Antikollisionssysteme an Windenergieanlagen: neue BfN-Schrift veröffentlicht
Bisher finden AKS aus vielfältigen Gründen in sehr begrenztem Umfang in der Praxis Anwendung. Die nun vorliegende BfN-Schrift gibt einen Überblick über Anforderungen an den Wirksamkeitsnachweis, Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Aspekte und hilft dabei, bestehende Hemmnisse gegenüber dieser noch jungen Technologie abzubauen.
Die Autor*innen haben vorhandenes Wissen zu AKS ausgewertet und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse aufgearbeitet. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Frage, unter welchen Bedingungen Windenergieanlagen rechtzeitig abgeschaltet werden müssen, um das Kollisionsrisiko für Vögel zu senken. Dabei wurden unter anderem neue Erkenntnisse zu Fluggeschwindigkeiten von Vögeln und Reaktionszeiten der Windenergieanlagen („Trudelzeit“) berücksichtigt.
Ein weiterer Fokus der BfN-Schrift liegt auf den rechtlichen Rahmenbedingungen. Im Naturschutzrecht sind AKS inzwischen offiziell als Schutzmaßnahme vorgesehen. Doch für ihren Einsatz muss die Wirksamkeit der Systeme nachgewiesen werden und bislang ist bundesweit erst ein System offiziell anerkannt. In der Schrift wird daher aufgezeigt, welche Anforderungen an solche Wirksamkeitsnachweise gestellt werden sollten und wie eine bundesweit einheitliche Anerkennung erleichtert werden kann.
Auch wirtschaftliche Aspekte von AKS wurden untersucht. Die Anschaffung und der Betrieb von AKS sind mit Kosten verbunden, die den Einsatz begrenzen können. Die Studie zeigt, wie sich diese Hürden verringern lassen, zum Beispiel, wenn ein System mehrere Windenergieanlagen gleichzeitig überwacht oder Abschaltungen möglichst gezielt und kurz erfolgen.
Abschließend geben die Autor*innen Empfehlungen für Politik, Genehmigungsbehörden und Systemanbieter. Dazu zählen Klarstellung gesetzlicher Vorgaben, bundeseinheitliche Prüfstandards sowie eine zentrale Übersicht anerkannter Systeme. Zudem weisen sie auf weiteren Forschungsbedarf hin, etwa zur Reduzierung von Ertragsverlusten oder zur besseren Nutzung von Erfassungssystemen und Technik, um das Flugverhalten gefährdeter Vogelarten genauer zu untersuchen.
Mit der Veröffentlichung leistet das BfN einen wichtigen Beitrag dazu, den naturverträglichen Ausbau der Windenergie zu unterstützen und zugleich den Schutz besonders kollisionsgefährdeter Vogelarten zu verbessern.
Gefördert wurde das Projekt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN).