Bundesamt für Naturschutz

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Bsal

Bedrohung einheimischer und europäischer Schwanzlurche durch die Salamanderpest

Was ist Bsal?

Amphibien sind die weltweit am stärksten bedrohte Wirbeltierklasse. Zusätzlich werden die einheimischen und europäischen Schwanzlurche (Salamander und Molche) durch einen vermutlich aus Asien eingeschleppten Amphibien-Hautpilz beeinträchtigt. Batrachochytrium salamandrivorans (kurz Bsal) befällt die äußerst sensible und überlebenswichtige Haut der Amphibien und führt insbesondere beim Feuersalamander (Salamandra salamandra) zum Tod. Bsal hat bereits in einigen Nachbarländern dramatische Bestandseinbrüche bei Feuersalamandern verursacht und führt auch in Deutschland regional zu Massensterben. Aufgrund des extremen Krankheitsverlaufs wird daher von der „Salamanderpest“ gesprochen.

 

Der wohl aus Asien stammende Amphibien-Hautpilz ist höchst wahrscheinlich durch den weltweiten Handel nach Mitteleuropa gelangt, wo er 2013 erstmals an Tieren in Belgien beschrieben wurde. Bisher wurde er in Teilen der Niederlande, Belgiens und Deutschlands bei Feuersalamandern aber auch bei Kammmolchen, Bergmolchen und Fadenmolchen im Freiland nachgewiesen. Eine krankhafte Infektion von Froschlurchen (Fröschen und Kröten) ist bisher nicht bekannt, jedoch können diese den Pilz auf ihrer Haut tragen und so vermutlich als Reservoir und Überträger fungieren.

 

Fortgeschrittenes Stadium einer Bsal-Infektion bei einem adulten Feuersalamander. Deutlich sind die Hautläsionen ("Löcher") zu erkennen.
Foto: Tobias Rautenberg

Woran erkennt man Feuersalamander, die von Bsal befallen sind?

Stark infizierte Feuersalamander weisen meist oberflächliche Läsionen, aber auch tiefgreifende Geschwüre der Haut auf. Betroffene Tiere sterben schnell, oft innerhalb einer Woche. Im frühen Infektionsstadium ist Feuersalamandern äußerlich nichts anzusehen und eine Infektion ist nur über molekulargenetische Methodik nachzuweisen. Bei Molchen bleibt die Infektion ebenfalls offenbar häufig lange symptomfrei, die Salamanderpest kann aber auch bei diesen ausbrechen. Durch die nachtaktive und heimliche Lebensweise der Salamander erlangen Krankheitsausbrüche meist erst dann Aufmerksamkeit, wenn gehäuft Totfunde z.B. auf Wegen auftreten. Diese weisen dann auch meist deutliche Hautläsionen auf.

 


Welche Maßnahmen werden bereits zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung von Bsal ergriffen?

 Die Europäische Kommission hat zur Reduzierung des Risikos einer weiteren Einschleppung und Verbreitung der Salamanderpest über den Handel einen Durchführungsbeschluss (EU) 2018/320 erlassen. Dieser tierseuchenrechtliche Akt trat zum 06.09.2018 für alle EU Länder in Kraft. Der Durchführungsbeschluss reguliert und erfasst den Handel mit allen Arten von Schwanzlurchen (Salamander, Molche) sowie ihren Eiern und Larven zwischen EU-Ländern und Importe in die EU. Es stellt den Handel mit Schwanzlurchen hierdurch unter eine veterinärrechtliche Kontrolle. Der Handel mit Schwanzlurchen und deren Verbringung wird damit verboten, sofern die Tiere keine entsprechenden Gesundheitszeugnisse nachweisen können. Zur Ausstellung eines Gesundheitszeugnisses durch die zuständigen Veterinärbehörden werden eine Prüfung auf Erregerfreiheit des Tieres bzw. der epidemiologischen Einheit (z.B. alle Tiere einer Transportlieferung inklusive der Transportmaterialien) und eine adäquate entsprechende Quarantäne vorgeschrieben. Importe in die EU werden zudem nur noch aus bestimmten, im Anhang des Beschlusses aufgelisteten, Drittländern genehmigt. Der Durchführungsbeschluss findet sich hier https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32018D0320

 

 

Wie sieht der derzeitige Forschungsstand in Deutschland aus?

