Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Rote Liste gefährdeter Pflanzen

Aktuelle Informationen zur neuen Rote Liste der Pflanzen (Band 7) finden Sie unter:
Pressemitteilung und ausführlicher unter Pressehintergrund


Für die Roten Listen wurden von den über 9.500 in Deutschland beheimateten Arten (Taxa) 8.576 Pflanzenarten (ca. 90 %) auf ihre Gefährdung hin untersucht und bewertet (s. Band 2 und Band 7 der Roten Listen). Behandelt sind die Farn- und Blütenpflanzen, die Moose, die limnischen Braun- und Rotalgen, die limnischen Kieselalgen, die Schlauchalgen, die Zieralgen sowie die marinen Makroalgen.

Aktuelle Gefährdungssituation

Fast 30 % der untersuchten Pflanzenarten sind bestandsgefährdet, knapp 2 % davon sind ausgestorben oder verschollen.

Gefährdungssituation einzelner Pflanzengruppen, pdf-Datei


Bestandsänderungen

Vier beispielhaft ausgewählte Gefäßpflanzenarten verdeutlichen anhand der Veränderung ihrer Verbreitung den Bestandsrückgang von Pflanzen in Deutschland:

Das in Borstgrasrasen weit verbreitete Berg-Wohlverleih (Arnica montana) ist infolge Nutzungsintensivierung und -aufgabe deutlich zurückgegangen.

Der Lämmersalat (Arnoseris minima) wächst nur auf bodensauren Sandäckern. Seine Bestände sind vielerorts infolge Düngung sowie Brachfallen früher extensiv genutzter Sandäcker verschwunden oder stark zurückgegangen.

Das nur auf Äckern über flachgründigen Kalkgesteinsböden vorkommende Rundblättrige Hasenohr (Bupleurum rotundifolium) ist ebenfalls infolge Nutzungsintensivierung und Brachfallen an den meisten Standorten verschwunden.

Das Vorkommen der Heidelbeer-Weide (Salix myrtilloides) ist auf Moore in Oberbayern beschränkt. Sie ist bis auf kleine Restbestände der Entwässerung von Mooren zum Opfer gefallen.

Obwohl bundesweit bei den Pflanzen bislang keine generelle Entschärfung der Gefährdungssituation eingetreten ist, beginnen Schutzmaßnahmen Erfolge zu zeigen. So haben gebietsweise gezielte Pflegemaßnahmen, z. B. Entbuschung, extensive Mahd und Beweidung, zu einer Stabilisierung der Populationen von Pflanzen der Magerrasen wie Enzian- und Orchideen-Arten, Berg-Wohlverleih (Arnica montana) oder Gelber Narzisse (Narcissus pseudonarcissus) geführt. Erfolge gibt es auch durch Förderungsmaßnahmen, wie z. B. bei der Erhaltung von Ackerwildkräutern durch die Ackerrandstreifenprogramme oder Einrichtung von Schutzäckern.

Gefährdungsursachen

Farn- und Blütenpflanzen:

Als größter Flächennutzer hat die Landwirtschaft einen bedeutenden Einfluss auf die Pflanzenvielfalt in Deutschland. Landwirtschaftliche Nutzungsänderungen wie die Aufgabe der Bewirtschaftung ertragsarmer Flächen, der Umbruch von Grün- zu Ackerland oder Nutzungsintensivierungen sind die Ursachen für den Rückgang vieler Pflanzenarten.

Standortveränderungen und -zerstörungen bilden einen wichtigen Gefährdungsursachenkomplex. Ein großer Teil dieser Eingriffe ist irreversibel. Neben Baumaßnahmen (Verkehrswege, Siedlungen, Industrie- und Gewerbegebiete) ist dies vor allem der Abbau von Rohstoffen.

Viele vom Aussterben bedrohte oder gefährdete Arten besiedeln nährstoffarme Gewässer und andere nährstoffarme Standorte (etwa der Heiden und Magerrasen sowie der Moore). Nährstoffeinträge gefährden einen Großteil dieser Flora, mit steigender Tendenz.

Eingriffe in die Landschaft unterbinden vielerorts die natürliche Neubildung von Standorten, wodurch vor allem Pionierarten gefährdet werden. Die Eindeichung und Verbauung der großen Flüsse sind hierbei an erster Stelle zu nennen. Aber auch durch die Unterbindung anderer natürlicher Prozesse, wie der Gewässer- und Küstendynamik, verlieren viele Arten ihren Lebensraum.

Bei der forstwirtschaftlichen Nutzung wiegen die Maßnahmen der Vergangenheit am schwersten. Viele Arten, die auf offene Standorte von Binnendünen oder Magerrasen angewiesen sind, gingen durch Aufforstung bisher waldfreier Flächen zurück. Auch heute noch werden nicht selten Offenlandflächen aufgeforstet, die Wuchsorte gefährdeter Pflanzenarten sind. Gefährdungsfaktoren im Wald selbst sind Forstwegebau, Entwässerung und Monokulturen aus standortfremden Nadelhölzern bzw. nicht heimischen Baumarten. Die Hochwaldwirtschaft führt für eine Reihe von Arten zum Verlust ihres Lebensraumes, indem natürliche Auflichtungen und alte Bäume sowie das damit verbundene Totholz stark reduziert werden. Mittlerweile werden Laub- und Mischwälder vielerorts zunehmend naturnäher bewirtschaftet.

Wildhege und Jagd wirken vor allem durch die vielerorts überhöhten Wilddichten und den damit verbundenen Verbiss sowie das Herausgraben von Rhizomen, Zwiebeln oder Knollen als Gefährdungsfaktor.

Moose:

Die für Gefährdung und Rückgang von Moosen wesentlichen Ursachen sind die Entwässerung der Landschaft, die Polarisierung der Landnutzung (Intensivierung auf meliorationsfähigen Flächen, Nutzungsaufgabe auf Grenzertragsstandorten), die Vernichtung von Sonderstandorten sowie der Eintrag von Schad- und Nährstoffen.

Algen:

Süßwasseralgen sind besonders durch Gewässereutrophierung, aber auch durch wasserbauliche Maßnahmen, die Trockenlegung von Feuchtbiotopen sowie die Entwässerung und Abtorfung von Mooren gefährdet. Marine Makroalgen werden im Wesentlichen durch die intensive Nutzung der Küstengewässer und deren Einzugsgebieten sowie den damit verbundenen Schad- und Nährstoffeinträgen und Gewässerstrukturveränderungen beeinträchtigt.

Rote Listen im europäischen Vergleich

Seit Anfang der siebziger Jahre sind in fast allen mitteleuropäischen Ländern Rote Listen gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen erschienen. Wegen der Verwendung unterschiedlicher Kategorien, aber vor allem wegen einer sehr unterschiedlichen Interpretation der Definitionen einiger Kategorien sind die einzelnen Roten Listen nur bedingt miteinander vergleichbar. Trotzdem ist eine Tendenz klar erkennbar:

Einen sehr hohen Anteil an Rote-Liste-Arten weisen mit 24-45% des Artenbestandes die dichtbesiedelten Länder Mitteleuropas mit ausgeprägter Verkehrsinfrastruktur, hohem Anteil besiedelter Fläche und intensiver Landwirtschaft auf. In den skandinavischen und osteuropäischen Ländern ist die Situation etwas günstiger.

Anteile ausgestorbener und gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen in Europa, Stand 2012
vergrößern
Datentabelle zur Abbildung
Karte Europa

weitere Informationen

Gefährdungskriterien

Letzte Änderung: 18.03.2019

 Artikel drucken