Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Management von Großraubtieren in Deutschland

Neue Studie zeigt geeignete Lebensräume für Wölfe

Die neu erschienene Studie „Habitatmodellierung und Abschätzung der potenziellen Anzahl von Wolfsterritorien in Deutschland“ zeigt, dass es in Deutschland prinzipiell viele für Wölfe geeignete Lebensräume gibt (Hintergrundpapier). Schon nach derzeitigem Kenntnisstand muss damit gerechnet werden, dass Wölfe darüber hinaus auch die weiteren Gebiete durchwandern. Der Förderung und Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen kommt daher eine maßgebliche Rolle zu, um Nutztierübergriffe dauerhaft zu reduzieren. Daher wird die frühzeitige Umsetzung effektiver Herdenschutzmaßnahmen durch Weidetierhaltende auch für solche Gebiete empfohlen, in denen bislang noch keine Wolfsterritorien vorhanden sind (s. BfN-Skript 530).

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie können den für das Wolfsmanagement zuständigen Behörden und Institutionen des Bundes und der Länder die notwendigen Informationen liefern, um eine vorausschauende Anpassung ihrer Managementmaßnahmen zu ermöglichen. Darüber hinaus ermöglichen sie einen Überblick, in welchen Gebieten nach aktuellem Wissensstand potenziell mit Vorkommen des Wolfes in Deutschland zu rechnen ist. 

Weiterführende Informationen sind dem Hintergrundpapier (s. Downloads) zu entnehmen.

 


Abb. 1 Darstellung nach BfN-Skript 556

Die Karte zeigt die zusammengeführten Ergebnisse der Habitatmodellierung in Anlehnung an das BfN-Skript 556. Je dunkler eine Zelle gefärbt ist, desto häufiger wurde die jeweilige Zelle (10x10 km) als Bestandteil eines möglichen Wolfsterritoriums identifiziert und desto höher ist die potentielle Eignung für eine Etablierung von Wolfsterritorien. Für jedes der beiden Modelle ‚Mittelwert – Standardabweichung (Mittelwert-SD)‘ und ‚95% Konfidenzintervall (KI95)´ wurden je zwei Modellierverfahren angewendet (MaxEnt und GLMM). Das Modell ‚Mittelwert-SD‘ ist durch zwei Blautöne und das Modell ‚KI95´ durch zwei Türkistöne dargestellt. Bei Zellen mit der jeweils dunkleren Farbe stimmen die Ergebnisse der Modellierverfahren (MaxEnt/ GLMM) für ein Modell überein. 

Die Modelle ‚Mittelwert-SD‘ berücksichtigen einen Schwellenwert, der einen Fehler von bis zu 16% der vorhergesagten Territorien zulässt. Die ‚KI95´-Modelle berücksichtigen einen Fehler von 2,5% der vorhergesagten Territorien. Der Schwellenwert wurde anhand eines Teildatensatzes der Territorien des Monitoringjahrs 2018/2019 ermittelt. Weiße Bereiche zeigen die Gebiete an, die nicht als potenziell geeignetes Wolfsterritorium identifiziert wurden. Zusätzlich angegeben sind als weiße Kreise mit schwarzem Punkt die 144 nachgewiesenen Wolfsterritorien aus dem Monitoringjahr 2018/2019 (Stand 30.01.2020) dargestellt (Quelle: BfN-Skript 556).

Rückkehr und Wiederausbreitung in Deutschland

Wolf (Canis lupus)
© Anders
Wolf von vorne, direkt in die Kamera blickend

Seit einigen Jahren sind Wolf und Luchs in Deutschland wieder heimisch und auch mit der Zuwanderung einzelner Braunbären aus dem Alpenraum kann aktuell gerechnet werden. Wölfe sind aus Ostpolen nach Deutschland eingewandert und mittlerweile in mehreren nordöstlichen Regionen ansässig. Einzelne Wölfe können weit wandern und auch in weit entfernten Gebieten auftauchen. Die heutigen Luchspopulationen in Deutschland gehen auf verschiedene nationale und internationale Wiederansiedlungsprojekte zurück. Aktuell haben sich zwei isolierte Populationen in der Region des Harzes und des Bayerischen Waldes etabliert.

Die Zuständigkeit für das Management von Großraubtieren liegt bei den Fach- und Vollzugsbehörden in den Bundesländern. Die einzelnen Managementpläne können bei den Umweltministerien der Bundesländer kostenfrei heruntergeladen werden. Dort finden sich auch die jeweils für das Bundesland zuständigen Ansprechpersonen mit Kontaktdaten.

Artenporträits dieser streng geschützten Arten der FFH-Richtlinie finden sich im FFH-Internethandbuch.

Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) berät im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums die Bundesländer u.a. in Hinblick auf das Monitoring und Managementmaßnahmen. Eine Übersicht dazu, aktuelle Daten und weiterführende Informationen gibt es auf der Homepage der DBBW.

Letzte Änderung: 07.04.2020

 Artikel drucken