"Swabben" eines adulten Feuersalamanders. Es werden parallel zwei Hautabstriche mit sterilen "Swabs" genommen, damit bei einem positiven Befund die zweite Probe zur Qualitätssicherung durch ein anderes Labor analysiert werden kann.
Foto: Kathleen Preißler

Die Ausbreitung von Bsal in Deutschland und die langfristigen Folgen werden derzeit in einem FuE-Projekt des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) in Zusammenarbeit mit den Universitäten Trier und Braunschweig sowie den Biologischen Stationen der Städteregion Aachen und des Kreises Düren erforscht. Das Vorhaben mit dem Titel „Monitoring und Entwicklung von Vorsorgemaßnamen zum Schutz vor der Ausbreitung des Chytridpilzes Batrachochytrium salamandrivorans („Bsal“) im Freiland“ ist zum 1. Januar 2018 gestartet und läuft bis zum Jahr 2020.

Ziel des FuE-Projektes ist es, zu bestimmen wie, wo und in welcher Geschwindigkeit sich Bsal bei Feuersalamandern im Freiland ausbreitet, um eine erste Gefährdungsbeurteilung heimischer Feuersalamander-Populationen und weiterer betroffener Amphibienarten abgeben zu können. Zudem sollen Maßnahmen erarbeitet werden, um eine weitere Verbreitung des Erregers in wildlebenden Beständen von Amphibien zu verhindern.

Die Projektumsetzung erfolgt durch intensive Freilandarbeit, bei welcher insbesondere Schwanz- aber auch Froschlurche mittels Hautabstrichen („Swabbing“) beprobt und mit molekulargenetischer Methodik (qPCR) im Labor auf Bsal untersucht werden. Zudem werden ausgewählte Populationen des Feuersalamanders (als die Art, die am sensibelsten auf Bsal reagiert) über ihre Larvenzahlen langjährig beobachtet. Die Grundidee hinter dem Larvenmonitoring erklärt sich wie folgt: Die gewässerbewohnenden Larven des Feuersalamanders sind in geeigneten Habitaten einfacher zu finden als die landlebenden erwachsenen Tiere. Kommt es zu einem raschen starken Rückgang oder gar zum Aussterben einer Adult-Population, werden in der Folge auch keine oder kaum mehr Larven gefunden. Im Einzelfall gilt es dann zu prüfen, ob Bsal die Ursache für die beobachteten Rückgänge ist.

Wie kann man aktiv zum Schutz vor Bsal beitragen?

Nach dem Aufsuchen von Amphibienlebensräumen sollte man vor einem Ortswechsel sein Schuhwerk und alle Gegenstände, die mit Wasser oder feuchtem Bodengrund in Berührung gekommen sind, säubern und desinfizieren. Dies gilt ganz besonders für Personen, die sich speziell mit Amphibien beschäftigen und mehrere Standorte direkt hintereinander aufsuchen (z.B. beim FFH-Monitoring). Auch Privatpersonen können dazu beitragen, diese Amphibienseuche (als auch weitere Krankheiten) nicht aktiv zu verschleppen. Wanderer, Angler und andere Naturfreunde können zum Beispiel einen Beitrag leisten indem sie Schuhwerk vor Ort säubern, feuchte Schuhe und Gegenstände vollständig durchtrocknen lassen bevor ein entferntes Gebiet aufgesucht wird und im Optimalfall durch zusätzliches Desinfizieren des Materials zuhause (z.B. mit Ethanol oder einem Chlorreiniger; anschließend gut mit Wasser abspülen). Ein durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen entwickeltes Hygieneprotokoll findet sich hier.

 

Zudem ist die Verbreitung des noch relativ häufigen Feuersalamanders in Deutschland (wie bei vielen anderen weit verbreitete Arten) noch lückenhaft. Feuersalamanderbeobachtungen können Sie z.B. hier tätigen.

 

 

Ungeklärte Totfunde von Feuersalamandern und Molchen oder gar Massensterben sollten fotografiert und sofort der Koordinatorin und dem Koordinator des FuE-Projektes gemeldet werden:

 

Vanessa Schulz: Technische Universität Braunschweig vanschul@tu-braunschweig.de

Dr. Norman Wagner: Universität Trier wagnern@uni-trier.de

Maike Guschal: Biologische Station StädteRegion Aachen e.V. Maike.guschal@bs-aachen.de

Weitere Informationen

Letzte Änderung: 26.07.2019

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