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Management von Großraubtieren in Deutschland

Alle Maßnahmen, die ein konfliktarmes Nebeneinander von Mensch und Großraubtier ermöglichen sowie dem Erhalt und langfristigen Überleben dieser Arten dienen, können unter dem Begriff „Management“ zusammengefasst werden. Die Überprüfung der Umsetzung von Managementzielen erfolgt durch ein darauf abgestimmtes Monitoring.

Das Management erfordert zum einen wissenschaftlich fundierte Grundlagen, zum anderen auch von allen Beteiligten Kompromiss- und Einsatzbereitschaft, um das konfliktarme Nebeneinander zu gewährleisten.

Grundlagen eines jeden Managements sind zum einen die wissenschaftlichen Daten zu Bestand und Anwesenheit von Großraubtieren,  die im sog. Monitoring (siehe Monitoring von Großraubtieren) erhoben werden. Ein weiterer Baustein eines jeden Wildtiermanagements ist die Identifizierung von Konfliktfeldern. Die Minimierung der Konfliktfelder erfolgt über verschiedene Maßnahmen, die sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden können, da das Wildtiermanagement im Aufgabenbereich der Bundesländer liegt.

Wer ist für das Management zuständig?

Die Zuständigkeit für das Management von Großraubtieren liegt bei den Fach- und Vollzugsbehörden in den Bundesländern. So gibt es zum Beispiel in allen Bundesländern mit Wolfsvorkommen sog. Wolfsmanagementpläne, die sich jedoch bezüglich ihrer Inhalte unterscheiden können. In solchen Managementplänen werden neben den Erhaltungszielen auch bspw. einzelne Konfliktfelder vorgestellt und die Maßnahmen, die zu einer Konfliktminimierung beitragen, dargelegt. Diese Maßnahmen können bspw. neben der Finanzierung von Herdenschutzmaßnahmen gegen Wolfsübergriffe (sog. Präventionsmaßnahmen) oder Ausgleichszahlungen der von Wölfen getöteten Nutztiere (sog. Kompensationszahlungen) auch Öffentlichkeitsarbeit zu den Großraubtieren beinhalten. Die einzelnen Managementpläne können bei den jeweiligen Umweltministerien bzw. Fachstellen der Bundesländer kostenfrei heruntergeladen werden. Auf der Webseite der DBBW finden sich alle Managementpläne zum Wolf sowie die Ansprechstellen in den Bundesländern in einer Übersicht (siehe https://www.dbb-wolf.de/Wolfsmanagement/wolfsmanagement).

Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) berät im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums die Bundesländer u.a. in Hinblick auf Managementmaßnahmen. Das Projektteam der DBBW arbeitet unter der Leitung des Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz (SMNG). Projektpartner sind das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland, Spreewitz, das Fachgebiet Naturschutzgenetik am Senckenberg Forschungsinstitut, Standort Gelnhausen, und das Leibniz-Institut für Zoo und Wildtierforschung in Berlin (Leibniz-IZW). Die Bundesländer können bei Bedarf die DBBW in das Management einbinden. Weiterführende Informationen zum Wolfsmanagement und zum Aufgabenspektrum der DBBW finden Sie unter www.dbb-wolf.de.

Das BfN: Management von Großraubtieren am Beispiel Wolf

Das BfN unterstützt die Länder, in deren Verantwortung das Wolfsmonitoring und- management liegt, durch wissenschaftliche Handreichungen. Diese befassen sich unter anderem mit einheitlichen Methoden der Erfassung und Bewertung von Vorkommen (BfN-Skript 413), empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen (BfN-Skript 530), der Einschätzung von Wolfsverhalten (BfN-Skript 502) oder aber auch der Abschätzung, wo in Deutschland geeignete Lebensräume für Wölfe vorhanden sind (BfN-Skript 556, s. unten).


Das Töten von Nutztieren durch Wölfe stellt eines der bedeutendsten Konfliktfelder dar, die derzeit im Zusammenhang mit Großraubtieren zu betrachten sind.  Hierzu hat die DBBW zusammen mit dem Bundesamt für Naturschutz Empfehlungen zum Schutz von Weidetierenund Gehegewild vor dem Wolf erarbeitet. Das Papier beinhaltet konkrete Anforderungen an die empfohlenen Präventionsmaßnahmen und wurde mit Expertinnen und Experten des Herdenschutzes in den Ländern abgestimmt und von den Umweltministerien der Länder zur Kenntnis genommen.


