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Bundesamt für Naturschutz

Lutra lutra - Fischotter

Geschützt nach
Anhang II FFH-Richtlinie
Anhang IV FFH-Richtlinie
EU-Code
1355
Artengruppierung
Sonstige Säugetiere
Status Rote Liste Deutschland
(Meinig et al. 2020): 3 (Gefährdet)
Status Rote Liste Europa
(Temple & Terry 2007): NT (Vorwarnliste)
Verantwortlichkeit
(Meinig et al. 2020): Allgemeine Verantwortlichkeit

Beschreibung

Eleganter Schwimmer

Der Fischotter ist die größte heimische Marderart. Ursprünglich kam die Art in Gesamteuropa vor. Zunächst durch Bejagung, dann durch die Verschmutzung der Gewässer und durch verkehrsbedingte Verluste gingen die Bestände stark zurück und der Fischotter starb in weiten Teilen Deutschlands in Folge von Landschaftszerschneidung und -zerstörung aus. Inzwischen erholen sich die Bestände langsam und der Fischotter breitet sich wieder aus.
Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Jagd auf die Art eingestellt wurde und die Gewässer heute wieder sauberer und weniger durch giftige Industrieabwässer belastet sind. Trotzdem gilt der Fischotter in Deutschland immer noch als gefährdete Art.
Zu Gesicht bekommt man die scheuen, meist dämmerungs- und nachtaktiven Tiere nur selten. Trotz ihrer starken Bindung an Gewässerlebensräume sind die wendigen Schwimmer auch an Land sehr schnell, in einer Nacht wurde schon eine Laufstrecke von 20 km über Land festgestellt.

Lebensraum

Der Fischotter besiedelt in Mitteleuropa Lebensräume, die vielerorts zu finden sind: Ufer von Gewässern. Wichtig sind für ihn reich gegliederte Ufer, mit wechselnd flachen und steilen Böschungsabschnitten, Kolken, Unterspülungen und ausreichender Breite. Dabei nutzt die Art auch vom Menschen geschaffene Gewässer wie Talsperren, Teichanlagen oder breite Gräben als Lebensraum. Wichtige Bestandteile dieser Lebensräume sind neben ausreichenden Möglichkeiten zur Nahrungssuche besonders störungsarme Versteck- und Wurfplätze, d.h. vom Menschen nicht genutzte Uferabschnitte. Die Reviere des Otters umfassen je nach Nahrungsangebot zwischen 2 und 20 km Uferstrecke (Görner & Hackethal 1988). Ein Männchenrevier überlagert meist mehrere Weibchenreviere (Teubner & Teubner 2004). Der große Raumanspruch des Fischotters macht ihn in der dicht besiedelten und stark von Verkehrswegen durchschnittenen Landschaft Mitteleuropas sehr anfällig gegenüber Verkehrsverlusten, insbesondere da, wo die Verkehrswege Gewässer mit nicht von den Tieren zur Querung nutzbaren Brücken und Durchlässen kreuzen.

Fortpflanzung/Biologie

Jungtiere des Fischotters können in jeder Jahreszeit geboren werden. Die Art hat keine feste Paarungszeit, allerdings kommen nach Elmeros & Madsen (1999) in Dänemark die meisten Jungen zwischen Juni und November, der Zeit mit den höchsten Fischbeständen, zur Welt. Als Wurfplätze werden gut geschützte und ruhige Uferbereiche gewählt. Hier werden die meist 1-3 Jungen in natürlichen Uferhöhlungen oder in selbst gegrabenen Erdhöhlen, deren Zugang meist unter Wasser liegt, geboren (Reuther 1993, Görner & Hackethal 1988). Die Jungen sind sehr lange von ihrer Mutter abhängig. Zunächst werden sie ein halbes Jahr lang gesäugt, dann dauert es nochmals bis zu über einem halben Jahr, bis sie selbständig sind (Reuther 1993). Die erste Zeit verbringen die Jungen im Bau, sie lernen mit ungefähr 6 Wochen zu schwimmen. Mit zunehmender Körpergröße der Jungtiere vergrößert sich nach und nach ihr Aktionsradius, spätestens nach 14 Monaten löst sich der Familienverband auf (Reuther 1993).

Lokale Population

Die Abgrenzung einer lokalen Population ist beim Fischotter sehr schwierig, da Wurfbaue großräumig nur sehr schwer zu finden sind und die Tiere über große Aktionsradien verfügen (z.B. Kranz 1995, Anonymus 1999). Als Mindestgröße eines von einer Population des Fischotters dauerhaft besiedelbaren Landschaftsraumes werden Gebiete mit einer Fläche ab 7.500 km2 mit zusammenhängenden und vernetzten Oberflächengewässern angegeben (Dolch & Teubner 2006). Bereits einzelne Individuen können eine große Bedeutung für den Bestand eines Vorkommens oder eine erfolgreiche Wiederbesiedlung insbesondere im Bereich der Arealgrenzen haben, da über diese neue Räume besiedelt werden (Ausbreitungsmöglichkeit über Vernetzung und Biotopverbund). Weil die Art nur in geringen Dichten vorkommt, haben Einzelvorkommen eine eigenständige Bedeutung. Die Abgrenzung einer lokalen Population erfolgt hilfsweise bei Fließgewässern über eine Uferstrecke von mindestens 10 km Länge um einen Nachweis bzw. Nachweisraum (Trittsiegel, Markierungen/Losungen, Sichtbeobachtungen, Bau) herum. Örtliche Teichgruppen und -gebiete mit einer Ausdehnung von mindestens 5 km² werden ebenfalls als lokale Population definiert.

