Bundesamt für Naturschutz

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Ökosystem-Monitoring – Die Entwicklung unserer Landschaft beobachten


Moorgebiet im bayrischen Alpenvorland (© S. Stenzel)
Auf dem Foto sieht man Wiesen und Niedermoore, dazwischen stehen Hecken und Bäume. Im Hintergrund sind die Voralpen zu sehen.

Hintergrund

Streuobstwiese in Oberfranken (© A. Benzler)
Auf der Abbildung sieht man weiß blühendenden Streuobstbestand.

Unsere Landschaft unterliegt einem stetigen Wandel: Flächenanteile für Siedlungen und Verkehr nehmen zu, land- und forstwirtschaftliche Nutzung verändert sich im Laufe der Jahre bzw. Jahrzehnte, traditionelle Landschaftsstrukturen nehmen ab oder verschwinden und der Klimawandel führt zu Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt. Um die für den Menschen wichtigen und vielfältigen Funktionen der Landschaft zu erhalten, die Nachhaltigkeit der Landnutzung zu unterstützen  sowie die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt zu dokumentieren und zu bewerten, bedarf es systematisch erhobener Flächen zum Zustand und zur Entwicklung der Gesamtlandschaft, der Ökosysteme und der Biotope in bundesweitem Maßstab. Derartige Informationen liegen in der benötigten Form aber bisher nicht vor, obwohl sie für naturschutzpolitische Zwecke, zur Zielerreichung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS), für die Umsetzung der EU-Biodiversitätsstrategie 2020 gebraucht werden.

Das Projekt

Intensiv genutzte Agrarlandschaft in der Wetterau (© A. Benzler)
Man sieht im Vordergrund zwei kurz gemähte, frisch gedüngte Wiesenflächen. Im Hintergrund sieht man eine Siedlungund auf einer kleinen Anhöhe sind zwei Windräder zu erkennen.

Mit dem Ökosystem-Monitoring (ÖSM) soll diese Lücke geschlossen werden. Das BfN arbeitet seit 2015 zusammen mit VertragspartnerInnen intensiv an einer Konzeption für eine stichprobenbasierte, bundesweit repräsentative Dauerbeobachtung der Verbreitung und des Zustandes der Biotope und deren Entwicklungstrends.

Bisherige naturschutzorientierte Monitoringprogramme konzentrieren sich auf naturschutzfachlich wertvolle Gebiete und Arten (-Gruppen).


Das ÖSM wird ergänzend sicherstellen, dass die Entwicklung der Biodiversität der gesamten Ökosysteme in der gesamten Landschaft gemessen wird. Abgebildet werden sollen Zustand und Entwicklung aller Biotoptypen Deutschlands, von Salzgrünland über Brombeergestrüpp bis hin zum Buchenwald und Hochmoor.


Ökosystem-Monitoring live: Kartieren bei Wind und Wetter (© S. Stenzel)
Auf der Abbildung ist eine Person zu sehen, die im feuchten Offenland steht und Biotoptypen kartiert.

Dadurch sollen Fragen beantwortet werden wie: Welche Ökosysteme sind in welchen Regionen wie stark durch Straßen oder Siedlungen zerschnitten, so dass Populationen in ihren Wanderungen, ihrer Ausbreitung, ihrem genetischen Austausch beschränkt werden? Welchen nutzungsbedingten Einflüssen aus der Nachbarschaft sind unsere geschützten Biotope ausgesetzt?  Wie entwickeln sich Grünräume in der Stadt? Der Einfluss von Faktoren wie Landnutzungswandel, zunehmendem Nutzungsdruck, Intensivierung der Landwirtschaft oder dem Klimawandel soll zukünftig  für die Gesamtlandschaft Deutschlands dokumentiert und bewertet werden.


Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie und eines abgeschlossenen Forschungsvorhabens (ÖSM-I) wurde das Konzept zum ÖSM erarbeitet und erprobt. Dabei wurde eine Kartieranleitung zur Erfassung der Biotoptypen erstellt, inklusive eines ÖSM-Übersetzers für die verschiedenen Biotoptypenschlüssel der Bundesländer.


Buchenwald auf Rügen (© S. Stenzel)
Man sieht einen leicht abfallenden Hang hinunter, inmitten eines alten bodensauren Buchenwaldes. Direkt auf dem Boden wachsen jedoch viele saftige grüne Gräser und Kräuter.

Um diese Informationen bereitzustellen werden im ÖSM alle Biotoptypen auf den bundesweit repräsentativen Stichprobenflächen erfasst. Dieses Stichprobennetz besteht aus 1000 bzw. 2637 jeweils 1km² großen quadratischen Probenflächen, die nach bestimmten Kriterien über Deutschland verteilt sind. Andere Monitoringprogramme (HNV-Farmland Monitoring, Monitoring häufiger Brutvögel) werden bereits auf diesem Stichprobennetz durchgeführt.


Rapsfelder auf der Mecklenburgischen Seenplatte (© S. Stenzel)
Man sieht ein großes Rapsfeld in voller gelber Blüte. Die klein erscheinenden Bäume am Ende des Feldes am Horizont lassen erahnen, wie riesig dieses Feld ist.

Auch eine praktische Software für die digitale Eingabe der Kartierdaten wurde entwickelt. Methoden und Werkzeuge wurden bereits auf 200 in ganz Deutschland verteilten Stichprobenflächen erprobt und anschließend optimiert.

Im aktuellen Projekt (ÖSM-II) werden 200 weitere Stichprobenflächen einer Region Deutschlands (Kontinentales Tiefland) bearbeitet. In Süddeutschland wird der ÖSM-Alpenbiotoptypenschlüssel erprobt. Das Vorhaben umfasst neben der Planung und Durchführung dieser Kartierungen auch die Auswertung und Aufbereitung der Ergebnisse, die Optimierung und Weiterentwicklung der Methoden sowie die Prüfung von Synergien mit anderen Monitoringprogrammen.

Ausblick

Zum Abschluss des laufenden Vorhabens wird ein finales Konzept zur langfristigen Durchführung des Ökosystem-Monitorings bereitstehen. Am Beispiel der aktuell bearbeiteten Region kann exemplarisch das Potenzial von Auswertungen und Bewertungen des Zustandes von Ökosystemen aufgezeigt werden.
Zukünftig soll das ÖSM als Teil des umfassenden bundesweiten Biodiversitätsmonitorings regelmäßig durchgeführt werden und so dringend benötigte Daten zu Zustand und Veränderungen unserer Landschaft bereitstellen.

Extensivacker in der Nordeifel (© S. Stenzel)
Man sieht einen extensiv bewirtschafteten Acker. Zahlreiche rote Mohnblumen leuchten zwischen dem Korn auf, auch Wicken und andere Kräuter sind zu erkennen.

Publikationen/weiterführende Links

Ökosystem-Monitoring

Der Abschlussbericht zum ÖSM-I wird in Kürze in den BfN-Skripten veröffentlicht.

Laufzeit

ÖSM-II: 2020 - 2023
ÖSM-I: 2016 - 2019
Machbarkeitsstudie ÖSM: 2015

Förderprogramm

Forschungs- und Entwicklungsvorhaben

Beteiligte Partner

  • IP SYSCON GmbH

  • Dipl. Ing. Peter Lauser

  • Dipl. Biol. Albert Lang – Naturschutz und Mediation

Fachbetreuung im BfN

Dr. Stefanie Stenzel, FG II 1.3

Letzte Änderung: 26.05.2020

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