Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Auenrenaturierungen - Erfolgskontrollen 20 Jahre später


Eindruck aus der Berkelaue im Jahr 2015 (© Bernd Neukirchen)
Auf der Abbildung sieht man Auenlandschaft mit Gewässer, Bäumen und Randbepflanzung.

Hintergrund

Fließgewässer, Ufer und Auen zeichnen sich im natürlichen Zustand durch eine außerordentliche Formenvielfalt und Wandelbarkeit aus, die im Wesentlichen durch die jährlichen Hochwasser entsteht. Viele Tier- und Pflanzenarten finden hier in Gewässernähe ihre spezifischen Lebensbedingungen. Naturnahe Fließgewässer und Auen sind somit Zentren der biologischen Vielfalt und damit von großer Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Die NBS hat sich daher zum Ziel gesetzt, Fließgewässer und ihre Auen in ihrer Funktion als Lebensraum soweit zu sichern, dass eine für Deutschland naturraumtypische Vielfalt gewährleistet ist. In Deutschland ist ihr Reichtum an Arten und Lebensräumen durch Ausbau der Flüsse, vielfältige Nutzungen und großflächigen Verlust der auentypischen Dynamik allerdings stark zurückgegangen. Um einen weiteren Rückgang zu verhindern, sind Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen notwendig. Trotz aller Anstrengungen ist der flächenmäßige Anteil renaturierter Auen relativ gering. Gering ist auch die Zahl der Auenrenaturierungsprojekte, deren Wirkung auf die biologische Vielfalt über mehrere Jahre hinweg wissenschaftlich untersucht worden ist. Über die langfristigen Auswirkungen der dabei durchgeführten Maßnahmen ist dadurch nur wenig bekannt.

Gebänderte Prachtlibelle Calopteryx splendens (© Steffen Steenken)
Auf dem Foto sieht man eine blaue Prachtlibelle in der Großaufnahme.
Sumpfschrecke Stethophyma grossum (© Steffen Steenken)
Auf der Abbildung sieht man eine hellgrüne Sumpfschrecke, die sich an einem Halm festklammert.

Das Projekt

An den Fließgewässern Hase, Berkel, Weser und Oster sind im Zeitraum von 1988 bis 2004 Auenrenaturierungen durchgeführt worden. Die vier Projekte wurden vom BfN als Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E) gefördert und waren jeweils von mehrjährigen wissenschaftlichen Erfolgskontrollen begleitet. Die Daten wurden jetzt genutzt, um die längerfristigen Wirkungen der Renaturierung zu überprüfen. In dem aktuellen E+E-Vorhaben wurde dazu die wissenschaftliche Untersuchung der renaturierten Gebiete in begrenztem Umfang noch einmal wiederholt. Ziel war es, die Entwicklung der Biodiversität zu ermitteln und die Erfahrungen, die sich aus einer ca. 20jährigen Entwicklung renaturierter Auen ergeben, für die Verwendung bei künftigen Auenrenaturierungen übergreifend auszuwerten.

Laufkäfer Blethisa multipunctata (© Steffen Steenken)
Auf der Abbildung sieht man einen großen schwarzen Laufkäfer, der auf Halmen am Gewässer sitzt.
Schwarzkehlchen Saxicola rubicola (© Steffen Steenken)
Auf der Abbildung ist ein Schwarzkehlchen zu sehen, dass auf einem Ast sitzt.

Die Untersuchungen sind abgeschlossen. Die Gebiete haben sich als naturnahe Inseln in der intensiv genutzten Kulturlandschaft sehr positiv entwickelt. Die allgemeine Biotopausstattung hat sich in allen Projektgebieten verbessert.


Bleichenholter Graben in der Hase-Aue (© Steffen Steenken)
Auf der Abbildung sieht man Auenlandschaft mit Gewässer, Bäumen und Randbepflanzung.

Die Ausbreitung hochwüchsiger Vegetation wie Brachen, Hochstauden und Röhrichte sowie die Pflanzung von Auengehölzen und spontaner Gehölzaufwuchs führten zur Diversifizierung der Vegetationsstruktur. Langfristig profitiert haben vor allem Arten ohne besonderen Auenbezug, die typisch für strukturreiche, extensiv genutzte Kulturlandschaften mit eingestreuten Brachflächen, Gehölzen und Stillgewässern sind.

Die Wiederansiedlung auentypischer Arten und Biotope konnte für die Teilbereiche nachgewiesen werden, in denen tatsächlich eine größere Auendynamik durch die Maßnahmenumsetzung erreicht wurde. Zwar waren die Renaturierungen grundsätzlich geeignet, eigendynamische Prozesse in Gang zu setzen, konnten ihr Potenzial aber nur begrenzt entfalten. Hauptgrund ist, dass die Gewässer infolge von Eintiefung und Begradigung nur noch selten über die Ufer treten und umfangreichere Maßnahmen aufgrund gesellschaftlicher Nutzungsansprüche kaum umsetzbar waren.

Ausblick

Die Ergebnisse sollen im Jahr 2020 in der Schriftenreihe BfN-Skripten publiziert werden. Die bei den Untersuchungen zu Tage getretenen Hindernisse und Defizite bei der langfristigen Entwicklung von renaturierten Flussauen spiegeln in vielen Punkten die Situation an Flüssen und Bächen in Deutschland wider. Renaturierungsmaßnahmen in Auen sollten in Zukunft dafür sorgen, dass über die Verbesserung des Landschaftsbildes und des Arteninventars hinaus auch mehr Spielraum für die Auendynamik und eine auenspezifische Biodiversität entsteht. Noch mehr als bisher muss dabei der Zustand der die Aue formenden Fließgewässer berücksichtigt werden. Die Maßnahmen zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie und das Bundesprogramm „Blaues Band Deutschland“ sind Instrumente, die in diesem Sinne genutzt werden können.

Berkelaue im Jahr 2015 (© Bernd Neukirchen)
Auf der Abbildung sieht man Auenlandschaft mit Gewässer, Bäumen und Randbepflanzung.

Laufzeit

04/2015 bis 11/2019

Förderprogramm

Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben

Projektträger

Universität Osnabrück

Fachbetreuung im BfN

Eckhard Peters, FG II 3.2 

Letzte Änderung: 23.03.2020

 Artikel drucken