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High Nature Value Farmland-Indikator - Ein Indikator für Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert in Deutschland

Hintergrund

Etwa die Hälfte der Fläche der Bundesrepublik Deutschland wird landwirtschaftlich genutzt. Die Landwirtschaft hat damit einen großen Einfluss auf die Entwicklung der biologischen Vielfalt und die Erhaltung von Tier- und Pflanzenarten des Offenlandes. Die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft hat seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts dazu geführt, dass vielfältig und extensiv genutzte Flächen und die damit verbundene Artenvielfalt einem drastischen Rückgang unterworfen sind. „Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert“ (high nature value farmland; HNV-Farmland) sind z.B. artenreiches Magergrünland, extensiv bewirtschaftete Äcker oder Weinberge sowie Brachen. Sie verfügen in der Regel nicht nur über eine höhere Artenvielfalt, sondern beherbergen auch seltene und spezialisierte Tier- und Pflanzenarten, welche in der intensiv genutzten Agrarlandschaft keine Überlebenschancen mehr haben. Auch Landschaftselemente wie Gräben, Feldgehölze oder Trockenmauern, die die Agrarlandschaft strukturieren und zusätzliche Lebensräume für viele Arten bieten, werden zur den Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert gezählt. Im Sinne des Erhalts und der Wiederherstellung der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft ist es von großer Bedeutung, mit Hilfe von Förderinstrumenten Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert zu erhalten bzw. weiterzuentwickeln. Um Erfolge und Misserfolge bei den Anstrengungen zur Verbesserung der Umweltsituation in der Landwirtschaft, die von den Ländern, dem Bund und der Europäischen Union unternommen werden, sichtbar zu machen, ist ein Instrumentarium nötig, welches die Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert erfassen und deren Entwicklung über die Zeit beobachten kann.


Im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik der EU wurde daher mit Beginn der Förderperiode 2007/2013 der High Nature Value Farmland Indicator (HNV-Farmland-Indikator) als einer von 35 EU-Indikatoren zur Integration von Umweltbelangen in die gemeinsame Agrarpolitik in das entsprechende Indikatorenset aufgenommen. In der Folge verständigten sich Bund und Länder darauf, zur Unterfütterung dieses berichtspflichtigen Indikators einen schlanken, stichprobenbasierten Ansatz für ein deutschlandweit einheitliches HNV Farmland-Monitoring zu verwenden.

Der HNV-Farmland-Indikator ist inzwischen auf nationaler Ebene in das Indikatorenset der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt und in den Pflanzenschutzindex (PIX) im Nationalen Aktionsplan Pflanzenschutz integriert. Auf Länderebene ist er Teil des Indikatorensets der Länderinitiative Kernindikatoren (LIKI).

Seit 2009 zeigt er die Entwicklung der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft auf Bundes- und auf Länderebene sowohl als Gesamtindikator als auch differenziert in die einzelnen Vegetations-, Struktur- und Nutzungstypen auf.

