiesen, brach gefallenen Streuwiesen und Waldinseln aktuell besiedelt. Die enge Verzahnung der Landnutzungen und die hohe Luftfeuchte (Bachtäler, hohe Niederschläge am Alpenrand) in wärmebegünstigter Lage sind Schlüsselfaktoren für die Vorkommen.

Aktuell findet man den Eschen-Scheckenfalter in Bayern in bewirtschafteten Mittelwäldern im Steigerwald auf ca. 8 bis 25 Jahre alten Hiebsflächen sowie auf kleinen Kahlschlagsflächen im Wald bzw. an breiten Wald- und Wegrändern, die in Mosaiklandschaften kleinklimatisch den Waldinnencharakter der lichten Wälder aufweisen (Freese et al. 2006). Diesen Standorten ist gemeinsam, dass der benötigte lichte, warm-feuchte Bestandscharakter nicht durch die (in Mitteleuropa nahezu verloren gegangene) dynamische Au- oder Bruchwaldsituation, sondern durch die Art der Bewirtschaftung auf wechselfeuchten oder feuchten Standorten entsteht.

Als Nektarpflanzen für die Falter dienen je nach Verfügbarkeit sehr unterschiedliche Blütenpflanzen. In den Wäldern blühen z.B. Giersch und Liguster zur Flugzeit und werden häufig genutzt, bei Salzburg ist es häufig Hartriegel. Wo Wiesen im Nutzungsmosaik zur Verfügung stehen, werden die dortigen Blüten genutzt, in der Kocher-Jagst-Ebene und im Vorland der Schwäbischen Alb ist dies am häufigsten der Wiesen-Pippau. Vor allem die Männchen saugen regelmäßig auch an feuchter Erde, Aas und Kot. Um Nektarquellen bereit zu stellen, werden im Vorland der Schwäbischen Alb Wiesenstreifen daher erst nach der Flugzeit bewirtschaftet. Es wird angenommen, dass eine ausreichende Falternahrung sich auch auf die Größe der Vorkommen auswirkt.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Hauptflugzeit des Eschen-Scheckenfalters liegt im Juni und dauert bis Anfang/Mitte Juli. An manchen Standorten (Kocher-Jagst-Ebene, Vorland der Schwäbischen Alb) oder in warmen Jahren werden die ersten Falter allerdings schon ab Mitte Mai beobachtet.

Die Weibchen legen in Deutschland ihre Eigelege nahezu ausschließlich an die Unterseite von Eschenblättern, bevorzugt an die vordersten Fiederblätter nahe der Blattspitze in südlicher Exposition ab. Nur in seltenen Ausnahmefällen werden andere Pflanzenarten zur Eiablage genutzt (Dolek et al. in Vorb.). Zudem werden vorwiegend Höhen von 1,5 bis 3,0 m (Gesamtspanne < 1 m bis > 15 m) über dem Boden genutzt, im Salzburger Land erfolgt die Eiablage vermutlich aufgrund klimatischer Unterschiede (hohe Niederschläge am Alpenrand) im Mittel etwas höher im Baum (Freese et al. 2006). Ein Teil dieser Variation wird durch die Höhe der unter der Esche wachsenden Pflanzendecke erklärt (Dolek et al. 2008), ein anderer durch jahrweise (wetterbedingte) Unterschiede und die Geländeform.

Die Eigelege bestehen meist aus mehreren hundert Eiern, die in drei bis vier Schichten abgelegt werden. Es treten immer jedoch auch sehr kleine Gelege mit ca. 50 Eiern auf.

Die etwa Mitte Juni bis Anfang Juli schlüpfenden Raupen spinnen gemeinsam ein Seidengespinst, in dem sie ruhen aber nur teilweise fressen. Im Gespinst haben sie einen gewissen Schutz vor Feinden, wie Parasitoiden und räuberischen Wanzen, die häufig neben dem Gespinst warten (Dolek et al. 2006), sowie die Möglichkeit ungünstige Witterung auszugleichen. Die Gespinste werden regelmäßig zu mehreren an einer Esche gefunden, was höhere Überlebensraten bringt (Dolek et al. in Vorb.).