Empfehlung zum Schutz von Weidetieren und Gehegewild vor dem Wolf Skript 530
Empfehlung zum Schutz von Weidetieren und Gehegewild vor dem Wolf Skript 530

Die Veröffentlichung beinhaltet zum einen Hintergrundinformationen zu dem Konfliktpotential Weidetierhaltung und Wolf. Zum anderen werden Lösungswege aufgezeigt, wie die offene Weidetierhaltung durch entsprechende Herdenschutzmaßnahmen auf die Anwesenheit von Wölfen angepasst werden kann. Ziel von Herdenschutzmaßnahmen ist die Minimierung der durch Wölfe getöteten Weidetiere, um so auch in Regionen mit Wolfspräsenz jetzt und auch zukünftig die offene Weidetierhaltung zu ermöglichen. Eine aktuelle Statistik der einzelnen Bundesländer zu wolfsverursachten Schäden an Nutztieren finden Sie auf der Webseite der DBBW unter (https://dbb-wolf.de/wolfsmanagement/herdenschutz/schadens-statistik).

Neben dem Konfliktfeld Wolf und offene Weidetierhaltung ist auch der Umgang mit auffälligen Wölfen ein wichtiger Baustein des Wolfsmanagements. Auffällige Wölfe zeigen im Gegensatz zu ihren Artgenossen ein zunächst ungewohntes, unnatürliches Verhalten. Dieses Verhalten kann u.a. eine Annäherung an menschliche Siedlungen sein oder auch eine verringerte Fluchtdistanz gegenüber Menschen.


(Quelle: Konzept „Empfehlungen zum Umgang mit auffälligen Wölfen“, DBBW 2017) ©BfN 2017 nach DBBW
Einschätzung von Wolfsverhalten und Managementempfehlungen

Um Wolfsverhalten in Bezug auf den daraus entstehenden Handlungsbedarf einschätzen zu können und dementsprechende Managementmaßnahmen einzuleiten, hat die DBBW im Auftrag des BfN ein Konzept mit dem Titel „Konzept zum Umgang mit Wölfen,die sich Menschen gegenüber auffällig verhalten“ erstellt (Skript 502). Dieses Konzept wurde im Austausch mit internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verfasst und am 8. November 2017 im Rahmen einer Pressekonferenz veröffentlicht.

Basierend auf dem ausführlichen Konzept der DBBW hat das BfN in der Novemberausgabe 2017 der Zeitschrift „Natur und Landschaft“  eine kurze Übersicht dieser Thematik mit dem Titel „Wolfsverhalten – Einschätzung und Handlungsempfehlungen für das Management“ veröffentlicht (Artikel). Dieser Artikel gibt eine Kurzübersicht über die Einschätzung von Wolfsverhalten und den daraus resultierenden Managementempfehlungen des BfN.

Auch mit der Studie „Habitatmodellierung und Abschätzung der potenziellen Anzahl von Wolfsterritorien in Deutschland“ werden die Bundesländer in ihrem Management unterstützt. So zeigt die Studie aus dem Jahr 2020, dass es in Deutschland prinzipiell viele für Wölfe geeignete Lebensräume gibt (Hintergrundpapier). Schon nach derzeitigem Kenntnisstand muss damit gerechnet werden, dass Wölfe darüber hinaus auch weitere Gebiete durchwandern. Der Förderung und Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen kommt daher eine maßgebliche Rolle zu, um Nutztierübergriffe dauerhaft zu reduzieren. Daher wird die frühzeitige Umsetzung effektiver Herdenschutzmaßnahmen durch Weidetierhaltende auch für solche Gebiete empfohlen, in denen bislang noch keine Wolfsterritorien vorhanden sind (s. BfN-Skript 530). Die Ergebnisse der vorliegenden Studie können den für das Wolfsmanagement zuständigen Behörden und Institutionen des Bundes und der Länder die notwendigen Informationen liefern, um eine vorausschauende Anpassung ihrer Managementmaßnahmen zu ermöglichen. Darüber hinaus ermöglichen sie einen Überblick, in welchen Gebieten nach aktuellem Wissensstand potenziell mit Vorkommen des Wolfes in Deutschland zu rechnen ist. 

Weiterführende Informationen sind dem Hintergrundpapier (s. Downloads) zu entnehmen.