Konzeption und Methodik

Konzeptionelle Grundlage für das HNV-Farmland-Monitoring bildet das Set bundesweit repräsentativer Stichprobenflächen, welches auch für das Monitoring der häufigen Brutvögel vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) verwendet wird. Die Erhebungs- und Hochrechnungsmethodik wurde vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Abstimmung mit den Länderfachbehörden, dem Bundesumweltministerium, dem Bundeslandwirtschaftsministerium, dem Thünen-Insititut und dem Julius-Kühn-Institut entwickelt. Im Rahmen des HNV-Farmland-Monitorings werden deutschlandweit ca. 1700 Stichprobenflächen in einem Vierjahreszeitraum regelmäßig untersucht. Die Bundesländer beauftragen erfahrene Kartierbüros mit der Erfassung aller HNV-Elemente innerhalb der Stichprobenflächen. Das sind alle Offenlandstrukturen innerhalb der Agrarlandschaft, welche eine hohe Arten- oder Strukturvielfalt aufweisen. Dazu gehören extensiv bewirtschaftete Nutzflächen ebenso wie Landschafts- und Strukturelemente. Alle genannten Typen werden einer standardisierten Bewertung unterzogen. Wenn sie die HNV-Farmland-Kriterien erfüllen, werden sie flächenscharf erfasst und einer von drei möglichen Qualitätsstufen zugeordnet. Zur Bewertung von Grünland, Ackerland, Brachen und Weinbergen wird das Auftreten bestimmter Pflanzenarten verwendet. Diese sogenannten Kenntaxa stellen Indikatoren für eine gewisse Mindestvielfalt bzw. extensive Nutzung dar und können einzelne Arten, Gruppen von Arten oder alle auftretenden Arten einer Pflanzengattung sein. Für das Grünland liegen aufgrund seiner regional unterschiedlichen Ausprägung nach Regionen differenzierte Kenntaxalisten vor. Entscheidend für die Bewertung ist die Anzahl gefundener Kenntaxa innerhalb eines definierten und standardisierten Transekts in der betreffenden Nutzfläche.  Bei den Landschafts- und Strukturelementen finden  typspezifisch definierte Kriterien der Arten- bzw. Strukturvielfalt für die Qualitätsbewertung Anwendung. Alle FFH-Lebensraumtypen (LRT) und gesetzlich geschützten Biotope stellen, soweit sie als Bestandteile der Agrarlandschaft aufgefasst werden, ebenfalls HNV-Farmland dar und werden analog der Einstufung des Erhaltungszustands bei FFH-Lebensraumtypen bewertet. 

Nutzungs- und Biotoptypen der Agrarlandschaft, welche im Rahmen des HNV-Farmland-Monitorings bewertet werden:

Flächentypen

Grünland

Obstflächen

Ackerflächen

Rebflächen

Brachflächen

Sonstige Lebensräume des Offenlandes (ges. gesch. Biotope, LRT)

Landschaftselemente

Baumreihen, Baumgruppen, Einzelbäume

Hecken, Gebüsche, Feldgehölze inkl. Gehölzsäume

Komplex-Elemente wie Feldraine und Böschungen mit Gehölzen

Naturstein- und andere Trockenmauern sowie Stein- und Felsriegel, Sand-, Lehm- und Lößwände

Ruderal- und Staudenfluren sowie Säume, inkl. Hochgrasbestände

Feuchtgebietselemente: Seggenriede, Röhrichte und Staudenfluren nasser Standorte

Stehende Gewässer bis 1 ha Größe

Gräben

Bäche und Quellen

Unbefestigte Feldwege / Hohlwege


Die Differenzierung in Qualitätsstufen erlaubt es, neben rein quantitativen Ergebnissen auch Informationen über den qualitativen Zustand der HNV-Farmland-Elemente bzw. Qualitätsveränderungen innerhalb der HNV-Farmland-Kulisse zu erhalten. Es werden für alle HNV-Typen drei Qualitätsstufen unterschieden: 

HNV   I

äußerst hoher Naturwert

HNV  II

sehr hoher Naturwert

HNV III

mäßig hoher Naturwert

Im Jahr 2009 erfolgte die erste deutschlandweite Ersterhebung, die gemeinsam von Bund und Ländern finanziert wurde. Seither wird jährlich etwa ein Viertel der Stichprobenflächen in den Bundesländern kartiert, in einzelnen Ländern erfolgt alle zwei Jahre die Kartierung der Hälfte der Stichprobenkulisse. Insgesamt wird so die gesamte Stichprobenkulisse alle vier Jahre einmal vollständig kartiert. Die HNV-Farmland-Daten aus Nordrhein-Westfalen werden mit Hilfe eines eigens dafür entwickelten Umrechners aus den Daten der ÖFS, die dort ebenfalls innerhalb des Stichprobensets erhoben werden, in den Bundesdatensatz überführt.

