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Bundesamt für Naturschutz

Naturverträgliche Wärmewende

Nutzung und Planung
Forschungs- und Entwicklungsvorhaben
Die Energiewende ist im Wärmebereich bisher nur unzureichend umgesetzt. Die heute noch dominierenden Energieträger Erdgas und Heizöl sind in einer klimaneutralen Wärmeversorgung nicht zukunftsfähig. Die Bundesregierung strebt eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis zum Jahr 2050 an. Damit steigt der Druck auf die Flächen zum Beispiel für Wärme aus Biomasse oder Solarthermie. Daher ist es wichtig, die Optionen für eine naturverträgliche erneuerbare Wärmeversorgung aufzuzeigen.
Inhaltliche Schwerpunkte
Nachhaltige Nutzung
Zuständiges Fachgebiet
Fachgebiet II 4.3 Naturschutz und Erneuerbare Energien
Laufzeit
22.11.2019 - 30.09.2021
Finanzvolumen
152.000 €
Solarthermiemodul auf einer blühenden Wildblumenwiese
Solarthermiemodul auf einer Wildblumenwiese

Beschreibung

FKZ 3519 86 0400

Das Wärmesystem in Deutschland muss zur Erreichung der Klimaziele innerhalb weniger Jahrzehnte von fossilen auf regenerative Energieträger umgestellt werden und steht damit vor großen Veränderungen. In der Studie wurde untersucht, welche potenziellen Auswirkungen die Wärmewende auf die Flächennutzung hat und wie negative Auswirkungen auf den Naturschutz vermieden werden können. 

Hierfür wurde zunächst eine Übersicht über nationale Gesetze, Förderprogramme und politische Zielstellungen erarbeitet. Bestehende Szenarien wurden hinsichtlich der Entwicklung bis 2050 verglichen, um einzuschätzen, welche Effizienzmaßnahmen und Technologien im Wärmesektor zukünftig relevant werden. Diese wurden bezüglich ihrer Wirkung auf Naturschutz und Landschaft untersucht. Hierzu wurde unter anderem eine Methode zur Abschätzung des Flächenbedarfs der jeweiligen Technologien je Wärmeeinheit entwickelt. 

Abschließend wurde anhand des aktuellen Rechtsrahmens bewertet, inwiefern sich die verschiedenen Entwicklungspfade der Wärmewende auf den Naturschutz auswirken. Hieraus abgeleitet wurden Stellschrauben und Handlungsempfehlungen für eine naturverträgliche Entwicklung der erneuerbaren Wärmeversorgung sowie der notwendigen Rahmenbedingungen. 

Ergebnisse

Insgesamt ergibt sich aus dieser Studie, dass die Entwicklung eines möglichst effizienten Energiesystems auf Basis regenerativer Energieträger naturverträglich möglich ist. Es sollten energiewirtschaftlich effiziente Wärmewende-Technologien gefördert werden, die zugleich niedrige Kosten und geringe Eingriffe in den Naturhaushalt mit sich bringen.

Handlungsempfehlungen

Auf Basis der in dieser Studie herausgearbeiteten Ergebnisse lassen sich die folgenden Stellschrauben und Empfehlungen für eine naturschutzorientierte Wärmewende ableiten:

