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30 Jahre Wiedervernässung im Leegmoor - Von der Torfwüste zum Lebensraum – Können abgetorfte Hochmoore wieder wachsen?


Hochmoor-Spezialist Sonnentau Drosera rotundifolia (© Stefanie Heinze)
Auf der Abbildung ist ein Haoormoorspezialist "Sonnentau" agebildet.

Hintergrund

"Junges" Torfprofil im Leegmoor 2019 (© Holger Brux)
Auf einigen Flächen hat bereits wieder eine Torfneubildung eingesetzt. Über dem schwarzen Torf sieht man den bräunlichen neuen Torf, der in 30 Jahren „gewachsen ist“.

Lebende Hochmoore gehören in Deutschland zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen. Sie sind durch umfangreiche Kultivierungs- und Abtorfungsmaßnahmen seit Mitte des 18. Jahrhunderts auf weniger als 1% ihrer ursprünglichen Verbreitung zurückgedrängt worden.

Auch das Leegmoor im Landkreis Emsland wurde ab 1950 bis auf geringe Reste abgebaut. Solche tiefgründig abgetorften Moore stellen eine große Herausforderung für Revitalisierungsbemühungen dar, weil die Ausgangsbedingungen für die Wiederansiedlung von Moorarten sehr ungünstig sind.

Im Rahmen des Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens (E+E-Vorhaben) „Leegmoor“ wurden die Möglichkeiten der Hochmoorregeneration nach Schwarztorfabbau von 1983 bis 1996 erstmals mit intensiver wissenschaftlicher Begleitung erprobt.


Es konnten damals bereits Erfolge dokumentiert werden. So haben sich in einigen Bereichen Biotoptypen durchgesetzt, die man als Übergangsmoor bezeichnen kann.

Dauerquadrat Nr. 60 - 1988 kurz nach der Wiedervernässung (© Ludger Starmann)
Bei der Vergleichsuntersuchung des Dauerquadrates DQ60 hat sich gezeigt, dass wo einst im Jahre 1988 noch eine Torfwüste war, nach 30 Jahren bis 2019 eine Feuchtheide mit Glockenheide (Erica tetralix) entstanden ist.
Dauerquadrat Nr. 60 - 2019 Wiederansiedlung einer Feuchtheide (© Holger Brux)
Bei der Vergleichsuntersuchung des Dauerquadrates DQ60 hat sich gezeigt, dass wo einst im Jahre 1988 noch eine Torfwüste war, nach 30 Jahren bis 2019 eine Feuchtheide mit Glockenheide (Erica tetralix) entstanden ist.

Das Projekt

Ob die äußeren Bedingungen u.a. vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Nährstoffbelastung langfristig die Weiterentwicklung zu einem durch Regenwasser gespeisten, torfakkumulierenden Hochmoor zulassen, wird jetzt geprüft.


Mobile Wetterstation im Leegmoor(© Mathias Herbst)
Mit einer mobilen Wetterstation misst der Deutsche Wetterdienst in den Jahren 2019 und 2020 die Wetterdaten und vergleicht diese mit den langfristigen Klimadaten.

30 Jahre nach der Wiedervernässung werden die Untersuchungen im Leegmoor aktuell wiederholt, um Entwicklungstendenzen und Erfolgsaussichten für die Hochmoorentwicklung nach einem längeren Zeitraum zu dokumentieren.

Dazu werden in den Jahren 2019 und 2020 auf einer Fläche von etwa 1.600 Meter Länge und ca. 170 Meter Breite Untersuchungen durchgeführt.


Messung des „Moorwasserstandes“ (© Sven Jensen)
Herr Dr. Blankenburg misst den Moorwasserstand mit Hilfe der eingebauten Pegel.

