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Bundesamt für Naturschutz

Stipa pulcherrima ssp. bavarica - Bayerisches Federgras

Geschützt nach
Anhang II FFH-Richtlinie
Anhang IV FFH-Richtlinie
EU-Code
1881*
Artengruppierung
Farn- und Blütenpflanzen
Synonyme
Stipa bavarica
Status Rote Liste Deutschland
(Metzing et al. 2018): 1 (Vom Aussterben bedroht)
Status Rote Liste Europa
(Bilz et al. 2011): VU (Gefährdet)
Verantwortlichkeit
(Metzing et al. 2018): In besonders hohem Maße verantwortlich

Beschreibung

Silbrige Grüße aus fernen Steppen

Auf einem steilen Felskopf über der Donau liegt das weltweit einzige Vorkommen des Bayerischen Federgrases. Lange, behaarte Grannen überziehen zur Blütezeit den Felsen mit einem silbrig-weißen Schimmer. Das auffällige Süßgras ist gut an die hohe Sonneneinstrahlung und die nährstoffarmen Verhältnisse des Jurafelsens angepasst. Sein auf Bayern beschränktes Vorkommen und die geringe Anzahl an Individuen machen es zu einer wahren Rarität. Für den weltweiten Erhalt des Bayerischen Federgrases trägt Bayern die Alleinverantwortung.

Lebensraum

Ursprünglich aus den Steppen Osteuropas und Russlands stammend findet man die Federgräser in Deutschland nur an den klimatisch wärmsten Stellen. Wasserdurchlässige Böden, wie Muschelkalk, Gips oder die Schotterterrassen ehemaliger Wildflüsse mit ihren Heidewiesen und Steppenrasen, bieten den Federgräsern geeignete Lebensbedingungen. Das Bayerische Federgras, eine Schwesterart des weiter verbreiteten Gelbscheidigen Federgrases, kommt weltweit gesehen nur an einer einzigen Stelle im Donautal bei Neuburg (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) vor und wächst dort in den feinerdehaltigen Spalten und Absätzen steilabfallender Jurafelsen.

Fortpflanzung/Biologie

Ökologie der Art

Das Bayerische Federgras wächst auf einem steil zur Donau hin abfallenden Jurakalkfelsen der südlichen Frankenalb. Das Klima an dem südexponierten Hang ist sehr warm und relativ trocken und schafft geeignete Lebensbedingungen für eine ganze Reihe typischer Trocken- und Halbtrockenrasen-Arten. Die Horste des Bayerischen Federgrases stehen bevorzugt in den nur spärlich bewachsenen, feinerdehaltigen Spalten des Felsens (Berg 2001). Von dort sind Individuen auch in unmittelbar benachbarte lückige, teilweise versaumte (im Übergangsstadium zu Gebüsch befindliche) Kalkmagerrasen eingewandert. Sie sind sehr gut an die vollsonnigen und relativ nährstoffarmen Lebensbedingungen angepasst und reagieren empfindlich auf Beschattung oder Überwachsen durch einwandernde Gehölze. Ideale Wuchsverhältnisse herrschen bei einer lückigen Bestandsstruktur aus Gräsern, wie der Erd-Segge (Carex humilis), dem Kalk-Blaugras (Sesleria albicans) und dem Furchen-Schafschwingel (Festuca rupicola), niedrigwüchsigen Zwergsträuchern, wie dem Berg-Gamander (Teucrium montanum), und kleinwüchsigen Kräutern (Dolek et al. 2009).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Das Bayerische Federgras ist eine langlebige Grasart, die je nach Standort sehr große und dichte Horste bilden kann. Sie blüht im Frühjahr von Mai bis Juni. Die Fruchtreife erstreckt sich bis in den Juli hinein (Hauke 2003). Die Samen des Federgrases besitzen eine lange, gekniete Granne, die in der Lage, ist bei Änderungen der Feuchtigkeitsverhältnisse, Drehbewegungen durchzuführen (Hegi 1981). So können Samen besser in den Boden oder in Spalten eindringen und sich dort verhaken. Als Flugorgan zur Überbrückung größerer Entfernungen ist die Granne eher ungeeignet, da die Früchte relativ schwer sind und dadurch sehr schnell zu Boden fallen. Größere Distanzen könnten dagegen durch Weidetiere (z.B. Schafe) zurückgelegt werden, in deren Fell sich die Früchte dank eines kleinen Hakens an der Spitze des Samens sehr gut anheften können. Allerdings ist eine Beweidung der steilen Felsflanken im NSG Finkenstein mit Schafen kaum möglich. Die Beweidung mit anderen Tieren (z.B. Ziegen), die besser für steile Felspartien geeignet wären, wurde bislang nicht erprobt. Ein weiterer Engpass im Lebenszyklus des Bayerischen Federgrases scheint die Keimung der Samen zu sein. Keimversuche des Botanischen Gartens in Regensburg konnten bislang keine Erfolge verzeichnen und auch im Gelände ist kaum eine Verjüngung des Bestandes festzustellen. Etablierte Individuen können sich nur schlecht gegen eine Beschattung durch höher wüchsige Pflanzen und Gehölze durchsetzen, deren Einwanderung durch den Eintrag von Oberboden aus der Umgebung und damit einer Nährstoffanreicherung gefördert wird.

