Bundesamt für Naturschutz

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Bison bonasus (Linnaeus, 1758)

Wisent, Flachlandwisent

letztes noch in Europa vorkommende Wildrind, größte Art der Familie der Hornträger

EU-Code: 2647, Anh. II, IV

Rote Liste Deutschland: 0 (2009)


Verbreitung

Wisente waren ehemals im westlichen, zentralen und süd-östlichen Teil von Europa verbreitet. Heute hat die Art Ihren Verbreitungsschwerpunkt in der östlichen kontinentalen biogeografischen Region. Wiedereinbürgerungsprojekte laufen vor allem in den Karpaten (Slowakei) und in Deutschland im Rothaargebirge.


Fortpflanzung/ Biologie

Kühe und Bullen erreichen meist im dritten Lebensjahr die Geschlechtsreife. Unter natürlichen Bedingungen beteiligen sich aber nur die Bullen im Alter von sechs bis zwölf Jahren an der Brunft. Etwa neun Monate nach der Brunft, die in der Zeit von August bis Oktober stattfindet, werden die Kälber geboren. Die Jungen werden sechs bis acht Monate gesäugt und sind mit fünf bis sechs Jahren ausgewachsen.

Das Alter freilebender Bullen erreicht selten das Höchstalter von 15 Jahren. Kühe werden im Schnitt zehn Jahre älter. Wisente leben in Herden. Dabei bilden Kühe mit ihren Kälbern und den zwei- bis dreijährigen Tieren Gruppen aus im Mittel acht bis 13 Tieren. Bei höheren Dichten sowie an Orten mit hoher Nahrungsdichte kann es zu größeren Herdengrößen mit über 100 Tieren kommen.

 


Gefährdung

Der Verlust des Lebensraums durch die Ausbreitung menschlicher Siedlungen sowie der Land- und Forstwirtschaft waren neben Jagd und Wilderei die Hauptursachen für den Rückgang und das Verschwinden der Art zum Beginn des 20. Jahrhundert. Heute sind die hohe menschliche Siedlungsdichte und befürchtete Konflikte mit der Land- und Forstwirtschaft vor allem im Westen Europas der Hauptgrund für die geringe Verbreitung. Daneben führte die Populationsgröße zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer geringen genetischen Variabilität, wodurch es zu Inzuchtdepressionen kommen kann. Diese könnten auch für die Anfälligkeiten des Wisents für Infektionskrankheiten verantwortlich sein. 


Schutz

Die langfristige Erhaltung überlebenfähiger, freilebender Wisentpopulationen als Bestandteil natürlicher Wald- und Wald-Offenland Ökosysteme in Zentral- und Osteuropa muss vorrangiges Ziel der Schutzmaßnahmen sein. Daneben gilt es durch kontrollierte Zucht in Gefangenschaft den bestehenden Genpool zu erhalten und damit eine Basis für Wiederansiedlungsprojekte zu schaffen.


Literaturhinweis

verändert nach:
Lang, J. und Petersen, B. (2006): Bison bonasus (Linnaeus, 1758). In: Petersen, B. und Ellwanger, G. (Bearb.): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Band 3: Arten der Osterweiterung. - Bonn-Bad Godesberg (Landwirtschaftsverlag) - Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 69(3): 63-70.

Letzte Änderung: 06.06.2019

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