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Bundesamt für Naturschutz

Weltnaturerbe und Ökosystemleistungen

Internationale Zusammenarbeit
Internationale Projekte
Forschungs- und Entwicklungsvorhaben
Ökosystemleistungen und Inwertsetzung von Weltnaturerbestätten
Inhaltliche Schwerpunkte
UNESCO Weltnaturerbe
Zuständiges Fachgebiet
Fachgebiet I 2.3 Internationaler Naturschutz
Laufzeit
2011-2018
Blick auf den Aletschgletscher von oben
Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch

Beschreibung

Hintergrund

Weltnaturerbestätten sind weltweit zunehmendem Nutzungsdruck ausgesetzt. Dies gilt sowohl für die Gebiete selbst als auch für ihre Pufferzonen. Auch wenn im Welterbekontext der Schutz der Gebiete ausdrücklich im Vordergrund steht, so zeigen die aktuellen Diskussionen des Welterbekomitees und der Generalversammlung der Konvention zur "Zukunft des Welterbeübereinkommens", dass eine intensive Auseinandersetzung mit verschiedenen Nutzungsformen und dem damit verbundenen Nutzungsdruck erforderlich ist. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Bewertung und Kommunikation von Ökosystem(dienst)leistungen und Nutzen von Weltnaturerbestätten für die Bevölkerung.

Das Projekt

Ziel des Vorhabens war die Entwicklung einer systematischen Herangehensweise zur Identifizierung und Bewertung von Leistungen und Nutzen („Benefits“) von Weltnaturerbestätten weltweit. Das Vorhaben soll Wissenslücken identifizieren und Empfehlungen für Manager von Welterbestätten sowie Entscheidungsträger entwickeln, um den langfristigen Schutz von Weltnaturerbestätten und ihrer Ökosystemleistungen zu befördern. Das Projekt umfasste folgende Teilziele:

  • Identifizierung des von Weltnaturerbestätten erbrachten Nutzens
  • Erprobung verschiedener Bewertungsmethoden in diesem Zusammenhang
  • Entwicklung eines Online „Benefits Atlas“ welcher die Suche nach verschiedenen Nutzungstypen ermöglicht und die von Weltnaturerbestätten erbrachten Leistungen und ihren Nutzen darstellt.

Ergebnisse

Im Projekt wurden zur Bewertung von Ökosystemleistungen und Nutzen der Weltnaturerbestätten einerseits raumbezogene Modellinstrumente und damit direkt verbundene und ergänzende Datensätze verwendet, um eine globale Analyse von zwei Ökosystemleistungstypen (Kohlenstoffbindung und Wasserversorgung) durchzuführen. Des Weiteren wurden die durch die “IUCN World Heritage Outlook” erhobenen Daten dazu genutzt, die vollständige Palette der von den Weltnaturerbestätten erbrachten Ökosystemleistungen und Nutzen zu identifizieren. Die Möglichkeiten für die Anwendung von verschiedenen Bewertungsmethoden zu den von den Weltnaturerbestätten erbrachten Ökosystemleistungen wurden durch die Zusammenstellung vorhandener Fallstudien ausgelotet. 

Die Analyse des Kohlenstoffbestands in den Pantropen hat gezeigt, dass die Weltnaturerbestätten in diesen Regionen insgesamt 5,7 Mrd. Tonnen Kohlenstoff an Waldbiomasse beinhalten. Verglichen mit anderen Schutzgebieten in den pantropischen Biomen verfügen die Weltnaturerbestätten auch über eine höhere Dichte an Waldbiomasse, was ihre wichtige Rolle in der Kohlenstoffspeicherung und ihren wichtigen Beitrag zum Klimaschutz nachweist.

Die Analyse der durch die „World Heritage Outlook“ erhobenen Daten hat gezeigt, dass die Weltnaturerbestätten weltweit eine breite Palette von Nutzen erbringen. Die Nutzen, die auf der Ebene der Stätten am häufigsten identifiziert wurden sind „Erholung und Tourismus“ (93% aller Stätten), „Ästhetische Werte“ (93%), „Ressourcen für Wissensaufbau“ (92%), „Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten“ (91%), „Beitrag zur Bildung“ (84%) und „Wildnis und ikonische Werte“ (84%).  Was die Umweltdienstleistungen angeht, hat die Wasserversorgung das höchste Ranking, wobei 66% aller Stätten als wichtig für Wasserversorgung und/oder Wasserqualität anerkannt wurden. Zu den weiteren wichtigen Nutzen, die von etwa der Hälfte aller Stätten erbracht werden, gehören Kohlenstoffbindung, Bodenstabilisierung und Hochwasserschutz (52%, 48% und 45%).

Die Studie „The benefits of natural world heritage“ der IUCN erkennt die besondere Rolle, die Ökosystemleistungen, besonders in Weltnaturerbegebieten, spielen an. Sie zeigt zudem, wie wichtig die stärkere Einbindung von Weltnaturerbestätten in lokale Landnutzungs- und Entwicklungsplanung ist, damit die Stätten ihre maximalen Leistungen erbringen können.

Des Weiteren wurden verschiedene Fallstudien zusammengestellt:

  • Fallstudien, welche die verschiedenen Typen von Ökosystemleistungen und Nutzen hervorheben (z.B. Küstenschutz, naturnaher Tourismus usw.);
  • Fallstudien zur ökonomischen Bewertung, die Beispiele der Bewertung von Ökosystemleistungen beinhalten und verschiedene Bewertungsmethoden präsentieren;
  • Fallstudien zur Governance und zu unterschiedlichen Verwaltungskonzepten mit Bezug auf Ökosystemleistungen.

Messen und bewerten von Ökosystemleistungen in Welterbestätten

Im Rahmen eines zweiten Vorhabens wurde auf Grundlage der mittlerweile breiteren und aktuelleren Datenbasis der Umfang der Untersuchungen von Ökosystemleistungen (ÖSL) von Weltnaturerbestätten erweitert. Dabei wurde der Schwerpunkt auf die Ebene der Welterbestätten gelegt, um ÖSL besser in das Management der Weltnaturerbestätten und die Entscheidungsfindungsprozesse zu integrieren. Im Rahmen des Vorhabens wurden die bereits vorhandenen (für die Bewertung von Ökosystemleistungen entwickelten) Tools und Methoden, sowie deren Anwendbarkeit in Weltnaturerbestätten untersucht. Eine Auswahl von Tools und Methoden, welche für die Anwendung in Weltnaturerbestätten geeignet sind, wurden in einem Leitfaden zusammengefasst, der es mit Hilfe eines Entscheidungsbaums ermöglicht, das am besten geeignete Tool für die Erfassung und Bewertung unterschiedlicher Ökosystemleistungen zu identifizieren. Der Leitfaden wurde von IUCN veröffentlicht: "Tools for measuring, modelling, and valuing ecosystem services - Guidance for Key biodiversity Areas, natural World Heritage sites, and protected areas".

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