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Bundesamt für Naturschutz

Ein Aktionsplan für den Kleinabendsegler

Nationales Artenhilfsprogramm
Arten
Gebiete und Lebensräume
Monitoring
Ziel des Projekts ist es, die Verbreitung und Populationsstruktur des Kleinabendseglers besser zu erforschen. Auf Grundlage der Ergebnisse wird ein Arten-Aktionsplan mit Schutz- und Förderungsmaßnahmen in Sommer-, Paarungs- und Wintergebieten sowie auf den Zugstrecken erstellt.
Programm
Nationales Artenhilfsprogramm
Bundesland
Baden-Württemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen
Laufzeit
bis
Förderkennzeichen
3522151200
Finanzvolumen (Bundesmittel)
835.064 Euro
Ein Kleinabendsegler (Nyctalus leisleri) im Flug, aufgenommen von vorne rechts. Die Flügel befinden sich über der Horizontalen und bilden annähernd ein „V“, wodurch im Gegenlicht die Fingerknochen des rechten Flügels, welche die Flughaut aufspannen, gut zu erkennen sind. Der Mund ist weit geöffnet, was auf die aktive Echoortung hinweist.
Kleinabendsegler im Flug. Im Gegenlicht sind die Fingerknochen gut zu sehen.

Beschreibung

Hintergrund

Der Kleinabendsegler (Nyctalus leisleri) ist eine in Deutschland seltene Fledermausart (Meinig et al. 2020), die im offenen Luftraum jagt und saisonal über weite Strecken migriert. Eine besondere Gefährdung geht für diese Art daher von Windenergieanlangen aus. In einigen Bundesländern gilt der Kleinabendsegler als ‚gefährdet‘ oder gar ‚stark gefährdet‘ (Meinig et al. 2020). Die Datenlage zur Biologie, Verbreitung und Populationsgrößen ist allerdings ungenügend, um einen kurz- oder langfristigen Bestandstrend zu schätzen oder eine nationale Rote-Liste-Kategorie zu vergeben. Aufgrund dieser Wissenslücken ist es aktuell schwierig ein geeignetes Schutzprogramm zu entwickeln. In dem Anfang 2023 gestarteten Vorlaufvorhaben im nationalen Artenhilfsprogramm werden daher zunächst Kenntnislücken zur Ökologie des Kleinabendseglers durch Forschungen gefüllt und dann auf dieser Basis ein Arten-Aktionsplan für den Kleinabendsegler erarbeitet.

Projekt

Ziel des Projektes ist es, die Verbreitung und Populationsstruktur der Sommer-, Herbst- und Winterpopulationen des Kleinabendseglers in Deutschland sowie die saisonalen Zugbewegungen besser zu verstehen. Folgende Fragestellungen werden bearbeitet: 

  • Verbreitung des Kleinabendseglers: Es werden Verbreitungs- bzw. Vorkommensdaten z.B. aus Länderdatenbanken und Gutachten zusammengetragen. Außerdem werden Kastenkontrollen im Winter durchgeführt, um die Winterverbreitung der Art weiter zu erforschen. Anhand der gewonnenen Daten werden Verbreitungsmodelle entwickelt.
  • Genetische Strukturanalysen: Da die Verbreitung alleine noch nichts über Populationsstrukturen und -beziehungen aussagt, soll eine genetische Strukturanalyse durchgeführt werden. Dazu werden genetische Proben aus Wochenstuben, Paarungs- und Überwinterungsgesellschaften in Deutschland und Südeuropa analysiert.
  • Entwicklung eines Populationsmonitorings und Analyse von Bestandstrends: Als Voraussetzung für eine valide Schätzung von Bestandstrends soll ein funktionierendes Populationsmonitoring erarbeitet werden. Dazu werden Tiere in mehreren Kastengebieten mit Wochenstuben- bzw. Überwinterungskolonien beringt und die Kästen anschließend über mehrere Jahre hinweg kontrolliert. Anhand von Fang-Wiederfang-Analysen werden Überlebensraten, Bestandstrends und Populationsgrößen berechnet und auf dieser Basis ein geeignetes Monitoring-Schema entwickelt.
  • Habitatstruktur: Anhand von Habitatstrukturanalysen in Wochenstubengebieten werden kleinräumig wichtige Habitatparameter im Umfeld von Baumquartieren ermittelt. Die Kenntnis dieser Parameter ist die Voraussetzung zur Umsetzung von geeigneten Schutzmaßnahmen in Wäldern.
  • Zugbewegungen: Die Zugrouten und das Zugverhalten des Kleinabendseglers sind bisher kaum bekannt. Diese Kenntnislücken erschweren den Schutz des Kleinabendseglers. Zur Analyse der genauen Zugbewegungen werden erstmals neuartige Sender eingesetzt, die zwar nur eine ungefähre Positionsbestimmung ermöglichen, dafür aber die Positionen potentiell über mehrere Wochen hinweg über das Mobilfunknetz senden. Im Spätsommer werden Kleinabendsegler vor dem Wegzug aus Wochenstubengebieten sowie im Frühling vor dem Rückzug aus den Überwinterungsgebieten besendert.

Ausblick

Die Ergebnisse dieser verschiedenen Analysen werden genutzt, um in einem Arten-Aktionsplan Schutz- und Förderungsmaßnahmen für den Kleinabendsegler in Sommer-, Paarungs- und Überwinterungshabitaten sowie auf den Zugstrecken zu erarbeiten. Damit werden Grundlagen für Umsetzungsvorhaben im nationalen Artenhilfsprogramm gelegt. Die Ergebnisse werden veröffentlicht und projektbegleitend in einem Film visualisiert, in dem die Lebensweise des Kleinabendseglers porträtiert und über den Aktionsplan und die Schutzmaßnahmen informiert wird.

Projektleitung

Freiburger Institut für angewandte Tierökologie GmbH (FrInaT), Nachtaktiv Biologen für Fledermauskunde GbR, Institut für Tierökologie und Naturbildung, Universität Greifswald, Seq-IT, Oikostat, BioAcousticsNetwork - Jens Koblitz

Kontakt

Programmbüro Nationales Artenhilfsprogramm
0228 3821-1809
Heinrich-Konen-Str.1, 53227 Bonn
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