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Vorgaben der Europäischen Kommission für die Erstellung des nationalen FFH-Berichts 2019

Berichtsformat

Das Format, in dem die Mitgliedsstaaten die Daten der nationalen Berichte nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie liefern, wird durch die Europäische Kommission vorgegeben. Diese Formatvorgaben dienen dem Ziel, die nationalen Berichte zu standardisieren und die spätere Zusammenführung der Einzelberichte zum EU-Gemeinschaftsbericht zu vereinfachen.

Das aktuelle Formular für den Berichtszeitraum 2013-2018 (DocHab-17-05/02) wurde unter Beteiligung der Mitgliedsstaaten und des Habitatausschusses im Mai 2017 verabschiedet  und ist damit für den Bericht 2019 verbindlich. In den Anhängen A bis E zum Dokument sind die für den Bericht notwendigen Daten und verbindliche Vorgaben für die Bewertung (u. a. Bewertungsmatrices) konkretisiert.

Für die Umsetzung der Vorgaben in Deutschland erfolgten enge Abstimmungen zwischen dem Bund und den Ländern.

Guidance-Dokument (Anleitung zur Berichtserstellung)

Zur Anleitung und Unterstützung der Mitgliedsstaaten bei der Erstellung der nationalen Berichte hat die EU-Kommission weiterhin ein sogenanntes Guidance-Dokument Reporting under Article 17 of the Habitats Directive: Explanatory Notes & Guidelines for the period 2013-2018 (Final Version, May 2017) veröffentlicht, das zuvor vom Habitatausschuss verabschiedet worden war.

Das nur in englischer Sprache verfügbare Dokument erläutert in den Kapiteln II-V die Konzepte und Methoden zur Bewertung des Erhaltungszustandes der Lebensraumtypen und Arten der FFH-Richtlinie und bietet in Kapitel VI eine detaillierte schrittweise Anleitung zur Berichtserstellung nach den Formatvorgaben der EU-Kommission. Beispiele in den Anhängen des Guidance-Dokumentes illustrieren das Vorgehen.

Historie

Für den FFH-Bericht 2013 galten noch das alte Berichtsformat (DocHab-11-05/03) und das zugehörige Guidance-Dokument (Assessment and Reporting under Article 17 of the Habitats Directive: Explanatory Notes & Guidelines).

EU-Referenzportal

Weitere EU-weit verbindliche Referenzen zum FFH-Bericht 2019 befinden sich auf dem Art. 17 Reference Portal (z. B. Checklisten Arten und Lebensraumtypen, Referenzen zu Beeinträchtigungen/Gefährdungen etc.).

Biogeografische Regionen

Der Erhaltungszustand der Arten und Lebensraumtypen wird von den Mitgliedstaaten für jede biogeografische Region getrennt bewertet. Die biogeografischen Regionen sind als Bezugsräume erforderlich, um in angemessener Weise das europäische Gesamtareal mit seinen naturräumlichen Unterschieden berücksichtigen zu können.

So wird der Erhaltungszustand z. B. für einen Lebensraumtyp, der über die Fläche Deutschlands verbreitet vorkommt, jeweils für die alpine, atlantische und kontinentale Region getrennt bewertet. 

Allgemeiner Berichtsteil (Anhang A)

Die Mitgliedsstaaten werden aufgefordert, in einem allgemeinen Berichtsteil Informationen zum Stand der Umsetzung der FFH-Richtlinie bereitzustellen. Im Einzelnen sind Angaben zu folgenden Punkten erfolgt (Anhang A):

  1. Wichtige Erfolge der Umsetzung der FFH-Richtlinie (textliche Darstellung)
  2. Allgemeine Informationsquellen zur Umsetzung der FFH-Richtlinie (Angabe der Fundstellen in den Informationsangeboten der Länder zu z.B. Schutzgebietsnetz, Monitoringprogramm, Artenschutzmaßnahmen, Auswirkungen durchgeführter Maßnahmen, rechtliche Umsetzung)
  3. Ausweisung von FFH-Gebieten (statistische Angaben zum Ausweisungsstand)
  4. Erhaltungsmaßnahmen und Managementpläne für FFH-Gebiete (statistische Angaben zum Umsetzungsstand)
  5. Ergriffene Maßnahmen im Zusammenhang mit der Genehmigung von Plänen und Projekten (Auflistung der Pläne und Projekte)
  6. Ergriffene Maßnahmen zur Gewährleistung der Kohärenz des Netzes (textliche Darstellung)
  7. Wiederansiedlung von Arten des Anhangs IV (Auflistung der Wiederansiedlungsprojekte)

