Bundesamt für Naturschutz

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Managementpläne


Neben den Arten des Anhangs II der FFH-RL, die als Schutzgüter in den jeweiligen Naturschutzgebieten von Bedeutung sind, kommen hier auch eine Vielzahl weiterer gefährdeter Arten vor, wie z. B. der Schellfisch (Melanogrammus aeglefinus). Foto: Sven Gust
Neben den Arten des Anhangs II der FFH-RL, die als Schutzgüter in den jeweiligen Naturschutzgebieten von Bedeutung sind, kommen hier auch eine Vielzahl weiterer gefährdeter Arten vor, wie z. B. der Schellfisch (Melanogrammus aeglefinus). Foto: Sven Gust

Die Aufstellung des Managementplans für jedes Naturschutzgebiet ist in der jeweiligen Schutzgebietsverordnung (bspw. § 7 NSGBRgV) verankert. Auch das Bundesnaturschutzgesetz sieht im § 32 vor, durch geeignete Gebote und Verbote sowie Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen sicherzustellen, dass den Anforderungen des Artikels 6 der FFH-RL in allen Natura 2000 Gebieten entsprochen wird.In den Managementplänen für die marinen Naturschutzgebiete in der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee werden die Maßnahmen, die zum Erreichen des jeweiligen Schutzzwecks erforderlich sind, dargestellt und deren Begründung und Herleitung umfangreich erläutert.

Managementpläne für die Nordsee-Schutzgebiete veröffentlicht

Mit der Veröffentlichung im Bundesanzeiger am 13.05.2020 erfolgte die offizielle Bekanntmachung der Managementpläne für die drei Naturschutzgebiete in der deutschen AWZ der Nordsee. Somit sind nun  Maßnahmenprogramme für die folgenden Gebiete  in Kraft getreten, deren Umsetzungen nun kurzfristig beginnen werden:


Köpfchenpolyp (Tubularia larynx) am Sylter Außenriff. Foto: Hübner/Krause (BfN)
Köpfchenpolyp (Tubularia larynx) am Sylter Außenriff. Foto: Hübner/Krause (BfN)
Schollen (Pleuronectes platessa) gehören zu den typischen Fischarten des Lebensraumtyps Sandbank. Foto: F.Graner/Juniors@wildlife
Schollen (Pleuronectes platessa) gehören zu den typischen Fischarten des Lebensraumtyps Sandbank. Foto: F.Graner/Juniors@wildlife

Maßnahmen zur Verbesserung des Erhaltungs-zustands

Für die Ableitung notwendiger Maßnahmen wurden zunächst mögliche Defizite der aktuellen Erhaltungsgrade der besonders geschützten Lebensraumtypen und Arten ermittelt. Dazu wurden sogenannte „Ist-Zustände“ mit den jeweiligen Zielzuständen der einzelnen Schutzgüter in den Schutzgebieten verglichen und so vorhandene Defizite erkannt. Sandbänke wiesen in allen drei Schutzgebieten mittlere bis starke Defizite im Erhaltungsgrad auf. Auch der Erhaltungsgrad der Riffe im Borkum-Riffgrund und im Sylter Außenriff zeigte ein mittleres bis starkes Defizit. Die in den Managementplänen beschriebenen Maßnahmen dienen daher insbesondere der Wiederherstellung des guten Erhaltungsgrades für diese gefährdeten Lebensraumtypen.

Darüber hinaus sollen die Maßnahmen dazu dienen, eine Verschlechterung der Erhaltungsgrade aller Schutzgüter zu vermeiden bzw. die Erhaltungsgrade weiter zu verbessern. Dies gilt für die anadromen Wanderfische wie Finte und Flussneunauge mit einem Defizit im Erhaltungsgrad ebenso wie für die Meeressäugetiere Schweinswal, Kegelrobbe und Seehund.

Sowohl bei den genannten Lebensraumtpyen als auch den genannten Arten sind anthropogene Nutzungen ursächlich für den defizitären Erhaltungsgrad bzw. die Gefährungen der Schutzgüter. Die Managementpläneenthalten somit vor allem Maßnahmen, die negative Auswirkungen solcher Nutzungen reduzieren sollen.. Sie beziehen sich beispielsweise auf die Auswirkungen von Berufsschifffahrt, die Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen oder den Sand- und Kiesabbau. Die jeweiligen Maßnahmen sind in verschiedene Gruppen unterteilt. Bis zum Ende des ersten Sechs-Jahres-Zyklus sollen zumindest die Maßnahmen mit hoher Priorität soweit umgesetzt sein, wie dies im Rahmen der nationalen Zuständigkeiten möglich ist. Für Maßnahmen mittlerer Priorität soll im gleichen Zeitraum mit der Umsetzung konzeptioneller Schritte begonnen werden. Die Maßnahmenprogramme setzen auch auf eine Intensivierung der Kommunikation und Kooperationen mit verantwortlichen Stellen sowie Interessen- und Nutzergruppen.


Schweinswal (Phocoena phocoena) Foto: Photoshot/Juniors@wildlife
Schweinswal (Phocoena phocoena)
Prachttaucher (Gavia arctica) Foto: Sven-Erik Arndt
Prachttaucher (Gavia arctica)

Schweinswale (Phocoena phocoena, links) und Prachttaucher (Gavia arctica, rechts) können sehr empfindlich auf Schiffsverkehr reagieren – Maßnahmen zur Vermeidung von Scheuchwirkungen und Lärm sind in den Managementplänen dargestellt. 

Management-planung in der AWZ

Das BfN veröffentlichte 2017 Informationen zur Methodik für die Entwicklung von Managementplänen in marinen Natura 2000 Gebieten. Die Ermittlung von Defiziten im Erhaltungsgrad wird in dieser methodischen Aufbereitung ebenso vorgestellt wie das Vorgehen zur Identifizierung von geeigneten Managementmaßnahmen (siehe Abb. unten). Auf dieser Basis wurden dann nachfolgend die Managementpläne für die o. g. Naturschutzgebiete erstellt.

Beschreibung einer Methode zur Entwicklung von küstenfernen Managementplänen für marine Natura 2000-Gebiete. (BfN-Skripten 478, 4.22 MB)


Identifizierung geeigneter und notwendiger Maßnahmen, BfN, 2017 (Skript 478)
Identifizierung geeigneter und notwendiger Maßnahmen, BfN, 2017 (Skript 478)

Die Managementpläne für die Meeresschutzgebiete in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der deutschen Nordsee