Ab dem dritten Larvenstadium im Juli/August wandern die Raupen bereits ab und überwintern in Gruppen in zusammengerollten Blättern in der Streu am Boden. Während der Raupenphase müssen für die Entwicklung geeignete Eschen erhalten bleiben, genauso wie im Winter die Streuschicht, da dort die Raupen überwintern. Eine Holznutzung darf daher nie flächig erfolgen.

Im Frühjahr erscheinen die überwinterten Raupen ab Ende März oder April. Zu dieser Zeit hat die Esche noch nicht ausgetrieben und es werden entweder verschiedene andere Pflanzen befressen (z.B. Spitzwegerich, Liguster, Gewöhnlicher Schneeball, Sumpf-Baldrian, Efeublättriger Ehrenpreis) oder die Raupen sitzen auf Eschenzweigen und sonnen sich bzw. laufen am Boden suchend herum. Im Salzburger Land wurden nach dem Antreiben der Eschen die Raupen allerdings nahezu ausschließlich auf den Eschen wiedergefunden (Freese et al. 2006), während in Italien die Raupen verschiedene Fraßstrategien verfolgen (Dolek et al. in Vorb.). Daher muss die Bedeutung der Frühjahrsnahrung jenseits der Esche je nach Standort sehr unterschiedlich gewertet werden. Wo entsprechende Pflanzenarten vorhanden sind, sollten sie durch die Nutzung auch erhalten und gefördert werden.

Die Zahl der Überwinterungen schwankt zwischen ein- bis viermal (Drews 2003, Eliasson & Shaw 2003), daher können Teillebensräume, die im Vorjahr nicht belegt waren, trotzdem mit Raupen besetzt sein. Die Raupen verpuppen sich an Jungbäumen, am Stamm von Altbäumen in etwa 1 bis 2 Metern Höhe oder an krautigen Pflanzen. Letzteres wurde vor allem in der Kocher-Jagst-Ebene und im Vorland der Schwäbischen Alb beobachtet – eine Wiesen- oder Weidennutzung zu dieser Zeit bringt daher massive Verluste. Für das Überleben der Puppe während der knapp 3 bis 4 Wochen andauernden Puppenruhe etwa im Mai bis Anfang Juni ist ein feuchtwarmes Kleinklima wichtig.

Lokale Population

Abgrenzung der lokalen Population

Die Männchen weisen ein ausgeprägtes Territorialverhalten auf. Häufig nutzen sie Jungeschen, Ligusterbüsche oder andere erhöhte Pflanzen als Ansitzwarte (Drews 2003). Allgemein ist der Eschen-Scheckenfalter dafür bekannt, dass die Populationen starke Schwankungen aufweisen, die in den letzten 10 Jahren im Steigerwald eine Größenordnung um den Faktor 10 betrugen. Dieses Phänomen mit der üblicherweise sehr verstreuten Verteilung geeigneter Lebensräume führt zu einem hohen Raumbedarf des Eschen-Scheckenfalters, der je nach Verteilung geeigneter Lichtungen sehr unterschiedlich ausfallen kann und meist mehrere hundert Hektar beträgt (Modellrechnungen bei Freese et al. 2006). Flugentfernungen sind durch indirekte Nachweise bis etwa 2-3 km bekannt, treten aber vermutlich nur sehr selten auf. Durch Markierungsversuche in Tschechien sind lediglich Bewegungen bis ca. 1 km beobachtet worden, die mittleren Flugdistanzen liegen bei ca. 100-250 m (Konvicka et al. 2005). Bei Leopold et al. (2006) findet sich die Angabe, dass als Gesamtbestand z.B. besiedelte Teilflächen zusammengefasst werden, die nicht weiter als 0,5 km auseinander liegen und nicht ausschließlich durch unüberwindbare Nichtlebensräume voneinander getrennt sind.