  1. Gebäudeeffizienz steigern und naturverträglich ausgestalten: 
    Je geringer der Endenergiebedarf ist, desto weniger erneuerbare Energien müssen erzeugt werden und desto weniger Eingriffe in Natur und Landschaft werden notwendig. Bei Effizienzmaßnahmen an Gebäuden gilt es, auf deren möglichst naturschutzfreundliche Ausgestaltung zu achten, z. B. durch Schaffung begrünter Fassaden, Gründächern und Nisthilfen. 
  2. Naturschutzverträgliche und flächeneffiziente Technologien fördern: 
    Auch bei einer Verringerung des Endenergiebedarfs durch Effizienzmaßnahmen wird es bei einem signifikanten Wärmebedarf bleiben, der zukünftig ausschließlich aus erneuerbaren Energien zu decken ist. Es sollten nur naturverträgliche und flächeneffiziente Wärmetechnologien umgesetzt werden. Zudem sind bei der räumlichen Verteilung und Standortwahl sowie bei der Umsetzung konkreter Projekte Naturschutzaspekte zu beachten. Die Auswirkungen von strombasierten Wärmetechnologien richten sich auch danach, wieviel Strom sie benötigen und wie naturverträglich dieser erzeugt wurde. Aufgrund ihres geringeren Strombedarfs sind Wärmepumpen zum zentralen Standbein der Wärmewende sowohl bei der dezentralen Gebäudeversorgung wie auch in der Fernwärme geeignet. Die Verwendung von grünem Wasserstoff im Wärmesektor sollte aus Sicht des Naturschutzes aufgrund des hohen Flächenbedarfs zur Strombereitstellung für die Elektrolyse nicht forciert werden. Für importierten grünen Wasserstoff sollten Nachhaltigkeitsanforderungen aufgestellt werden, da dessen Produktion mit Umweltkonflikten einhergehen kann. 
  3. Naturverträgliche Nutzung von Biomasse: 
    Ähnlich wie beim grünen Wasserstoff sollte die Nutzung von Biomasse (z. B. Biogas oder Festbrennstoffe) aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit von nachhaltig erzeugter Biomasse im Wärmemarkt nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die Anwendung sollte auf solche Bereiche begrenzt werden, die anderweitig schwer klimaneutral zu versorgen sind und sich auf Rest- und Abfallstoffen (z. B. Altholz, holziges und halmgutartiges Material aus der Landschaftspflege, Biogas aus Gülle) beschränken. Soweit Biomasse im Wärmemarkt eingesetzt werden soll, ist eine nachhaltige, naturverträgliche Herkunft sicherzustellen. 
  4. Erneuerbare naturverträgliche Technologien durch Wärmenetze integrieren: 
    Für ein effizientes Energiesystem ist nach den analysierten Energieszenarien ein erheblicher Ausbau von Wärmenetzen erforderlich, die zukünftig insbesondere in den Städten verdichtet und ausgebaut werden sollten. Der Ausbau von Wärmenetzen bietet Vorteile für den Naturschutz. So kann die Abwärme aus Rechenzentren oder Klärwerken oder Wärme aus geothermischen Anlagen in Wärmenetze eingespeist und an die Endnutzer verteilt werden. Großwärmepumpen können die von ihnen produzierte Wärme einspeisen und sind zudem effizienter als viele kleine Anlagen in einzelnen Gebäuden. Außerdem sind Abwärmenutzung, Geothermie und Großwärmepumpen besonders naturschutzkompatible Wärmetechnologien. Wärmenetze reduzieren also auch den Strombedarf und damit den Flächenbedarf, der zur Stromerzeugung durch z. B. Windkraft- und Photovoltaikanlagen für die Wärmeerzeugung notwendig wäre.

Ausblick

Gleichwohl verbleiben hinsichtlich der Ausgestaltung von Technologien und Fördermöglichkeiten Handlungsfelder, die aus Sicht des Naturschutzes zukünftig besonders zu beleuchten sind.  

  • Forschungsbedarf zur Untersuchung des Baus und Betriebs von Gewässerwärmepumpen und deren Wirkungen auf betroffene Ökosysteme
  • Bedarf an Potenzialstudien für die Biomasseverfügbarkeit unter Naturschutzaspekten
  • Kritische Prüfung der Definition der Klimaneutralität von Biomasse

Auftragnehmende

HIC Hamburg Institut Consulting GmbH
Christian Maaß
Paul-Nevermann-Platz 5, 22765 Hamburg

Projektpartnerschaft

Bodensee-Stiftung
Dimitri Vedel
Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell

Fachbetreuung im BfN

Dr. Georgia Erdmann
0341 30977-163
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