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RESTORE - Wiederherstellung der Bestände der Europäischen Auster (Ostrea edulis) in der deutschen Nordsee


Junge Austern werden gemeinsam mit leeren Schalen für die Wiederansiedlungsvorhaben vorbereitet (© Kubikfoto: Holger Weber/AWI)
Auf der Abbildung sieht man zwei Hände, die eine junge Auster mit leeren Schalen festhält.

Hintergrund

Die Europäische Auster ist, wie ihr Name vermuten lässt, die heimische Austernart in der deutschen Nordsee. Die Auster gilt schon seit Jahrhunderten als Delikatesse bei Arm und Reich. So wurden die großen Bestände bis Anfang des letzten Jahrhunderts stark überfischt und geschwächt. Seit etwa 1920 ist die Europäische Auster nicht mehr in der Deutschen Bucht zu finden und gilt als ausgestorben.

Damit ging nicht „nur“ eine Tierart verloren, sondern auch ein wichtiger Lebensraum: das Austernriff. Dieses bietet vielen Tieren u.a. einen Wohn- und Rückzugsort und leistet einen großen Beitrag zur biologischen Vielfalt am Meeresboden. Durch die Wiederansiedlung der Europäischen Auster kann langfristig auch ein von ihr geschaffener artenreicher Lebensraum zurückkehren.

Die Schalen der Europäischen Austern werden direkt an Bord vermessen und das Wachstum so überprüft (© Laura Niemeyer/AWI)
Die Abbildung zeigt eine junge Frau, die an einem Arbeitstisch sitzt und Austern vermisst.

Das Projekt

Im Rahmen des Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens (E+E-Vorhaben) RESTORE soll erprobt werden, ob und wie eine langfristige und großflächige Wiederansiedlung der einst so weit verbreiteten heimischen Austernart in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) – d.h. jenseits der Küstengewässer – der deutschen Nordsee möglich ist. Ersteres wurde vor allem durch die Ergebnisse einer Voruntersuchung (Projektlaufzeit 2016 – 2019) bestätigt: Die in verschiedenen Tiefen ausgebrachten Europäischen Austern zeigten über den Studienzeitraum großartiges Wachstum, einen guten Gesundheitszustand und vor allem auch erste Larven zur Fortpflanzung. Die Larven der Europäischen Auster suchen im freien Wasser aktiv nach passendem Untergrund, um sich dort dauerhaft anzusiedeln.

Für die weiteren Schritte wurde deswegen untersucht, welcher Siedlungsuntergrund ausgebracht werden sollte, um eine erfolgreiche weitere Ansiedlung zu unterstützen: Austern- und Muschelschalen sowie kalkhaltige Oberflächen eignen sich hierfür am besten.

Die Austern werden in ca. 30 Metern Wassertiefe in abbaubaren Netzen am Nordseeboden ausgebracht (© Verena Merk/AWI)
Die Abbildung zeigt Austern im Netz, die am Meeresgrund ausgebracht werden.

Die Versorgung mit ausreichenden Mengen junger gesunder Austern ist vor allem zu Beginn der Wiederansiedlungsmaßnahmen von großer Bedeutung. Deswegen wurde 2018 parallel zu RESTORE das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt geförderte Projekt PROCEED gestartet. Dort wird u.a. eine Austernaufzuchtanlage zur Versorgung der Wiederansiedlungsprojekte in der Nordsee betrieben.
Unter Berücksichtigung naturschutzfachlicher, logistischer und ökologischer Kriterien wurde ein Standort für die nächste Phase des Vorhabens ausgewählt: der Errichtung eines ersten Austernriffs. Dieses wurde im Rahmen des E+E-Hauptvorhabens im Sommer 2020 im Meeresschutzgebiet Borkum Riffgrund aufgebaut.


Darstellung der historischen Verbreitung der Europäischen Auster in der Deutschen Bucht (© Andreas Essenberger/BfN)
Auf der Abbildung sieht man eine Landkarte, die die historische Verbreitung der Europäischen Auster in der Deutschen Bucht zeigt.

In einer Tiefe von ca. 30 Metern bilden etwa 100.000 junge Austern verteilt auf zwei Versuchsfeldern den Grundstein für die Entwicklung eines artenreichen Lebensraums. Die Ausbringung erfolgte zunächst auf einer Steinunterlage aus Kalkstein, die den Tieren Schutz vor der Überdeckung durch losen Sand bietet. Der technische Aufbau des Austernriffs und die Entwicklung des Lebensraumes mit seiner biologischen Vielfalt werden wissenschaftlich begleitet und ausgewertet.

Dazu gehören u.a. die ständige Aufzeichnung der Umweltparameter wie z.B. der Temperatur am Standort, die regelmäßige Beprobung der Austern zur Untersuchung des Entwicklungs- und Gesundheitszustands sowie die Beobachtung der sich ansiedelnden Organismen z.B. durch den Einsatz eigens zu diesem Zweck entwickelter Kamerasysteme.

Ausblick

Der Aufbau eines ersten sogenannten Pilotriffs der Europäischen Auster im Meeresschutzgebiet Borkum Riffgrund in der deutschen Nordsee ist ein erster Schritt für die langfristige Wiederansiedlung der Art. Die Methoden und Techniken werden auch im weiteren Verlauf des Projekts laufend beurteilt und an neue Forschungserkenntnisse angepasst. Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung zur Entwicklung der Lebensgemeinschaft Austernriff fließen dort ebenso ein wie neue technologische Erkenntnisse. Ziel ist es, erprobte Handlungsanweisungen zur großflächigen Wiederansiedlung der heimischen Austernart und den durch sie geformten Lebensraum zu entwickeln. Damit soll die bedrohte Art auch über die Grenzen des Pilotriffs hinweg in der deutschen Nordsee wieder dauerhaft heimisch werden.

Europäische Austern bieten durch ihre Riffe einen Lebensraum für viele andere Lebewesen (© Solvin Zankl/AWI)
Auf der Abbildung sieht man ein Austernriff, dass verschiedenen anderen Lebewesen Lebensraum bietet.

Laufzeit

RESTORE Voruntersuchung 2016-2019
RESTORE Hauptvorhaben 2019-2022
RESTORE Wissenschaftliche Begleitung 2020-2024

Förderprogramm

Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben

Fachbetreuung im BfN

Dr. Katrin Prinz, FG II 3.3 Menschliche Einflüsse, ökologische Fragen bei marinen Vorhaben

Letzte Änderung: 25.06.2021

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