Die Hochrechnung erfolgt auf Bundes- und auf Länderebene unter Berücksichtigung der Schichtung, die der Stichprobenziehung zugrunde liegt. Zwei Schichtungsmerkmale wurden bei der Stichprobenziehung verwendet, die Bodenbedeckung (6 Klassen) und die standörtliche Gliederung nach Standorttypen (21 Klassen). Die Indikatorwerte werden als „gleitende Mittelwerte“ hochgerechnet. Dabei wird immer die gesamte Stichprobenkulisse zum Stichjahr mit den jeweils aktuellsten Kartierungsständen herangezogen. Diese Vorgehensweise erlaubt die Berichterstattung für den Indikator auf Bundesebene im Jahresrhythmus, auf Ebene der einzelnen Bundesländer je nach deren Kartierrhythmus jährlich oder alle zwei Jahre.

Um eine gleichbleibend hohe Qualität der Datenerhebung zu sichern und um die Einheitlichkeit der Bewertung über ganz Deutschland zu erhalten, führt das BfN ein aufwändiges Qualitätsmanagement durch. Dazu gehören jährlich wiederkehrende Kartierschulungen, eine technisch/fachliche Prüfung aller Erhebungsdaten sowie der visuelle Abgleich der Daten mit aktuellen Luftbildern. So können deutschlandweit einheitliche Bedingungen bei den Kartierungen gewährleistet, systematische Abweichungen minimiert und methodenbedingte Schwankungen gering gehalten werden. Zum Qualitätsmanagement gehören noch weitere Maßnahmen wie z.B. eine feste Anzahl jährlicher Kontrollkartierungen zur Überprüfung der Kartierqualität. 

Hochrechnung und Berechnung der Stichprobenfehlers folgen den Empfehlungen eines Gutachtens (barrierefreie pdf-Datei, 150 KB), welches von Prof. Dr. emerit. Saborowski von der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie (Abt. Ökoinformatik, Biometrie und Waldwachstum) der Georg-August-Universität Göttingen erstellt worden war.

Alle Schritte werden von einem jährlich zusammentreffenden Bund-/Länder-Fachgremium begleitet, um ggf. auftretende methodische Probleme diskutieren zu können und Erfahrungen auszutauschen. Die Koordination erfolgt durch das BfN.

Die Indikatorwerte werden als Anteil der Landwirtschaftsfläche mit hohem Naturwert an der gesamten Agrarlandschaftsfläche dargestellt. Unter Agrarlandschaftsfläche wird dabei die Summe der Nutzflächen und der für die landwirtschaftlich genutzte Landschaft typischen Strukturelemente verstanden. Sie stellt die Referenzfläche für Bund und Länder dar.

Methodische Optimierung

Bis zum Jahr 2018 wurde die Referenzfläche aus den passenden Objektarten des Basis-DLM errechnet. Diese Vorgehensweise war insofern unbefriedigend, dass nicht alle Objektarten immer eindeutig einer der beiden Kategorien „Agrarlandschaftsfläche“ bzw. der Ausschlussfläche, der sog. „Nichtkartierfläche“ zugeordnet werden können. Außerdem ist die Aktualität der Daten regional sehr unterschiedlich ausgeprägt und die Zeitspanne bis zur Aktualisierung der betreffenden Objektarten ist teilweise ausgesprochen groß. Darüber hinaus führte eine zwischenzeitlich vollzogene Änderung des Datenmodells beim Basis-DLM dazu, dass die ursprünglich verwendete Objektartenkombination für eine anstehende Aktualisierung nicht mehr vollständig reproduzierbar war. Daher wurde entschieden, nicht nur die Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert sondern auch die Agrarlandschaftsfläche innerhalb der Stichprobenkulisse zu erfassen und entsprechend hochzurechnen. Dies erforderte wiederum den Austausch des bisher verwendeten, eigens entwickelten Hochrechnungsalgorithmus, welcher die Agrarlandschaftsfläche als Eingangsvariable benötigt, durch den kombinierten Verhältnisschätzer nach Cochran, der im o.g. Gutachten als Option für die Hochrechnung genannt wird.