An der Arealgrenze bzw. in bislang vom Otter unbesiedelten Lebensräumen ist nach Expertenabstimmung von einer lokalen Population dann auszugehen, wenn sich ein Tier in einem Gebiet angesiedelt hat. Dies ist dann der Fall, wenn ein Nachweis eines Otters mit Jungtier(en) vorliegt, oder wenn mehrere bestätigte Hinweise oder Nachweise (Trittsiegel, Markierungen/Losungen) über einen Zeitraum von einem halben Jahr in einem Gebiet gelungen sind.

Gefährdung

Der Fischotter ist vor allem durch Habitatzerstörung (Zerschneidung) und das Verenden in Fischreusen sowie durch verkehrsbedingte Verluste gefährdet.

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

  • Verenden in Fischreusen
  • Gewässerbelastung durch Chemikalien aus Land- und Forstwirtschaft
  • Lebensraumverlust durch Entwässerung für land- und forstwirtschaftliche Nutzung
  • Gewässerunterhaltung im Uferbereich (Verlust von Versteckmöglichkeiten)
  • Intensivierung der Teichwirtschaft mit Zäunung und Vergrämung

Sonstige

  • Zerstörung des Lebensraumes (Gewässerausbau, Bau von Siedlungs- und Gewerbeflächen in Auenstandorten)
  • Landschaftsfragmentierung durch Verkehrswegebau
  • Verkehrsbedingte Verluste durch Straßen und Schienenverkehr
  • Verlandung von Teichen nach Aufgabe der Nutzung
  • (Illegale) direkte Verfolgung durch den Menschen

Erhaltungsmaßnahmen

Sonstige Maßnahmen

  • Umbau bestehender Gewässerquerungen von Straßen und Schienenwegen zu fischottergerechten Durchlässen
  • Bei Neu- und Ausbaubaumaßnahmen von Straßen und Schienenwegen ausschließlich Planung fischottergerechter Durchlässe (siehe z.B. bei der Arbeitsgruppe „Semiaquatische Säugetiere des Landes Mecklenburg-Vorpommern“ oder beim Freistaat Sachsen
  • Verzicht auf Gewässerausbau in Gebieten mit Vorkommen des Fischotters
  • Die Verhinderung illegaler Verfolgung (Jagdverbot) ist für den Schutz der Art wesentlich.

Erhaltungszustand

  • Atlantische Region: ungünstig - unzureichend
  • Kontinentale Region: ungünstig - unzureichend
  • Alpine Region: ungünstig - unzureichend

Programme und Projekte

Finanzierungsinstrumente für Maßnahmen und Umsetzung von Managementplänen

  • Internetseite des BfN zu Finanzierungsoptionen von Maßnahmen im Rahmen der FFH- und Vogelschutzrichtlinie
  • Finanzierungsinstrument der EU zur Förderung von Umwelt- und Naturschutz-Projekten in Europa, LIFE+

Projekte im Internet

  • Informationen zur Biologie des Fischotters, Verbreitungssituation in Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt
  • Informationen zu Verbreitung und Ökologie sowie rechtlichem Status
  • Verbreitung, Schutz und Situation des Fischotters in der Schweiz
  • Schutzmaßnahmen an Straßen in Schleswig-Holstein

Autoren

Kontaktinformationen für weitere Auskünfte und Hilfestellungen

Für weitere Hinweise zur Art und Hilfestellungen für die Bewirtschaftung der Lebensräume wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige Naturschutzbehörde in Ihrer Region.

Experten

Dr. Hermann Ansorge
Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz
Am Museum 1
02826 Görlitz

Dr. Dietrich Dolch
Dorfstr. 2d
16818 Radensleben

Dr. Hans-Heinrich Krüger
Aktion Fischotterschutz e. V., Otterzentrum
Sudendorfallee 1
29386 Hankensbüttel

Jens und Jana Teubner
Landesumweltamt Brandenburg
Naturschutzstation Zippelsförde
16827 Zippelsförde

Autoren

Holger Meinig, Jens Teubner, Jana Teubner, Dr. Dietrich Dolch, Dr. Hans-Heinrich Krüger

Unter Mitarbeit von

Sven Büchner, Julia Eggermann, Malte Götz, Susanne Jokisch, Gesa Kluth, Ute Köhler, Matthias Simon, Karola Gießelmann, Manfred Trinzen, Ulrich Weinhold, Marco Zimmermann

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