Abb. 1 Darstellung nach BfN-Skript 556

Die Karte zeigt die zusammengeführten Ergebnisse der Habitatmodellierung in Anlehnung an das BfN-Skript 556. Je dunkler eine Zelle gefärbt ist, desto häufiger wurde die jeweilige Zelle (10x10 km) als Bestandteil eines möglichen Wolfsterritoriums identifiziert und desto höher ist die potentielle Eignung für eine Etablierung von Wolfsterritorien. Für jedes der beiden Modelle ‚Mittelwert – Standardabweichung (Mittelwert-SD)‘ und ‚95% Konfidenzintervall (KI95)´ wurden je zwei Modellierverfahren angewendet (MaxEnt und GLMM). Das Modell ‚Mittelwert-SD‘ ist durch zwei Blautöne und das Modell ‚KI95´ durch zwei Türkistöne dargestellt. Bei Zellen mit der jeweils dunkleren Farbe stimmen die Ergebnisse der Modellierverfahren (MaxEnt/ GLMM) für ein Modell überein. 

Die Modelle ‚Mittelwert-SD‘ berücksichtigen einen Schwellenwert, der einen Fehler von bis zu 16% der vorhergesagten Territorien zulässt. Die ‚KI95´-Modelle berücksichtigen einen Fehler von 2,5% der vorhergesagten Territorien. Der Schwellenwert wurde anhand eines Teildatensatzes der Territorien des Monitoringjahrs 2018/2019 ermittelt. Weiße Bereiche zeigen die Gebiete an, die nicht als potenziell geeignetes Wolfsterritorium identifiziert wurden. Zusätzlich angegeben sind als weiße Kreise mit schwarzem Punkt die 144 nachgewiesenen Wolfsterritorien aus dem Monitoringjahr 2018/2019 (Stand 30.01.2020) dargestellt (Quelle: BfN-Skript 556).

Praktische Tipps bei Wolfsbegegnungen

Beim Spazierengehen oder Fahrradfahren im Wolfsgebiet ist eine Begegnung mit einem Wolf zwar selten, aber nicht auszuschließen. Begegnungen auf einer Entfernung von weniger als hundert Metern finden in der Regel dann statt, wenn Wölfe den Menschen zum Beispiel wegen entsprechender Windverhältnisse noch nicht bemerkt haben. Wenn sie den Menschen wahrnehmen, fliehen die Wölfe meist nicht panisch, sondern orientieren sich zunächst einen Augenblick und ziehen sich dann zurück. Unter allen dokumentierten Wolfssichtungen in der Lausitz waren nur einige wenige, in denen sich Wölfe Menschen genähert haben, obwohl sie deren Anwesenheit schon bemerkt hatten. Meistens handelte es sich in diesen Fällen um unerfahrene, neugierige Jungwölfe oder es überwog vor dem Fluchtimpuls das Interesse der Wölfe für Hunde oder Schafe in der Nähe der jeweiligen Person. Grundsätzlich gilt, dass man sich bei einer Begegnung ruhig verhalten und Wölfen mit Respekt begegnen sollte. Denn Wölfe sind, wie Wildschweine auch, große wehrhafte Wildtiere.

 

Sollte es zu einer Begegnung mit einem Wolf kommen:

Verhalten Sie sich bitte ruhig. Bleiben Sie stehen und halten Sie Abstand. Laufen Sie nicht weg, sondern gehen Sie langsam rückwärts und sprechen Sie dabei laut. Falls der Wolf nicht wegläuft, halten Sie an, schreien Sie ihn an und klatschen in die Hände. Machen Sie sich groß, um ihn einzuschüchtern.Wenn Sie mit Hund unterwegs sind, leinen Sie diesen bitte grundsätzlich an und führen Sie ihn nahe bei sich. Sollte sich ein Wolf trotzdem nähern, rufen Sie laut und klatschen Sie in die Hände, um Ihre Anwesenheit deutlich zu machen. Bitte locken Sie keine Wölfe an und füttern Sie diese keinesfalls. So verhindern Sie, dass Wölfe sich an die Anwesenheit und Nähe von Menschen gewöhnen (s. BfN Skript 502).

Melden Sie Wolfsbegegnungen an die zuständigen Länderbehörden (Ansprechpartner*innen in den Bundesländern unter www.dbb-wolf.de). Auffälliges Verhalten kann so frühzeitig erkannt werden, so dass, wenn notwendig, entsprechend gegengesteuert werden kann.

Praktische Informationen für Bürgerinnen und Bürger gibt es unter anderem in dem Faltblatt „Wenn Sie einem Wolf begegnen“, das mit Unterstützung des BfN erarbeitet wurde (https://www.dbb-wolf.de/mehr/relevante-literatur?file=files/publisher/downloads/Wolfbegegnen12_15_kompr.pdf).

 

Kontakt für weitere Fragen: FG II 1.1: Zoologischer Artenschutz

Letzte Änderung: 25.03.2021

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