Diese methodischen Verbesserungen führen dazu, dass die Agrarlandschaftsfläche bzw. die Nichtkartierfläche in den Stichprobenflächen eindeutig bestimmt werden kann und damit eine systematische Unter- oder Überschätzung, wie im Fall der o.g. nicht eindeutig zuzuordnenden Objektarten des Basis-DLM zukünftig ausgeschlossen wird. Auch können so räumliche Veränderungen in der Agrarlandschaftsfläche, z.B. durch die Ausweisung von Baugebieten, wesentlich schneller nachvollzogen werden, als bisher, was zusammengenommen sowohl zu einer höheren Präzision als auch einer höheren Aktualität der Indikatorwerte beiträgt.

Die bundesweit repräsentativen Stichprobenflächen sind als eine sog. Grundstichprobe mit 1.000 Stichprobenflächen und als Erweiterungsstichprobe mit zusätzlichen 1637 Stichprobenflächen realisiert. Die Erweiterungsstichprobe unterliegt einem zusätzlichen Schichtungskriterium, dem geographischen Länderzuschnitt. Die Erweiterungsstichprobe bietet daher ein zusätzliches Potenzial insbesondere für Auswertungen auf Länderebene. Im Laufe der Verbesserung und Weiterentwicklung des HNV-Farmland-Monitorings in Deutschland sind die Bundesländer daher zunehmend dazu übergegangen, die jeweilige Erweiterungsstichprobe für ihr Land zu bearbeiten. Um die Vergleichbarkeit der Wertereihen von 2009 bis zum jeweiligen Betrachtungszeitpunkt zu gewährleisten, gingen die aus den zusätzlichen Stichprobenflächen erhaltenen Daten bis 2018 nicht in die Hochrechnungen ein. Die o.g. Umstellung bietet nun auch die Gelegenheit, die Vertiefungsstichprobe in denjenigen Bundesländern, die diese seit langem erheben, in die Hochrechnungen einzubeziehen. Dafür wurde landesspezifisch die langjährige Parallelität der Wertekurven ohne und unter Einbeziehung des Vertiefungsprogramms geprüft und ein Kalibrierungsfaktor für die Werteberechnung vor Einführung des Vertiefungsprogramms ermittelt.

Zusammengefasst ergeben sich also folgende Modifikationen bei der Hochrechnung der Werte des HNV-Farmland-Indikators:

   1.  Abkehr von der aus bestimmten Objektarten des Basis-DLM berechneten Bezugsfläche (Agrarlandschaftsfläche), hin zur in den Stichprobenflächen erfassten Agrarlandschaftsfläche

   2.  Änderung des Hochrechnungsalgorithmus

   3.  Einbezug der Vertiefungsstichprobe in die Hochrechnungen bei denjenigen Ländern, die diese schon seit längerem erheben und beim Bund.

Seit dem Jahr 2019 werden nur noch die nach verbesserter Methodik berechneten Werte berichtet. Das gilt auch für die Werte aus der Vergangenheit. Daher unterscheiden sich die aktuell berichteten Wertereihen von den früher berichteten.

