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Bundesamt für Naturschutz

BfN Schriften 543 - Leitfaden zur Neugestaltung und Umrüstung von Außenbeleuchtungsanlagen: Anforderungen an eine nachhaltige Außenbeleuchtung

Nächtliche Beleuchtung soll Menschen im öffentlichen Raum Sicherheit vermitteln und vor Unfällen schützen sowie das gesellschaftliche Leben in den Abendstunden fördern. Aber Licht beeinflusst auch unsere Umwelt, denn Lichtimmissionen verändern nicht nur unsere Wahrnehmung der Nachtlandschaft, sie haben auch vielfältige und vor allem negative Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen und nicht zuletzt auf den Menschen. Vergegenwärtigt man sich, dass 60 % aller Insektenarten und immerhin auch 30 % aller Säugetierarten dämmerungs- und/oder nachtaktiv sind, so wird deutlich, dass die Veränderungen der Lichtverhältnisse Auswirkungen auf die biologische Vielfalt nach sich ziehen können. So werden z. B. nachtaktive Schmetterlinge desorientiert und können daher ihrer Funktion als Bestäuber für bestimmte Pflanzenarten nicht nachkommen.
Autor*in
Sibylle Schroer, Benedikt Huggins, Marita Böttcher und Franz Hölker
Herausgeber*in
Bundesamt für Naturschutz
Publikationsjahr
2020
Heft Nr.
543
Sprache
Deutsch
Seiten
94
ISBN
978-3-89624-281-5
DOI
10.19217/skr543

Beschreibung

Nach bisherigem Kenntnisstand ist eine an ökologischen und technischen Gegebenheiten ausgerichtete Lichtplanung in Städten und Kommunen die Ausnahme. Dass Lichtplanung nicht nur in Städten, sondern auch für die Erhaltung unserer Nachtlandschaften in der Normallandschaft erforderlich ist, wird nicht zuletzt daran deutlich, dass die Erhellung der Nachtlandschaften global um 2 – 6 % jährlich zunimmt. Deutschland macht hier keine Ausnahme. So nahm die Beleuchtung der Nachtlandschaft zwischen 2012 und 2016 beispiels-weise in Hamburg um 29 % und in Bayern sogar um 35 % zu. Wie nicht anders zu erwarten, werden auch Schutzgebiete trotz der Einrichtung von Pufferzonen durch künstliches Licht beeinträchtigt, weil z. B. Lichtglocken von Städten über viele Kilometer hin wirksam sind und viele Schutzgebiete wiederum in der Nähe menschlicher Siedlungen liegen.
Doch die Vermeidung oder Verminderung von Beeinträchtigungen durch Licht ist schon heute konstruktiv und kosteneffizient möglich. Dazu soll der vorliegende Leitfaden dienen. Er wendet sich vor allem an Kommunen, Licht-, Landschafts-, Stadt- und Regionalplanerinnen und -planer. Behandelt werden die öffentliche Straßenbeleuchtung, aber auch gewerbliche und private Außenanlagen, insbesondere Lichtwerbung. Im Überblick und auf die praktischen Anforderungen bezogen, werden die Auswirkungen von Lichtimmissionen auf Tiere, Pflanzen und Lebensgemeinschaften sowie auf den Menschen zusammengestellt. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie sich daraus ergebende Anforderungen werden referiert und auf Fehlinterpretationen, z. B. bei der Handhabung der DIN EN 13201, hinge-wiesen. Der Leitfaden schließt mit Handlungsempfehlungen für eine flächendeckende, naturschutzfreundlichere und nachhaltigere Lichtgestaltung. Ich hoffe, dass der Leitfaden weit verbreitet und angewendet wird.

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