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Bundesamt für Naturschutz

Landschaft der Industriekultur Nord

Landschaftsplanung
Naturschutzgroßprojekt
Mosaik der typischen Landschaftsstrukturen einer Bergbaufolgelandschaft des Steinkohlebergbaus
Bundesland
Saarland
Zuständiges Fachgebiet
Fachgebiet II 4.1 Landschaftplanung, räumliche Planung und Siedlungsbereich
Laufzeit
Projekt I: 2009 - 2012 (Erstellung des Pflege- und Entwicklungsplans), Projekt II: 2013 - 2024 (Umsetzung der Maßnahmen)
Fläche in Hektar
Kerngebiet: 2.423 ha
Lage
Naturraum: Saarkohlenwald, Prims-Blies-Hügelland
Finanzvolumen
Projekt I: 828.000 €, Projekt II: 12.550.000 €

Beschreibung

Das Projektgebiet beinhaltet ein Mosaik der typischen Landschaftsstrukturen einer Bergbaufolgelandschaft des Steinkohlebergbaus und der damit verbundenen Montanindustrie von Industriebrachen über Halden und Schlammweiher bis hin zur entsprechenden Wasser- und Landbewirtschaftung. Die hier seit drei Jahrzehnten ablaufenden Transformations- und Konversionsprozesse sind charakteristisch für diese Landschaft und bieten Raum für entsprechend repräsentative und beispielhafte Schutz- und Nutzungsstrategien auf derartigen Standorten. Naturschutzfachliches Ziel des Projektes ist es, einen repräsentativen Mix der vielfältigen und zum Teil sehr unterschiedlichen Lebensräume der urban-industriellen Bergbaufolgelandschaft des Saarlandes zu erhalten. Die vier Landschaftslabore des 18 Teilflächen umfassenden Fördergebietes bilden unterschiedliche landschafts- und nutzungsbezogene Typen der Altindustrieregion und damit die Bandbreite an typischen Lebensräumen repräsentativ, d. h. vollständig und in dieser Kombination auf engem Raum einmalig ab.

Im Landschaftslabor "Neuerfindung der Bergmannskuh" sind kleinräumig bewirtschaftete Lebensräume verzahnt mit Fließgewässern, die eine Reihe von Rote Liste-Arten (z. B. Nordisches Labkraut, Großen Feuerfalter, Steinkauz, Edelkrebs, Steinbeißer) aufweisen. Hier stehen die Fortführung der extensiven Wiesen- und Weidenutzung, die Reaktivierung der Streuobstnutzung sowie die Sanierung und Renaturierung der Gewässer, an denen entlang sich diese Nutzungsstrukturen in der Vergangenheit entwickelt haben, im Vordergrund.

Im Landschaftslabor "Forstwirtschaft und natürliche Prozesse" steht die Schaffung einer naturnahen Waldstruktur der großflächig vorhandenen Buchen-Eichen-Wälder und kleinflächigen Erlen-Eschen- und Eichen-Hainbuchen-Wälder mit Vorkommen von Zwerghirschkäfer, Beulenkopfbock etc. im Vordergrund. Durch eine entsprechend veränderte Bewirtschaftung durch den Staatsforstbetrieb soll die Entwicklung zu Laubwaldbeständen mit hohem Altholzanteil erfolgen und die natürlichen Prozesse im Wald sollen möglichst wenig beeinträchtigt werden.

Urban-industrielle Lebensräume sind im flächenmäßig größten Landschaftslabor "Bergbaufolgelandschaft Heinitz" vertreten und beherbergen auf Extremstandorten wie Halden, temporären Gewässern und Industriebrachen zahlreiche spezialisierte Arten, wie z. B. Wechselkröte, Gelbbauchunke, Blauflügelige Sandschrecke, Salzbinse, Helm-Azurjungfer oder an den gefährdeten Waldrändern auch Brombeer- und Silberfleck-Perlmuttfalter. Hier sollen sowohl Sukzessionsprozesse ermöglicht als auch unterschiedliche Pionierstandorte erhalten werden. An den Schlamm- und Stauweihern sind vor allem Maßnahmen zum Rückbau sowie die Modellierung und teilweise Offenhaltung von Uferbereichen vorgesehen.

Vervollständigt wird das Mosaik aus typischen Landschaftsstrukturen im Landschaftslabor "Vogelzug und Wilde Weiden", in dessen Zentrum ein großflächiger Schlammweiher steht, der in eine umgebende halboffene Weidelandschaft eingebunden werden soll. In den großflächigen Verlandungszonen finden sich Arten wie z. B. der Drosselrohrsänger. Ziel ist es, die seit der Nutzungsaufgabe entstandenen Strukturen des Schlammweihers (Verlandungsflächen, Röhrichtzonen) zu erhalten und weiter zu fördern sowie die landwirtschaftlich genutzten Flächen im Umfeld so umzustrukturieren, dass der Weiher in Zukunft zum Zentrum einer halboffenen Weidelandschaft wird.

Begleitet werden die Maßnahmen in den Landschaftslaboren von zahlreichen Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit und der Umweltbildung, wie zum Beispiel "LIK Nord macht Schule" oder die Naturerlebnistage in den Landschaftslaboren, wo insbesondere auch die Kinder und Jugendlichen in das Projekt eingebunden werden. Eine zusätzliche Maßgabe für die Erreichung dieses Ziels stellt die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung dar, denn dadurch können Identifikationsprozesse und Imagebildung positiv beeinflusst werden. 

Das Naturschutzgroßprojekt "Landschaft der Industriekultur Nord" ist eines der fünf Gewinner des Wettbewerbs "IDEE.Natur - Zukunftspreis Naturschutz". Erstmals seit dem Start der Förderung von Naturschutzgroßprojekten im Jahr 1979 wurde ein Projekt in einer urban-industriellen Region in dieses Förderprogramm aufgenommen.

Zuwendungsempfänger

Zweckverband Landschaft der Industriekultur
Bahnhofstraße 17, 66578 Schiffweiler / Landsweiler-Reden

Fördergeber

BMU/BfN, Saarland, Zweckverband Landschaft der Industriekultur
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