Ergebnisse

Mit Stand von März 2021 liegen die Datenreihen der Gesamtkartierung 2009, der beiden Folgekartierungen 2010 bis 2013 und 2014 bis 2017 vollständig sowie der dritten Folgekartierung mit den Jahren 2018 bis 2020 vor. Daraus ergeben sich für die nationale Ebene die folgenden, aus der Gesamtstichprobe hochgerechneten Werte (Anteil HNV-Farmland an der Landwirtschaftsfläche in Prozent und Absolutwerte in ha, alle Werte nach der verbesserten Methodik gerechnet): 


Jahr

Indikatorwert

Stpr. -Fehler

Größe in ha

2009

13,9%

±0,6%

2.670.568

2011

13,2%

±0,5%

2.546.659

2012

13,1%

±0,5%

2.516.162

2013

12,4%

±0,5%

2.384.084

2014

12,3%

±0,5%

2.372.899

2015

12,7%

±0,5%

2.437.029

2016

13,1%

±0,5%

2.514.195

2017

13,1%

±0,5%

2.525.209

2018

13,1%

±0,5%

2.518.744

2019

13,3%

±0,5%

2.553.933

2020

13,3%

±0,5%

2.546.129

Für 2010 wurden keine Hochrechnungen durchgeführt, weil die Aktualisierungsrate der Stichprobenflächen zu gering war.


Der HNV-Farmland-Anteil verteilt sich auf die drei Qualitätsstufen, wie folgt:

Balkendiagramm mit Gesamtwerten für HNV-Agrarlandschaftsfläche

Der Gesamtwert hat auf Bundesebene, insbesondere von 2009 bis 2013 sehr deutlich abgenommen. Ab 2015 kam es zu einem allmählichen Anstieg. Dieser ist lediglich in den beiden höheren Qualitätsstufen zu erkennen, während die unterste Qualitätsstufe nach starkem Rückgang auf einem niedrigen Niveau verharrt.

Eine Betrachtung der einzelnen HNV-Farmland-Typen ergibt, dass der anfängliche Verlust an HNV-Farmland-Flächen vor allem auf Qualitätsverschlechterungen oder Rückgang bei Grünland, Acker und Brachen zurückzuführen ist, während bei den Landschaftselementen keine nennenswerten Veränderungen auftraten. Bei der Erholung ab 2015 überkompensiert insbesondere die Zunahme bei den Landschaftselemente den vorherigen Verlust. Die Nutzflächen verharren mit Ausnahme des Grünlandes weitgehend auf dem niedrigen Niveau, auf das sie anfänglich gefallen sind. Der anfänglich beobachtete Intensivierungsschub kehrt sich also auf den Ackerflächen und Brachen bisher nicht um. Beim Grünland sind divergierende Trends festzustellen. Während das hochwertigere Grünland der Qualitätsstufen I und II einen positiven Trend über die 9 dargestellten Jahre aufweist, verbleibt das Grünland der Qualitätsstufe III, welches in absoluten Werten den größten Anteil am HNV-Grünland und aller HNV-Typen darstellt,  nach der anfänglichen starken Abnahme auf dem erreichten niedrigen Niveau. Die Hochrechnungsergebnisse aller  Betrachtungsjahre sind hier abrufbar.

Es ist zu beachten, dass die Daten die Situation auf Bundesebene abbilden. Auf der Ebene der Bundesländer bietet sich, was die Trends betrifft, ein sehr unterschiedliches Bild. 

Fazit

Es hat sich gezeigt, dass der HNV-Farmland-Indikator auf ökonomische Weise solide Daten zum Zustand und zur Entwicklung der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft liefert, die wichtige Beiträge zur Evaluierung der europäischen Agrarpolitik leisten können und die Effizienz von Agrarumweltmaßnahmen und Vertragsnaturschutz in Deutschland auf den Prüfstand stellen. 