Mit einer lokalen Population kann daher ab einer Entfernung von ca. 250-1.000 m gerechnet werden.

Gefährdung

Ursachen für den Bestandesrückgang sind das nahezu vollständige Verschwinden von Hartholzauen an größeren Flüssen, Entwässerungsmaßnahmen in feuchten Wäldern, Aufforstungen von Waldlichtungen, Beseitigung oder Mahd blütenreicher Waldwegsäume oder Insektizideinsatz. Auch das Sammeln von Raupen, Puppen oder Faltern (Insektenhandel) stellt eine Gefährdung dar.

Gefährdungsursachen

Das Hauptproblem für den Eschen-Scheckenfalter ist die Erhaltung seines besonderen Lebensraums. Bestände, in denen er sich besonders wohl fühlt, entsprechen nicht den aktuellen Vorstellungen eines forstwirtschaftlich genutzten Waldes. Ohne Nutzungen, die die Lichtigkeit erhalten und fördern, oder natürliche Ereignisse, die diesen Effekt haben, ist der Lebensraum schnell verloren. Solche Waldbewirtschaftungen wurden aber weitgehend verdrängt, natürliche Ereignisse, die dynamische Entwicklungen in Gang setzen, weitgehend ausgeschaltet.

Land- und Forstwirtschaft

  • Aufgabe der Mittel- und Niederwaldwirtschaft, welche durch die Hiebszyklen für eine regelmäßige Auflichtung der Bestände sorgt
  • Ausdehnung der Hochwaldwirtschaft auf Kosten jeglicher lichter Wälder
  • Aufforstung geeigneter Lebensräume mit Gehölzen
  • Verlängerung der Hiebszyklen in Mittelwäldern auf über 30 Jahre, wodurch ein Mangel an lichten Beständen entsteht
  • Rückgang der Lebensräume durch Waldrandbegradigungen an kleinklimatisch inneren Waldrändern, Ausdehnung der Waldfläche auf Kosten von Waldwiesen, Weide- und Graswirtschaft auf Waldwiesen nach wirtschaftlichen Gesichtpunkten und bis nahe an den Waldrand
  • Zerstörung der Lebensräume durch Entwässerung und Grundwasserabsenkung auch im Wald
  • Allgemein Mangel an jungen Waldstadien und vielfältiger Waldinnengestaltung mit Binnensäumen
  • Allgemein Aufgabe lichtungsschaffender Waldbewirtschaftung (z.B. kleine Kahlhiebe von 1-2 ha)
  • Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Wäldern (z.B. Einsatz des Häutungshemmers Dimilin bei Massenvermehrungen von verschiedenen Nachtfalterarten); der Einsatz führte 1993/1994 beinahe zum Erlöschen von Vorkommen des Eschen-Scheckenfalters im Steigerwald (Bolz 1995)
  • Nutzungsaufgabe oder Nutzungsänderung in mosaikartigen Lebensräumen aus wenig genutzten Wiesenstreifen und Baumhecken mit Eschen
  • Mahd oder Beweidung auf Wiesen in mosaikartigen Lebensräumen während der Puppenruhe oder vor bzw. während der Falterflugzeit
  • Aufasten von Eschen
  • Fehlen der Nutzungsvielfalt und Aufbau scharfer Nutzungsgrenzen