Bewertung des Erhaltungszustands für Arten und Lebensraumtypen

Die Bewertung des Erhaltungszustands erfolgt bei den Arten anhand der Zusammenführung von Einzelbewertungen der vier Parameter "Aktuelles Verbreitungsgebiet", "Population", "Habitat der Art" und "Zukunftsaussichten". Bei Anhang-V-Arten sind zusätzlich Informationen zur Entnahme oder Nutzung der jeweiligen Art notwendig. Die Kriterien zur Bewertung der Parameter sind in Anhang B des Berichtsformates vorgegeben.

Bei den Lebensraumtypen sind die Parameter "Aktuelles Verbreitungsgebiet", "Aktuelle Fläche", "Spezifische Strukturen und Funktionen" und "Zukunftsaussichten" nach den in Anhang D definierten Kriterien zu bewerten und werden anschließend zur Bewertung des Erhaltungszustands aggregiert.

Das Berichtsformat der EU gibt für die Bewertung der Parameter bei den Arten (Anhang C) und den Lebensraumtypen (Anhang E) jeweils eine allgemeine Matrix vor. Hierin werden die Parameter nach wenigen Hauptkriterien den drei Bewertungsstufen "günstig [grün]", "ungünstig-unzureichend [gelb]" und "ungünstig-schlecht [rot]" zugeordnet (sog. Ampelschema).

Ermöglicht die Datenlage keine exakte Bewertung der Parameter, so werden diese als "unbekannt [grau]" eingestuft. Die Mitgliedsstaaten konkretisieren die allgemeine Bewertungsmatrix durch detaillierte art- bzw. lebensraumbezogene Bewertungsschemata mit Grenz- und Schwellenwerten für jedes Kriterium, anhand derer sie die Parameter nach dem Ampelschema einstufen. Die Gesamtbewertung des Erhaltungszustandes, also die Aggregation der vier Einzelparameterbewertungen, folgt festen Regeln:

Grundsätzlich ist der schlechteste Einzelwert maßgeblich. Der Erhaltungszustand ist nur dann günstig, wenn alle vier Parameter mit "grün" bewertet werden oder drei Parameter mit "grün" und einer als "unbekannt" gilt.

Beurteilung der hauptsächlichen Gründe der Veränderung des Erhaltungszustands von Arten und Lebensraumtypen

Im Juni 2013 wurde von der EU der sogenannte „Audit Trail“ für den Erhaltungszustand eingeführt. Er hat das Ziel, Veränderungen des Erhaltungszustandes sowie ab dem Bericht 2019 auch des Aktuellen Verbreitungsgebietes (Lebensraumtypen und Arten) bzw. der Aktuellen Fläche (Lebensraumtypen) und der Population (Arten) zwischen dem jeweils aktuellen Bericht und dem vorangegangenen Bericht zu beurteilen. Die aktuell vier Beurteilungskategorien geben Auskunft über die Art der Veränderung und sind inzwischen fester Bestandteil des Berichtsformates.

Die Beurteilungskategorien für den Audit-Trail sind:

  • a Tatsächliche Veränderung: Der Gesamt-Erhaltungszustand hat sich verbessert (oder verschlechtert) aufgrund von natürlichen oder nicht-natürlichen Gründen (Management, Eingriffe usw.).
  • b Die festgestellte Veränderung beruht auf genaueren Daten (z. B. bessere Kartierung der Verbreitung) oder verbesserten Kenntnissen (z. B. zur Ökologie einer Art oder eines Habitats).
  • c Die festgestellte Veränderung beruht auf der Anwendung anderer Methoden zur Messung oder Beurteilung einzelner Parameter oder des Gesamt-Erhaltungszustands.
  • d Es liegt keine Information über die Art der Veränderung vor.

Im FFH-Bericht 2019 sind erstmals verbindliche Kurzzeittrends (Zeitraum 12 Jahre) für alle Einzelparameter mit Ausnahme der Zukunftsaussichten einzuschätzen. Der Gesamttrend (des Erhaltungszustands) wird aus den Kurzzeittrends der Einzelparameter direkt abgeleitet '(vgl. Guidance Dokument).

Auch für den Gesamttrend wird ein separater Audit-Trail angegeben. Dafür gelten die gleichen Beurteilungskriterien wie für den Audit-Trail zum Erhaltungszustand.

Letzte Änderung: 30.08.2019

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