Bundesamt für Naturschutz

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EUROBATS - Abkommen zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulationen

Mit dem Abkommen zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulationen (Agreement on the Conservation of Populations of European Bats, EUROBATS) haben sich mittlerweile 37 Vertragsstaaten verpflichtet, den Schutz aller 53 europäischen Fledermausarten durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen. Das Abkommen steht nicht nur europäischen Staaten offen, sondern allen Arealstaaten, die zum Verbreitungsgebiet mindestens einer europäischen Fledermauspopulation gehören.

Als wichtigste Instrumente sieht das Abkommen Regelungen zur Entnahme von Tieren, die Benennung von bedeutsamen Schutzgebieten sowie die Förderung von Forschung, Monitoring und Öffentlichkeitsarbeit vor. Die Vertragsparteien sollen sich untereinander bei der Koordinierung dieser Maßnahmen abstimmen. Wie die Bonner Konvention selbst, stellt auch das Fledermausabkommen den Mitgliedstaaten frei, weitergehende Schutzmaßnahmen zu treffen.


Abkommensgebiet und Mitgliedstaaten von EUROBATS
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Liste der Mitgliedstaaten
Abkommensgebiet und Mitgliedstaaten von EUROBATS

Fast alle europäischen Fledermausarten verzeichneten in den letzten Jahrzehnten starke Bestandseinbrüche, so dass z.B. die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros), die Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) und die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) kurz vor dem Aussterben standen. Demgegenüber hat die Bestandsgefährdung von einigen anderen Fledermausarten dank spezieller Schutzmaßnahmen (u.a. Artenschutzprogramme) spürbar abgenommen.

Verschiedene Fledermäuse fliegen alljährlich, ähnlich wie Zugvögel, zwischen ihren Sommer- und Winterquartieren hin und her. Diese z.T. sehr weit wandernden Arten, wie z.B. Abendsegler (Nyctalus noctula) und Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii), sind dabei auf geeignete Lebensräume und Quartiere entlang ihres gesamten Zugweges angewiesen. Sie sind deshalb durch Lebensraumveränderungen besonders gefährdet.

Die Vertragsstaaten haben Richtlinien für die Genehmigung des Fangens und Markierens von Fledermäusen, für die Verwendung von Holzschutzmitteln in Fledermausquartieren sowie für die Berücksichtigung des Fledermausschutzes bei der Planung von Windkraftanlagen vereinbart. Für die nächsten Jahre ist zudem eine verstärkte Zusammenarbeit mit der Forstwirtschaft geplant, da Wälder überall in Europa wichtige und daher schützenswerte Lebensräume für fast alle Fledermausarten sind.

Die Sammlung und Auswertung von Daten über Fledermäuse erfolgt in Deutschland über die Bundesländer bzw. durch von diesen beauftragte Institutionen. Zur Umsetzung des Abkommens ist auf nationaler Ebene die Einrichtung eines Beratungsgremiums für Öffentlichkeitsarbeit und eine fachliche Koordinationsstelle erforderlich. Beide Funktionen werden in Deutschland von einem Sachverständigengremium wahrgenommen, das von der Länderarbeitsgemeinschaft Naturschutz, Landschaftspflege und Erholung (LANA) berufen wurde.

Coronavirus und Fledermausschutz

Derzeit ist noch nicht bekannt, wie genau SARS-CoV-2 auf den Menschen übertragen wurde. Wenngleich verschiedene Coronaviren grundsätzlich bei Fledermäusen (wie auch bei anderen Tieren) vorkommen, gibt es keine Hinweise auf eine direkte Übertragung auf den Menschen. Angesichts der aktuellen Situation weist das Bundesamt für Naturschutz ausdrücklich darauf hin, dass die in Deutschland und Europa natürlich vorkommenden Fledermausarten nichts mit dem Ausbruch der Pandemie oder der Übertragung des Virus zu tun haben. Stattdessen handelt es sich um eine in der EU streng geschützte Artengruppe, von denen viele Arten stark bedroht sind, z. B. durch den Verlust von Quartieren und Jagdgebieten, und die unserer Unterstützung bedürfen. Fledermäuse nehmen auch in unseren Ökosystemen eine wichtige Rolle ein z. B. als Schädlingsbekämpfer in der Land- und Forstwirtschaft. Eine Verfolgung oder Störung dieser Arten aus Angst vor dem Coronavirus ist daher nicht nur sinnlos, sondern auch nach dem Bundesnaturschutzgesetz untersagt.

Foto: Quartier der Kleinen Hufeisennase in Jena OT Cospeda. (Bild: © Martin Biedermann)
Kleine Hufeisennase

Linktipps

EUROBATS
Website des EUROBATS Secretariat

Bonner Konvention
Offizielle Webseite der Bonner Konvention (CMS) in englischer Sprache

GROMS
Weltregister wandernder Tierarten (Global Register of Migratory Species)

Letzte Änderung: 07.04.2020

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