Lokale Population

Abgrenzung der lokalen Population

Das weltweit einzige Vorkommen des Bayerischen Federgrases in Deutschland ist beschränkt auf einen Felskopf und seine steil abfallenden Flanken im Donautal bei Neuburg an der Donau. Auf ca. 30 m² findet man noch ca. 100 Horste. Manche Partien des Jurakalkfelsen sind nur schwer zugänglich, was die Erfassung der genauen Populationsgröße schwierig macht. Grundsätzlich können drei Felspartien mit Federgras-Vorkommen unterschieden werden (Quinger 2008). Die Individuen dieser drei Bereiche stehen im genetischen Austausch. Die Ausbreitung des Bayerischen Federgrases in angrenzende Bereiche mit geeigneten Bedingungen konnte bislang nicht beobachtet werden und wird durch den umgebenden Waldgürtel rings um den Fundort erschwert, wenn nicht sogar komplett verhindert. Daher werden die Vorkommen des Bayerischen Federgrases am Finkenstein als eine einzige, lokale Population betrachtet.

Gefährdung

Das Bayerische Federgras ist vor allem durch Nährstoffeintrag und Verbrachung des Wuchsortes gefährdet.

Land- und Forstwirtschaft

Das einzige Vorkommen des Bayerischen Federgrases befindet sich in einem Naturschutzgebiet und ist daher weitestgehend gegen direkte Einflüsse aus Land- und Forstwirtschaft geschützt. Allerdings fördert Stickstoffeintrag, z.B. durch das Einschwemmen von Oberboden aus den angrenzenden bewirtschafteten Flächen, die Einwanderung hochwüchsiger, konkurrierender Pflanzen, die das Bayerische Federgras auf Dauer verdrängen können.

Sonstige

Das Vorkommen des Bayerischen Federgrases ist derzeit mit einem relativ hohen Holzzaun vor zu starkem Besucherdruck geschützt. Trotzdem wird der Zaun immer wieder überstiegen und die sensiblen Stellen des Finkensteins betreten. 

