Bundesamt für Naturschutz

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„Stadtnatur erfassen, schützen, entwickeln“ – Naturschutzfachliche Begleitung der Umsetzung des Masterplans Stadtnatur

Themengruppe:

Naturschutz

FKZ:

3519 81 1400

Laufzeit:

01.10.2019 - 31.03.2022

Anlass/Hintergrund:

Der Masterplan Stadtnatur versteht sich als Beitrag für die integrierte Stadtentwicklung in Hinblick auf die vielfältigen Leistungen der Natur für das Leben im besiedelten Bereich. Dazu wurde durch die Bundesregierung eine Reihe von Maßnahmen beschlossen. Im Rahmen des F+E-Vorhabens „Stadtnatur erfassen, schützen, entwickeln“ werden die fachlichen Grundlagen für zwei Maßnahmen des Masterplans entwickelt und umgesetzt.
Die erste Maßnahme ist die Initiierung einer bundeseinheitlichen Konvention zur Grünraum- und Erholungsvorsorge. Orientierungswerte für die Stadtnatur zielen darauf ab, Aussagen zu qualitativen und quantitativen Anforderungen für eine Versorgung mit städtischen Grün-und Freiflächen zu treffen. Sie formulieren Standards, die erfüllt sein müssen, damit städtisches Grün seine vielfältigen Funktionen erfüllen kann. Zudem bilden sie einen Bewertungsmaßstab für die Ermittlung von Defiziten und Bedarfen an städtischem Grün.
In städtebaulichen Abwägungsprozessen können sie als Argumentationshilfe für den Erhalt bzw. die Schaffung von städtischem Grün herangezogen werden.
Bestehende Orientierungswerte zur Grünraum- und Erholungsvorsorge stammen aus den 1970er Jahren und bilden die aktuellen gesellschaftlichen und städtebaulichen Ansprüche nur unzureichend ab. So stellen bspw. Funktionen zur Vermeidung der negativen Auswirkungen von Starkregen oder der Klimavorsorge weitere Anforderung dar, die seitdem in den Fokus gerückt sind.
Die zweite Maßnahme adressiert die Verbesserung der Datengrundlage zur Stadtnatur durch Stadtbiotopkartierungen. Sie bilden planerische Grundlage für die Erhaltung und Entwicklung der biologischen Vielfalt in den Städten. Stadtbiotopkartierungen wurden zumeist systematisch in den 1980er sowie Anfang der 1990er Jahren durchgeführt, sodass die vorhandenen Daten in vielen Fällen veraltet sind oder nicht systematisch vorliegen. Dadurch ist es nicht möglich, die Bedeutung und Schutzwürdigkeit von Stadtnatur sowohl bundesweit aber vor allem auf städtischer Ebene adäquat darzustellen. Letztlich führt dies dazu, dass qualitative Aussagen zur Grün- und Freiraumausstattung häufig nur unzureichend vorliegen.
Im Hinblick auf die städtische Freiraumplanung stellen sie quantitative und qualitative Informationen zur Versorgungs-und Bedarfsanalyse des städtischen Grüns bereit. Dadurch liefern sie auch die fachliche Begründung für freiraumbezogene Orientierungswerte und ermöglichen zudem ein kontinuierliches Monitoring.

Projektziele:

Ziel des Vorhabens ist die Initiierung und Umsetzung eines Konventionsbildungsprozesses zur Bestimmung neuer Orientierungswerten zur Grünraum- und Erholungsvorsorge. Diese sollen nicht nur Aussagen zur gesellschaftlichen Verfüg- und Nutzbarkeit öffentlicher Grünflächen machen, sondern nach Möglichkeit auch spezifische Qualitäten, wie etwa die Situation der Arten- und Biotopvielfalt, abbilden.
Die Etablierung von bundesweiten Orientierungswerten soll „Leitplanken“ setzen und den Kommunen zentrale Anhaltspunkte für die Zielfindung der eigenen Grünversorgung bieten. Die Orientierungswerte sollen kommunalen Entscheidungsträger*innen, aber auch der Öffentlichkeit eine Orientierung zur quantitativen und qualitativen Grün- und Freiraumausstattung geben. Verwaltungsinterne Prozesse zur Verfolgung der Grünziele sollen gefördert und eine Argumentationsbasis für die Durchsetzung der grünen Ziele geschaffen werden – auch durch die Vergleichbarkeit zwischen den Kommunen.
Mit Blick auf die Stadtbiotopkartierungen, sollen diese ausgewertet und deren Informationsgehalt für die Grün- und Freiraumplanung untersucht werden. Durch die Erarbeitung von Empfehlungen zur Durchführung und Fortschreibung von Stadtbiotopkartierungen können ökologische Qualitäten besser definiert werden. Inwieweit diese bei der Herleitung freiraumbezogener Orientierungswerte herangezogen werden können, ist zu erforschen. Dadurch können planungsbezogene Ableitungen für das Qualifizierungspotential der Grünraum- und Erholungsvorsorge über Stadtbiotopkartierungen vermittelt werden.

Forschungsnehmende:

Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Institut für Ökologie und Landschaft
Prof. Dr. Ing Markus Reinke
Am Staudengarten 8
85354 Freising

Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH
Dipl-Ing. Christa Böhme
Zimmerstraße 13-15
10969 Berlin

Ansprechpartner im BfN:

Arne Kunkel, FG II 4.1

 

Letzte Änderung: 11.11.2019

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