Hucho hucho - Huchen
Beschreibung
Der Huchen (Hucho hucho) ist ein lachsartiger Fisch mit lachs- bzw. forellenartigem Habitus. Er ist im Querschnitt rund; Rücken- und Schwanzflosse sind zumeist ohne schwarze Flecken. Der Huchen ist großwüchsig und erreicht in der Regel eine Maximallänge von 130 - 140 cm und ein maximales Körpergewicht von 25 - 30 kg.
Verbreitung
Weltweit beschränkt sich das natürliche Verbreitungsbiet des Huchens auf das Einzugsgebiet der Donau. Historische Vorkommen in Deutschland gab es demnach in Bayern und Baden-Württemberg. Die Verbreitung des Huchens ist stark zurückgegangen, so dass davon ausgegangen werden muss, dass in Deutschland nur noch in etwa der Hälfte der ursprünglichen Gewässer Huchenbestände vorkommen. In Baden-Württemberg gilt der Huchen aufgrund langjährig fehlender Nachweise heute als weitgehend ausgestorben bzw. verschollen.
Nur noch einzelne der bestehenden Populationen sind selbsterhaltend, die restlichen Bestände sind sehr stark besatzüberprägt bzw. ausschließlich auf Besatz zurückzuführen.
Lebensraum
Die Lebensräume des Huchens befinden sich zumeist in submontanen, schnellfließenden und sauerstoffreichen Gewässerabschnitten, wo er als Bewohner der Äschen- und Barbenregion Einstände in tiefen, schnell fließenden Bereichen zur Jagd nutzt.
Fortpflanzung/Biologie
Die Laichzeit des Huchens reicht von März bis Mai. Zum Laichen zieht er in die Oberläufe der Seitengewässer, wobei er je nach Bedingungen auch längere Distanzen zurücklegen kann und somit als Mittelstreckenwanderer gilt.
Die Weibchen schlagen flache Laichgruben in schottriges Substrat in ca. 20 - 60 cm Wassertiefe und legen je kg Körpergewicht etwa 1.100 - 1.500 Eier ab; eine im Vergleich zu anderen Salmoniden relativ hohe Zahl an Eiern. Die Männchen werden mit 3 - 4 Jahren, die Weibchen mit 4 - 5 Jahren geschlechtsreif. Das Durchschnittsalter liegt bei 13 - 16 Jahren, so dass Huchen bis zu 10 - 15 Mal im Laufe des Lebens laichen können.
Der Huchen toleriert im Vergleich zu anderen Salmonidenarten ein relativ breites Temperaturspektrum und kommt in sommerkalten (sommerliche monatliche Mittelwerte von 10 - 14 °C) bis hin zu sommerwarmen (sommerliche monatliche Mittelwerte um die 20 °C) Flüssen vor, solange die Extremwerte 25 °C nicht übersteigen und zugleich in der Phase der Embryonalentwicklung das obere Temperaturlimit von 14 °C nicht überschritten wird.
Der Huchen ist ein unspezialisierter Topprädator. Als dominierender Räuber der Äschen- und Barbenregion steht er an der Spitze der aquatischen Nahrungspyramide. Neben Fischen nutzt er auch Amphibien, Reptilien und Wasservögel als Nahrung.
Gefährdung
Als wesentliche Ursachen für den Rückgang und die Gefährdung der Huchenbestände werden Gewässerverschmutzung, Nährstoffanreicherung in den Gewässern, sowie der Ausbau der Gewässer angesehen.
Insbesondere der Verlust der Durchgängigkeit durch Querbauwerke, der die Laichwanderung der Fische einschränkt und die einzelnen Populationen voneinander isoliert, ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Ebenso relevant ist der Verlust von Laich-, Jung- und Adultfischhabitaten, der durch gewässerbauliche Maßnahmen wie Regulierung, Begradigung und Kanalisierung sowie damit einhergehenden Veränderungen von Morphologie und Strömungsdynamik verursacht wird. Auch Gewässernutzungen, die Abflussdynamik und Fließbedingungen beeinflussen – etwa Schwall- und Sunkbetrieb von Wasserkraftanlagen – wirken sich nachteilig auf den Lebensraum des Huchens aus. Darüber hinaus kann der Eintrag von Feinsedimenten, die das Kieslückensystem der Gewässersohle zusetzen (Kolmatierung), die Reproduktion des Huchens beeinträchtigen. Die menschengemachten Veränderungen der Gewässer beeinflussen dabei nicht nur direkt den Huchen, sondern auch dessen Futterfische, was zusätzlichen Druck auf den vorwiegend fischfressenden Huchen ausübt.
Eine weitere Gefährdungsursache ist die Gewässererwärmung, beispielsweise durch die Abholzung gewässernaher, schattenspendender Wälder, aber auch durch den fortschreitenden Klimawandel.
Eine intensive Freizeitnutzung, sowie der Einfluss fischfressender Räuber werden ebenfalls als Stressoren diskutiert, wobei der direkte Nachweis eines kausalen Zusammenhangs zum Rückgang des Huchens in beiden Fällen schwierig ist, da in der Regel eine Vielzahl möglicher Beeinträchtigungen vorliegt. Eine gute Resilienz der Huchenbestände ergibt sich aus reproduktiven, artenreichen Fischbeständen (inklusive Futterfischen) und einer möglichen Zuwanderung aus anderen Gewässerabschnitten. Sind diese Bedingungen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt gegeben, wirken zusätzliche Einflussfaktoren – etwa eine wiedererstarkte Räubergemeinschaft –nicht mehr im Rahmen natürlicher Schwankungen, sondern entfalten eine überproportionale Wirkung. In Gewässerstrecken mit längeren freien Fließstrecken scheint dies jedoch weniger ausgeprägt aufzutreten als in Gewässerstrecken mit nur kurzen hydromorphologisch intakten Fließstrecken, was die Bedeutung freifließender Gewässer mit einer natürlichen Morphologie unterstreicht.
Schutz
Mehrere Gefährdungen wirken auf den Huchen und seinen Lebensraum und es muss davon ausgegangen werden, dass es zu Wechselwirkungen der verschiedenen Stressoren kommt. Um eine Erholung der Huchenbestände zu gewährleisten, sollten daher alle Beeinträchtigungen in den Blick genommen werden. Eine besondere Rolle kommt der Reduktion der hydromorphologischen Belastungen zu, zum Beispiel durch einen Erhalt freifließender Fließgewässerabschnitte, die Wiederherstellung der Durchgängigkeit und die Renaturierung der Lebensräume des Huchens.
Alle bekannten Vorkommen des Huchens sollten in Schutzgebieten geschützt werden. Von besonderer Bedeutung ist der Schutz aller sich selbsterhaltenden Bestände und ihrer Lebensräume. Darüber hinaus bedarf es der Renaturierung geeigneter Gewässerabschnitte, um langfristig besatzgestützte Bestände zu sich selbst erhaltenden Beständen zu entwickeln. Eine Vernetzung der einzelnen Populationen ist insbesondere deshalb wichtig, weil die verbleibenden Vorkommen des Huchens zum Teil sehr isoliert liegen.
Literaturhinweise
verändert nach:
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