Kranich(t)raum
Kranich(t)raum Goldene Aue – Perspektiven für Mensch und Natur
FKZ 352389417A-C
Hintergrund
Das Projektgebiet zwischen Südharz und Kyffhäuser gehört zu den artenreichsten Kulturlandschaften Deutschlands: Helmeaue, Helmestausee, Feuchtwiesen, Röhrichte sowie Au- und Bruchwälder bieten Lebensräume für zahlreiche gefährdete Vogelarten und weitere Tiergruppen wie Amphibien, Säugetiere und Fledermäuse.
Projekt
Das Projekt verfolgt drei übergeordnete Ziele:
- Erhaltung und Optimierung der naturschutzfachlichen Qualitäten des Helmestausees und seiner Umgebung als Lebensraum zahlreicher feuchtgebietsbewohnender Arten – mit dem Kranich als Flaggschiffart.
- Stärkung der Identifikation der Menschen in der Region mit „ihrem“ Helmestausee und Bewusstseinsbildung für die biologische Vielfalt, den Vogelzug und globale Umweltthemen (Bildung für nachhaltige Entwicklung).
- Etablierung eines modellhaften, tragfähigen Zusammenwirkens von Behörden, Kommunen, Talsperrenbetrieb, Landwirtschaft, Naturschutzverbänden, Tourismus und weiteren Akteur:innen zur naturverträglichen Entwicklung der Goldenen Aue.
Langfristig soll der Helmestausee als Leitregion für den Kranichschutz und naturnahen Tourismus im Binnenland etabliert werden, mit hoher Akzeptanz für Naturschutzmaßnahmen und messbaren Verbesserungen im Zustand der Feuchtlebensräume.
Maßnahmen
In den jeweiligen Teilprojekten setzen die Verbundpartner NABU Sachsen-Anhalt und der LPV Südharz/Kyffhäuser e. V. unter anderem folgende Maßnahmen um:
Biotop- und Artenschutz
- Wiedervernässung von Grünlandflächen und Seggenrieden westlich und nordwestlich des Helmestausees auf dem Gebiet von Sachsen-Anhalt durch Einbau regelbarer Stau- und Auslaufbauwerke in Entwässerungsgräben
- Anlage und Sicherung von Wiesenblänken als flach überstauten Feuchtflächen, inkl. Prädatorenschutz (z. B. Umzäunung), zur Förderung von Kiebitz, Bekassine und weiteren Feuchtwiesenarten
- Altarmanbindung und Wiedervernässung des Helme-Auwaldes durch Reaktivierung eines abgeschnittenen Altarms, um ruhige, nasse Rückzugsräume für Kraniche und andere Zielarten zu schaffen
- Pflanzung und Entwicklung von Schilfröhrichten auf mehreren Flächen als störungsarme Brut- und Schlafplätze für Kranich, Schwarzhalstaucher und weitere Wasservögel
- Pflanzung und Pflege von Habitatbäumen sowie Maßnahmen zur Feuchtwiesen- und Schilfmahd zur langfristigen Sicherung strukturreicher Lebensräume
- Installation einer Bojenketten-Linie zur Beruhigung sensibler Flachwasserbereiche und besseren Abgrenzung von Schutz- und Freizeitnutzungszonen
- Installation künstlicher Nisthilfen (z. B. Seeschwalbenfloß, Mast für Großvögel) teils mit Webcams, um Bruterfolg und Lebensraumnutzung zu dokumentieren und gleichzeitig Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung zu unterstützen
- Jährliche Durchführung von Ablenkfütterungen für Kraniche während der Zugzeiten zur Lenkung der Tiere und zur Vermeidung von Fraßschäden
- Flächenkauf zur Durchführung der Ablenkfütterung während der Projektlaufzeit und zur langfristigen Verstetigung der Maßnahme im Verbundgebiet
Monitoring und Forschung
- Ausbau des ornithologischen Monitorings für Rast- und Brutvögel, inklusive prioritären Arten wie Kranich und Schwarzhalstaucher
- Einsatz von Senderkranichen (Telemetrie an vier Kranichen), um Daten zu Rastverhalten, Schlafplatznutzung, Nahrungsflächen und Aktionsradien zu gewinnen – als Grundlage für Habitatoptimierung, Besucherlenkung und Wirkungskontrolle
Bildung, Naturtourismus und Öffentlichkeitsarbeit
- Konzeption und Aufbau eines BNE-orientierten Bildungsangebots
- Entwicklung eines Naturtourismus- und Besucherlenkungskonzepts sowie einer „Wertschöpfungskette Helmestausee“ zur naturverträglichen touristischen Nutzung und regionalen wirtschaftlichen Stärkung
- Produktion eines Dokumentarfilms über den Helmestausee und seine Vogelwelt als zentrales Kommunikationsmittel für Region, Schulen und Öffentlichkeit
- Einsatz eines mobilen Informations- und Beobachtungswagens als flexible Basis für Exkursionen, Monitoring, Bilddokumentation und niedrigschwellige Naturerlebnisangebote vor Ort
- Aufbau und Betrieb von Webcams an ausgewählten Brut- und Rastplätzen, deren Livestreams in Bildungsarbeit, Schulprojekte, Veranstaltungen und digitale Kommunikation integriert werden
Im Teilprojekt des Verbundpartners Stadt Heringen/Helme wird mit dem neuen Kranich-Besucherzentrum im Humboldt‘schen Schloss Auleben (Thüringen) eine zentrale Anlauf- und Bildungseinrichtung geschaffen, die maßgeblich und dauerhaft für Arten- und Biotopschutz in der Region werben wird.