Bundesamt für Naturschutz

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Nasse Bewirtschaftung von Niedermoorböden – Ein Gewinn für Klima und Biodiversität!

Hintergrund

Schilfernte mit zwei Seiga-Maschinen (© T. Dahm & P. Schroeder)
Auf dem Foto sieht man Seiga-Maschinen, die Schilf ernten. Diese Maschinen haben Ballonreifen und eignen sich daher sehr gut für die Schilfernte.

Moore sind durch Wasser bestimmte Lebensräume in denen sich durch die extremen Bedingungen seltene, hoch spezialisierte Pflanzen und Tiere wohlfühlen. Sie haben daher einen sehr hohen Wert für die Biodiversität. Bis ins 17. Jahrhundert waren Moore in Deutschland noch weitgehend unberührt. Heute werden über 90% der Moorböden vor allem durch Trockenlegungen als Grünland, Acker oder Forst genutzt. Dies führt neben erheblichen Treibhausgasemissionen auch zum Verschwinden von moortypischen Pflanzen- und Tierarten. Insbesondere auf vielen landwirtschaftlichen Flächen gibt es zahlreiche Moorböden, die sich wiedervernässen ließen. Dies kann auch einen Mehrwert für den Naturschutz haben, in Nasswiesen brütet z.B. die seltene Bekassine!


Schilfstecklinge können ab Juni mit einer Forstpflanzmaschine gepflanzt werden
(© W. Wichtmann)
Auf dem Foto sieht man Traktoren, Forstmaschinen und Arbeiter, die Schilfstecklinge pflanzen.

Damit die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen dabei nach wie vor möglich ist, bedarf es dringend einer Anpassung der Bewirtschaftungsformen an die natürlicherweise nassen Bedingungen.

Wie durch eine nasse Bewirtschaftung von Moorböden sowohl das Klima als auch die Biodiversität gefördert werden können, wurde deutschlandweit noch nicht untersucht.

Das Projekt

Feuchtwiese mit Blühaspekt von Scharfem Hahnenfuß und Kuckucks-Lichtnelke
(© Ch. Dammann)
Auf dem Foto sieht man eine blühende Feuchtwiese mit scharfen Hahnenfuß und Kuckucks-Lichtnelke.

Innerhalb des Projektes KLIBB – „Klimaschonende, biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung von Niedermoorböden“ werden naturschutzfachliche Leitlinien für eine klimaschutzmotivierte, biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung von Niedermoorböden entwickelt und Empfehlungen zur entsprechenden Anpassung der landwirtschaftlichen Nutzung  formuliert.

Bereits vorhandene Steckbriefe für angepasste Formen der Niedermoorbewirtschaftung bei feuchten und nassen Wasserverhältnissen werden aktualisiert und für noch nicht aufgeführte Nutzungsformen neu erstellt.

Diese Steckbriefe, die im Internet frei verfügbar sind, enthalten praktische Hinweise für Landnutzer und Tipps welche angepassten Nutzungsformen sie entsprechend der Standortfaktoren auf ihren Niedermoorböden etablieren können.


Seggen bilden nach Wiedervernässung bei Sommermahd häufig Dominanzbestände
(© C. Schröder)
Auf dem Foto sieht man eine Wiese, die nach Wiedervernässung Dominanzbestand von Seggen gebildet hat.

In dem Projekt sollen, entsprechend geeigneter Kriterien, Eignungskulissen für nasse Nutzungsformen für drei moorreiche Bundesländer erstellt werden. Bundesweit übertragbare Ansätze aus vorhandenen Konzepten werden dabei berücksichtigt.

Das Projekt soll damit einen Überblick über Möglichkeiten und Hemmnisse der nassen Moorbewirtschaftungsformen zusammenstellen.


Bekassine (© J. Schöne-Warnefeld)
Auf dem Foto ist ein Bekassine abgebildet, der in einem Feld sitzt.

Darüber hinaus werden in einem Expertenworkshop und im Austausch mit Praxispartnern biodiversitätsfördernde Maßnahmen bei der Bewirtschaftung von nassen Niedermoorböden herausgearbeitet.

Hieraus ergeben sich dann konkrete Maßnahmenvorschläge für Praktiker, Behörden und Planungsbüros.

In einem weiteren Schritt werden auch die wirtschaftlichen Aspekte der nasseren Bewirtschaftungsweisen untersucht.

Schließlich erfolgt für Modellregionen eine detaillierte Zukunftsprognose, wie sich die nasseren Nutzungstypen auf Klima und Biodiversität tatsächlich auswirken.

Ausblick

Die Ergebnisse des Vorhabens sollen in die Praxis der Niedermoorbewirtschaftung eingehen und sind zudem Ausgangspunkt für eine vertiefende Analyse der agrarpolitischen Rahmenbedingungen für Moorbodenstandorte. Auf Basis der Analysen wird ein Leitfaden für Bewirtschafter, Behörden und Planungsbüros erarbeitet, welcher die Optimierungspotentiale in Bezug auf die Biodiversität bei der Nutzung von Niedermooren aufzeigt. Dies ist auch wichtig, da im Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung der Schutz von Moorböden fest verankert ist und die Bundesregierung den Schutz der Moore nun mit einer Nationalen Moorschutzstrategie stärker angehen möchte. Um Synergien zwischen Klima- und Biodiversitätsschutz für den Moorschutz nutzbar zu machen, ist es wichtig, mithilfe fachlicher Leitlinien konkrete Vorschläge für Landnutzer zu biodiversitätsfördernden Maßnahmen und ihrer Honorierung zu entwickeln. 

Wasserbüffel sind durch spreizbare Klauen hervorragend an hohe Wasserstände angepasst und verwerten auch minderwertige Aufwüchse (© C. Schröder)
Auf dem Foto sieht man drei Wasserbüffel, die nebeneinander auf einer Feuchtwiese stehen.

Weiterführende Links

Greifswald Moor Centrum - KLIBB

Laufzeit

07/2018 bis 10/2019

Förderprogramm

Forschungs- und Entwicklungsvorhaben

Projektträger

Konsortium aus:

Universität Greifswald, Partner im Greifswald Moor Centrum

Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Humboldt-Universität zu Berlin

Fachbetreuung im BfN

Stefanie Heinze, FG II 2.1

Letzte Änderung: 26.03.2019

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