Die Wuchsorte des Federgrases waren einem hohen Besucherdruck ausgesetzt, der folgende Gefährdungsursachen mit sich brachte:

  • Direkte Störung der Pflanzen durch Pflücken und Ausgraben ganzer Individuen durch den Menschen, gerade zur Blütezeit des Grases
  • Starke Trittbelastung durch Wanderer, die den Felskopf als Aussichtspunkt nutzten
  • Nährstoffeintrag durch das Einschwemmen von Feinerde infolge der hohen Trittbelastung und Ablagerung in den Felsspalten

Gefährdungsursachen, die weiterhin einwirken:

  • Verbuschung der Felsen durch das Einwandern höherwüchsiger Sträucher und Bäume in Bereichen, die nur sehr schwer zugänglich sind

Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Bayerischen Federgrases

Um Beeinträchtigungen durch Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu vermeiden, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Forstwirtschaft

  • Verzicht auf intensive forstwirtschaftliche Nutzung der Wuchsortumgebung (z.B. großflächige Holzentnahme, schweres Gerät, etc.)
  • Einhaltung von Pufferzonen oberhalb des Felskopfes, um den Eintrag von Nährstoffen (durch Einschwemmen von Oberboden) zu verhindern

Sonstige Maßnahmen

Maßnahmen des Naturschutzes (siehe auch Hauke 2003, Quinger 2008)

  • Regelmäßige, vorsichtige Entbuschung und Auflichtung des Felskopfes und der oberhalb angrenzenden Bereiche
  • Zurücksetzen des Eichen-Hasel-Buschwaldes um mehrere Meter zur Verbesserung der Belichtungsverhältnisse an der Ostflanke des Finkensteins
  • Vorsichtige, manuelle Beseitigung von Pflanzen, die das Federgras unmittelbar bedrängen (Cytisus nigricans und Cotoneaster integerrimus)
  • Abzäunung des Federgras-Bestandes aufrecht erhalten und regelmäßig kontrollieren, um die Trittbelastung durch Wanderer und das illegale Besammeln des Bestandes für Herbarzwecke einzudämmen
  • Verminderung von Oberbodeneinschwemmung durch die Anlage und Sauberhaltung einer wasserabführenden Rinne
  • Gezieltes Einbringen der Samen an für die Keimung geeignete Stellen
  • Schaffung von Keimnischen durch das Entfernen zu dichter Streuschicht
  • Jährliche Bestands- und Fitnesserfassung des Vorkommens

Weiterhin sollten folgende Maßnahmen zukünftig unternommen werden:

  • Kontinuierliche Überprüfung der Keimfähigkeit der Samen; gegebenenfalls Erhaltungskultur gekeimter Individuen zur Sicherung des genetischen Potenzials (Kultivierung im Botanischen Garten und/oder Genbank der Universität Regensburg: „Arche Bayern“)
  • Gegebenenfalls Ausbringung vorgezogener Jungpflanzen an geeigneten Standorten zur Unterstützung der geringen Populationsgröße

Erhaltungszustand

  • Kontinentale Region: günstig

Programme und Projekte

Finanzierungsinstrumente für Maßnahmen und Umsetzung von Managementplänen

  • Internetseite des BfN zu Finanzierungsoptionen von Maßnahmen im Rahmen der FFH- und Vogelschutzrichtlinie.
  • Internetseite der Europäischen Union zur Förderung des Umwelt- und Naturschutzes und von entsprechenden Projekten.

Vertragsnaturschutzprogramme der Länder

In den Bundesländern gibt es unterschiedliche Förderprogramme die genutzt werden können, nachfolgend werden Beispiele genannt.

  • Förderwegweiser des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) und Kulturlandschaftsprogramm (KULAP)

Projekte im Internet

  • Kontinuierliche und jährliche Überwachung im Rahmen eines Artenhilfsprogramms des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. Dokumentation von Bestandsveränderungen und potenzielle Gefährdungsursachen.

Autoren

Kontaktinformationen für weitere Auskünfte und Hilfestellungen

Für weitere Hinweise zur Art und Hilfestellungen für die Bewirtschaftung der Lebensräume wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige Naturschutzbehörde in Ihrer Region.

Experten

Burkhard Quinger
Kienbachstr. 7
82211 Herrsching

Dr. Christina Meindl (Taxonomische Bewertung)
Lehrstuhl für Botanik
Universität Regensburg

Autoren

Christina Meindl, Peter Poschlod

Unter Mitarbeit von

Burkhard Quinger, Martin Scheuerer, Christoph Reisch

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