Sonstige

  • Anreicherung von Nährstoffen und floristische Veränderung durch jagdliche Aktivitäten auf Waldlichtungen (Wildäcker, Kirrplätze, Futterstellen)
  • Verhindern der natürlichen Dynamik (z.B. Fließgewässerdynamik in Auenlandschaften, Entwicklung der Pflanzendecke in entstehenden Lücken)
  • Bodenverbesserung und Aufschüttung/Überbauung
  • Rückgang natürlicher Auenstandorte, Eingriffe in den Wasserhaushalt
  • Mangel an Raupennahrungspflanzen im Frühjahr; dieser Faktor scheint die Vorkommen im Steigerwald trotz sonst guter Lebensraumbedingungen relativ klein zu halten (Freese et al. 2006)
  • Seltene Zufalls-Ereignisse, die kleine („vorgeschädigte“) Vorkommen zum Erlöschen bringen können: insbesondere ein ungünstiger Witterungsverlauf wie anhaltender Regen während kritischer Phasen oder orkanartige Stürme, welche das Abreißen der Nester verursachen (beides Ereignisse, die im Rahmen des Klimawandels in den letzten Jahren häufiger wurden)
  • Das aktuelle Eschentriebsterben verändert möglicherweise die Situation potenzieller Wirtsbäume, da geeignete (exponierte) Eschentriebe absterben (auch ganze Bäume). Geschädigte Eschen treiben häufig am Stamm aus und bilden dort ein dichtes Blätterwerk mit insgesamt stark vertikal ausgerichteter Triebstruktur. Es wurden auch bereits Gespinste an absterbenden Trieben gefunden, denen damit die Nahrungsgrundlage entzogen wird
  • Nach Modellrechnungen besteht ein niedriges Risiko durch den Klimawandel (Settele et al. 2008). Aus der Geländebeobachtung ist vor allem die Abhängigkeit von der Luftfeuchte auffällig. Die Luftfeuchte wird sowohl durch menschliche Eingriffe als auch das grundlegende Klima und seine Schwankungsbreite beeinflusst. Das Erlöschen der letzten Vorkommen im Vorland der Schwäbischen Alb wird auf trockener werdende Bedingungen zurück geführt

Schutz

Die aktuellen Vorkommensgebiete der Art müssen durch die Ausweisung als Schutzgebiete mit speziell angepassten Auflagen zur Bewirtschaftung und Pflege gesichert werden. Vordringliche Maßnahmen sind z. B. regelmäßige Teilentbuschung von Lichtungen, Förderung der Eschen-Naturverjüngung, keine Entwässerung und keine Aufforstung von Lichtungen.

Erhaltungsmaßnahmen

Landwirtschaft

  • Bewirtschaftung des Grünlandes im Kontaktbereich zu Eschen-Scheckenfalterlebensräumen ohne Düngung und mit seltener Mahd (1. Schnitt nach der Flugzeit ab Ende Juni / Anfang Juli)
  • Brach gefallene Streuwiesen mit Eschenaufwuchs im Berchtesgadener Land in diesem Übergangsstadium halten (in räumlich wechselnden Teilbereichen)
  • Auf Stock setzen von Hecken im Abstand von 5-6 Jahren (Vorland der Schwäbischen Alb; Vorkommen vermutlich jedoch erloschen)
  • Keine Aufforstung der Grünlandbereiche in mosaikartigen Lebensräumen, Erhaltung mosaikartiger Lebensräume

Forstwirtschaft

  • Erhaltung und Förderung der Mittel- und Niederwaldwirtschaft: In Bayern sind über das VNP Wald Fördermöglichkeiten geschaffen worden (Liegl et al. 2008a)
  • Erhaltung eines lichten Waldaufbaus mit raum-zeitlicher Dynamik in Mittelwäldern: ein Hiebszyklus von 20-28 Jahren sollte eingehalten werden, eine variable Deckung von 5-60 % ist empfehlenswert, ein Pflegehieb kann ebenfalls lichte Bestände schaffen (vgl. Liegl et al. 2008b)
  • Dynamische Herstellung lichter Bestände an luftfeuchten Standorten in Hoch- und Überführungswäldern: über Lochhiebe nach der Konzeption der Bayer. Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (Müller et al. 2004) bzw. Auflichtung nach VNP Wald Modul „Lichter Wald“ (Übersicht Liegl et al. 2008b)
  • Erhaltung von Lichtungen mit wenig Gehölzen (insbesondere Erhaltung von Jungeschen)
  • Schaffung breiter Säume (ca. 10 m) entlang von Schneisen und Waldwegen: hierbei ist ein gestaffeltes Rücksetzen und eine beidseits alternierende Pflege zu beachten; erste Erfolge konnten bei einer Umsetzung im Steigerwald bereits erzielt werden
  • Schaffung breiter Waldmäntel und –säume mit breiten Übergängen zum Grasland
  • Erhaltung bzw. Wiederherstellung des ursprünglichen Wasserhaushaltes, kleinräumig das Wasser im Wald halten; keine Entwässerung im Wald
  • Förderung einer hohen Oberflächenrauhigkeit im Wald (der Eschen-Scheckenfalter fliegt auch über und zwischen den Bäumen)
  • Zulassen der natürlichen Entwicklung der Pflanzendecke mit einer Kontrolle der aufkommender Baumarten (ggf. Förderung der Esche oder Entnahme der Fichte = „kontrollierte Sukzession“) auf Windwurfflächen oder Fichtenräumungen; keine Anpflanzungen

