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Einfluss innovativer Mähdrusch-Technik auf die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft – eine Pilotstudie im Landkreis Marburg-Biedenkopf

Hintergrund

Arten wie der Klatschmohn (Papaver rhoeas) sollen von der neuen Technik profitieren (© Christian Selig)
Auf der Abbildung sieht man Eine blühende Mohnpflanze in einem erntereifen Gerstenfeld.

Früher weit verbreitete Arten der Agrarlandschaft, wie Klatschmohn, Kornblume und Feldrittersporn sind heute selten geworden und in ihrem Bestand gefährdet. Der Verlust dieser Arten ist vor allem auf die chemische Unkrautbekämpfung im Ackerbau zurück zu führen. Ackerwildkräuter werden für Landwirt*innen zum „Unkraut“, wenn sie in zu großer Zahl auftreten und so zur Konkurrenz für die Ackerfrucht werden. Seit etwa 80 Jahren werden daher in der Landwirtschaft vor allem chemische Mittel, sogenannte Herbizide eingesetzt um „Unkräuter“ möglichst komplett vom Acker zu verbannen. Dies führte zum einen dazu, dass früher häufige Ackerwildkräuter fast ganz aus der Landschaft verschwunden sind. Zum anderen konnten sich einige wenige Arten an diese Methode anpassen und treten nun in immer größerer Anzahl auf. Chemie-freie Techniken zur Unkrautkontrolle werden daher sowohl im Ökolandbau als auch im konventionellen Ackerbau benötigt.

Das Projekt

Mit Hilfe eines Rüttelsiebes werden die in der Spreu vorhandenen Wildkrautsamen aufgefangen (© Christian Selig)
Die Abbildung zeigt bewegliche Siebblatte zum Auffangen der Wildkrautsamen.

Im Rahmen eines Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens (E+E-Vorhaben) im Landkreis Marburg-Biedenkopf soll erprobt werden, ob an Stelle einer direkten chemischen Bekämpfung der Ackerwildkräuter stattdessen die Samen der Pflanzen bei der Ernte des Getreides in ausreichendem Maße aufgefangen werden können. Damit soll die Anzahl der Samen und damit in Zukunft auch die Anzahl unerwünschter Pflanzen auf dem Acker verringert werden ohne sie komplett zu vernichten.


Der Tank für die aufgefangenen Wildkrautsamen wird nach Bedarf geleert (© Christian Selig)
Die Abbildung zeigt zwei Mitarbeiter, die Wildkrautsamen aus dem Tank entnehmen und sie in einen Plastiksack füllen.

So kann die Menge an Chemikalien reduziert und gleichzeitig die aufgefangenen Samen beispielsweise als Saatgut für Blühstreifen verwendet werden.

Der Landkreis-Marburg-Biedenkopf verfolgt mit dem E+E-Vorhaben das Ziel herauszufinden, ob ein spezielles Anbaugerät an einem handelsüblichen Mähdrescher in der Lage ist Unkrautsamen effektiv aufzufangen und so ihre Verbreitung auf dem Acker einzudämmen. Die wissenschaftliche Begleitung des Vorhabens erfolgt durch die Universität Gießen. Die Wissenschaftler*innen untersuchen welche Arten und wie viele ihrer Samen durch das Gerät aufgefangen werden. Damit wird abgeschätzt wie effektiv die Technik zur Unkrautkontrolle beiträgt. Außerdem werden betriebsökonomische Daten erhoben, die Erkenntnisse darüber zulassen, ob der Einsatz der Technik auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht einen Vorteil für die Landwirt*innen bringt.

Die Untersuchungen werden sowohl auf konventionell (also mit Herbizideinsatz) als auch auf ökologisch bewirtschafteten Flächen durchgeführt. Auf den konventionellen Flächen soll der Einsatz der Technik dazu führen, dass die Menge an Herbiziden reduziert werden kann, da mit jedem weiteren Jahr weniger Unkrautsamen im Boden vorhanden sind. Auf den ökologisch bewirtschafteten Flächen kann so ggf. der Einsatz mechanischer Unkrautbekämpfungsverfahren und damit ebenfalls Kosten reduziert werden.


Die Arbeitsweise des Mähdreschers wird durch die Sammelvorrichtung nicht wesentlich verändert (© Christian Selig)
uf der Abbildung sieht man einen grünen Mähdrescher, der ein Gerstenfeld drischt.

Da typische Ackerwildkräuter in der Regel von einer Bewirtschaftung abhängig sind, bedarf es Maßnahmen die auf den Äckern umgesetzt werden um diese Arten zu erhalten. Die Technik die hier erprobt wird soll einen Beitrag dazu leisten durch eine Reduzierung oder bestenfalls Verzicht auf chemische Kontrollmaßnahmen ein Mindestmaß an biologischer Vielfalt auf dem Acker zuzulassen. Dieses Jahr geht die Technik in ihr drittes Erprobungsjahr. Sie wurde in der ersten und zweiten Erntesaison stetig optimiert. Erste Auswertungen zeigen dass ein nicht unerheblicher Teil der Samen aufgefangen werden kann.

Ausblick

Das Hauptvorhaben, bei dem der Mähdrescher über drei Ernteperioden im Landkreis Marburg-Biedenkopf eingesetzt wurde, endet mit der Ernte in diesem Jahr. Der Praxistest der Technik konnte hier erfolgreich umgesetzt und die nötigen Optimierungsschritte durchgeführt werden.

Die Effekte des Auffangens der Samen auf den Bestand der Ackerwildkräuter und ihre Verbreitung im Feld, werden durch die Universität Gießen noch bis Ende 2022 weiter beobachtet und ausgewertet. Diese Effekte zeigen sich erst mit einer Verzögerung. Auch die ökonomischen Aspekte werden noch in der Gesamtschau der drei Jahre ausgewertet. Schließlich wird noch genau bestimmt werden, inwiefern sich das aufgefangene Saatgut, direkt oder mit entsprechenden Reinigungsschritten, für die Anlage von z.B. Blühflächen eignet.

Zukünftig könnten Blühflächen mit dem durch die neue Technik gesammelten Saatgut angelegt werden (© Christian Selig)
Auf der Abbildung sieht man eine Blühfläche zwischen einem abgeernteten Getreidefeld und einem Maisfeld.

Laufzeit

HV: 09/2018 bis 09/2021
WB: 11/2018 bis 12/2022

Förderprogramm

Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben

Beteiligte Partner

Fachbetreuung im BfN

Christian Selig, FG I 2.4 Naturschutz in der Landwirtschaft

Weitere Informationen

Letzte Änderung: 31.05.2021

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