In dem zwei Jahreszyklen umfassenden Forschungsprojekt erfolgt eine systematische Nachkartierung der über 70 angelegten Vegetations-Dauerquadrate. Es werden Wiederholungsuntersuchungen zu Laufkäfern und Webspinnen mit Bodenfallen an den Standorten des Vorgängerprojektes durchgeführt, die beteiligten Wissenschaftler sind in dem Gebiet bereits seit 30 Jahren aktiv. Die Moorwasser-Messstellen bestehen noch und werden in der Nachuntersuchung erfasst. Die Vernässungssituation wird dabei von der Universität Bremen genau untersucht. Mithilfe einer automatischen Wetterstation werden lokale Witterungsdaten durch den Deutschen Wetterdienst erhoben und mit Langzeitdaten gekoppelt, um Prognosen für die mögliche Hochmoorbildung zu berechnen. Als zusätzliche Auswertung wird anhand von bereits vorliegenden Messdaten auch der Treibhausgasausstoß der Versuchsfläche ermittelt, um konkrete Synergien von Moorschutz und Klimaschutz aufzuzeigen.


Tormoosrasen im Leegmoor (© Joachim Blankenburg)
Torfmoose mögen es nass. Im Leegmoor haben sie sich in einigen Bereichen wieder angesiedelt.

Die Nährstoffsituation und der Bodenzustand in dem sogenannten „Armmoor“ – Hochmoore sind von Natur aus nährstoffarm und sauer, so dass sich hier nur an diese Bedingungen angepasste „Spezialisten“ wohlfühlen – wird durch die Universität Oldenburg untersucht.

Der bekannte Sonnentau ist z.B. eine „fleischfressende Pflanze“ und kann seinen Nährstoffbedarf durch den „Verzehr“ von Insekten decken.

Ausblick

Die bisherigen Ergebnisse des Vorhabens geben Hoffnung! Trotz der trockenen Sommer in den Jahren 2018 und 2019 bleibt es in einigen Bereichen nass! Hier haben sich wieder moortypische Torfmoose angesiedelt, welche von Natur aus wie ein Schwamm das Regenwasser lange halten können und so gute Bedingungen für weitere gefährdete Moorarten bieten. Bereiche im Leegmoor, wo Moorarten bisher keine Chance hatten weil z.B. das Wasser zu niedrig steht, geben aber auch Anlass, die Maßnahmen weiter zu optimieren.

Die Ergebnisse sollen die Basis für eine Überarbeitung der Handlungsempfehlungen zur Revitalisierung von Abtorfungsflächen darstellen. Die aus dem Torfabbau hervorgegangenen Revitalisierungsflächen belaufen sich derzeit auf  ca. 15.000 Hektar (ha) alleine in Niedersachsen, bis zum Jahr 2040 wird hier eine Fläche von über 25.000 ha erwartet (vgl. LBEG Niedersachsen ). Die Abbaufläche liegt derzeit bei unter 10.000 ha und wird weiter abnehmen (vgl. Schmatzler 2012 ). Der Torf wird v.a. von der Gartenbauindustrie als Pflanzsubstrat genutzt. Für einen Ausstieg aus dem Torfabbau müssen geeignete Substrat-Ersatzstoffe etabliert werden.

Angelegte Polder im Leegmoor im Winter 2019 (© Joachim Blankenburg)
Die Vernässung des Leegmoores erfolgt wie in intakten Hochmooren nur über das Regenwasser. Durch die Anlage von Poldern wird das Niederschlagswasser auf den Flächen zurückgehalten und Überschusswasser wird über regelbare Überläufe in tiefer liegende Bereiche abgeleitet. Eine aktive Bewässerung findet derzeit nicht statt. Diese technischen Hilfestellungen sind notwendig, da das Moor in der Initial-und Etablierungsphase selbst noch keine Fähigkeit besitzt, dass Wasser selbstständig ausreichend zu speichern. Diese Fähigkeit erlangt es, wenn sich wieder eine neue, grüne Torfschicht gebildet hat.

Laufzeit

12/2018 – 03/2021

Förderprogramm

Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben

Beteiligte Partner

Fachbetreuung im BfN

Stefanie Heinze, FG II 2.1

Weitere Informationen

Letzte Änderung: 31.08.2020

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