Sonstige Maßnahmen

  • Förderung von Ausbreitungsachsen
  • Nutzung aller Möglichkeiten zu Dynamisierung und ständigem Neubeginn der Entwicklung der Pflanzendecke mit Jungeschen

Erhaltungszustand

  • Kontinentale Region: ungünstig - schlecht

Programme und Projekte

Finanzierungsinstrumente für Maßnahmen und Umsetzung von Managementplänen

  • Internetseite des BfN zu Finanzierungsoptionen von Maßnahmen im Rahmen der FFH- und Vogelschutzrichtlinie
  • Finanzierungsinstrument der EU zur Förderung von Umwelt- und Naturschutz-Projekten in Europa, LIFE+

Projekte im Internet

  • Life-Natur-Projekt Untersberg-Vorland
    Ziel des LIFE-Natur-Projekts „Untersberg-Vorland“ ist es, die einmalige Vielfalt an typischen Pflanzen und Tieren im Gebiet zu erhalten und zu entwickeln. Vor allem der Eschen-Scheckenfalter soll durch die LIFE-Maßnahmen gefördert werden.
  • Bayern Arche
    Für die Erhaltung einer Reihe von Lebensräumen sowie Pflanzen- und Tierarten hat der Landkreis Neustadt Aisch – Bad Windsheim eine ganz besondere Bedeutung und Verantwortung.

Literaturhinweise

verändert nach:
Drews, M. (2003): Euphydryas maturna (Linnaeus, 1758). In: Petersen, B., Ellwanger, G., Biewald, G., Hauke, U., Ludwig, G., Pretscher, P., Schröder, E., und Ssymank, A. (Bearb.): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Band 1: Pflanzen und Wirbellose. - Bonn-Bad Godesberg (Landwirtschaftsverlag) - Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 69(1): 473-479.

Autoren

Kontaktinformationen für weitere Auskünfte und Hilfestellungen

Für weitere Hinweise zur Art und Hilfestellungen für die Bewirtschaftung der Lebensräume wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige Naturschutzbehörde in Ihrer Region.

Experten

Ralf Bolz
sbi - silvaea biome institut
Buchstr. 15
91484 Sugenheim

Dr. Matthias Dolek
Obere Dorfstr. 16
82237 Wörthsee

Dr. Patrick Gros
Haus der Natur – Museum für Natur und Technik
Biodiversitätszentrum
Museumsplatz 5
A-5020 Salzburg

Stefan Mayer
Karl-Schumm-Str. 8
74613 Öhringen

Dr. Michael Meier
Schützenberg 3
72525 Münsingen

Ronald Schiller
Naturkundemuseum Leipzig
Lortzingstr. 3
04105 Leipzig

Autor

Matthias Dolek

Unter Mitarbeit von

Christian Anton, Burkhard Beinlich, Markus Bräu, Stefan Brunzel, Adi Geyer, Patrick Gros, Stefan Hafner, Gabriel Hermann, Michael Krämer, Kathrin Landsdorfer, Andreas Lange, Michael Meier, Stefan Mayer, Erwin Rennwald, Ronald Schiller, Matthias Simon, Karola Gießelmann, Rainer Ulrich, Volker Wachlin, Thomas Widdig

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