Das Konzept bietet darüber hinaus jedoch weiteres Potenzial, da die Daten einen differenzierteren Blick auf einzelne Typen und sogar qualitative Verschiebungen innerhalb einzelner HNV-Typen ermöglichen. So ist nicht nur die Beobachtung der quantitativen Entwicklung von HNV-Grünland, Hecken etc möglich, sondern es lassen sich auch qualitative Veränderungen innerhalb der einzelnen HNV-Typen feststellen, indem deren Entwicklung getrennt nach den einzelnen Qualitätsstufen betrachtet wird. Diese Auswertungsmöglichkeiten stoßen lediglich in denjenigen Fällen an Grenzen, in denen seltenere HNV-Farmland-Typen über das Stichprobenverfahren nicht in ausreichender Zahl erfasst werden können und damit die statistische Aussagekraft leidet. Diese Auswertung gewinnt an Bedeutung, da inzwischen 11 der 13 beteiligten Bundesländer ihre Stichprobe verdichtet haben und damit bundesweit ca. 1700 Stichprobenflächen im Beobachtungsprogramm enthalten sind. Von der Verdichtung der Stichprobenkulisse profitieren Bund und Länder gleichermaßen, weil sich zum einen v.a. für die Länder die Auswertungsmöglichkeiten erweitern und zum andern die sich verkleinernden Stichprobenfehler eine frühzeitigere Identifizierung von Trends erleichtern.  

Auch die Korrelation der HNV-Farmland-Daten mit anderen Datensätzen ist möglich und wird in verschiedenen Forschungsvorhaben bereits getestet.

Das HNV-Farmland-Monitoring bietet somit eine wertvolle Datenbasis und viel Potenzial für die verschiedensten Forschungsansätze und Fragen zur biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft.

Literatur

Benzler A. & Fuchs D. (2018): Biodiversität in der Agrarlandschaft: erstmals ein Stopp des Rückgangs? Natur und Landschaft 93(9/10), 470 - 471.

Hünig C. & Benzler A. (2017): Das Monitoring der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert in Deutschland. - BfN-Skripten 476, 40 S. u. Anhänge. (barrierefreie pdf-Datei, 6,2 MB)

Benzler A., Fuchs D. (2016): Mapping HNV Farmland in Germany from 2009-2015 - The European Network for Rural Development (ENRD) - European Commission. Rural Evaluation Helpdesk, 2016: 1 – 3. ((https://​enrd.ec.europa.eu​))

Benzler A., Fuchs D. & Hünig C. (2015): Methodik und erste Ergebnisse des Monitorings der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert in Deutschland. Beleg für aktuelle Biodiversitätsverluste in der Agrarlandschaft. - Natur und Landschaft 90 (7): 309 - 316.

Benzler A. (2012): Measuring extent and quality of HNV farmland in Germany. - In: Oppermann R., Beaufoy G., Jones G. (Eds.): High Nature Value Farming in Europe. S. 507 - 510. - Ubstadt-Weiher (Verlag Regionalkultur).

Benzler A. (2009): The implementation of the HNV farmland indicator in Germany. - Rural Evaluation News 2: 4 - 5.

 

Kontakt

Für weitere Fragen:

Armin Benzler

Downloads

Definition, Identification and Monitoring of HNV-Farmland in Germany (Conference "High Nature Value Farmland in Europe", 14.-18.06.10) : 24 S. (pdf-Datei, 4,19 MB)

Tagungsbericht Fachtagung "10 Jahre HNV-Farmland-Monitoring" am 13. September 2018 in Erfurt : 7 S. (barrierefreie pdf-Datei, 7 MB)

Gutachten zur Hochrechnungsmethode : 17 S. (barrierefrei pdf-Datei, 190 KB)

Erfassungsanleitung für das HNV-Farmland-Monitoring : 58 S. (barrierefrei pdf-Datei, 1,88 MB)

Synopse der Grünlandkennarten : 2 S. (barrierefreie pdf-Datei, 1,78 MB)

Kennarten der Acker- und Weinbergsflächen : 1 S. (barrierefreie pdf-Datei, 20 KB)

Das Monitoring der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert in Deutschland. BfN-Skripten 476: 48 S. (barrierefreie pdf-Datei, 6,2 MB)

Hochrechnungsergebnisse HNV-Farmland-Indikator 2009-2020 : 1 S. (barrierefreie pdf-Datei, 1,4 MB)

Letzte Änderung: 06.04.2021

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