Bundesamt für Naturschutz

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Meeresnaturschutz, Schweinswal

Genetische Untersuchungen bestätigen: Ostsee-Schweinswale bilden zwei getrennte Bestände

  • Zentralbaltische Population ist zahlenmäßig sehr klein
  • Erkenntnisse verbessern Bewertung der Gefährdungssituation
Schweinswal

Schweinswal (Foto: K. Wollny-Goerke)

Bonn/ Vilm/ Potsdam, 20. August 2018: Ein Forschungsvorhaben der Universität Potsdam hat bestätigt, dass die seltenen Schweinswale in der Ostsee zwei genetisch getrennte Sub-Populationen bilden. Diese Erkenntnisse sind wichtig, um die Gefährdungssituation der Tiere in der Ostsee einschätzen und entsprechend handeln zu können. Zu den Gefährdungen gehören unter anderem Unterwasserlärm und Fischerei. Gefördert und fachlich begleitet wurde das Forschungsvorhaben durch das Bundesamt für Naturschutz.

Ziel der Potsdamer Wissenschaftler um Professor Ralph Tiedemann war es, die Struktur des Schweinswalbestandes in der Ostsee mit populationsgenetischen Methoden zu klären. Hierzu wurden Proben von 196 toten Schweinswalen aus Nord- und Ostsee, gesammelt über einen Zeitraum von knapp 30 Jahren, mittels spezieller genetischer Methoden analysiert. Dabei zeigten sich nachweisbare geographische Unterschiede in der genetischen Struktur der Bestände, die für eine Zuordnung von Einzeltieren zu Subpopulationen genutzt wurden. Diese genetische Zuordnung wurde durch einen unabhängig vererbten genetischen Marker statistisch signifikant bestätigt. Aus diesen neuen genetischen Befunden lassen sich folgende Schlussfolgerungen ableiten:

• Der Schweinswalbestand der eigentlichen Ostsee ist genetisch klar abgegrenzt von Skagerak und Nordsee, mit einer Übergangszone im Kattegat.
• Der Schweinswalbestand der Ostsee teilt sich in zwei baltische Subpopulationen, eine westliche in der Beltsee und eine östliche in der zentralen Ostsee.
• In der Beltsee wurden ausschließlich Individuen der westbaltischen Subpopulation gefunden.
• In der zentralen Ostsee wurden 65 bis 70 Prozent der Individuen einer lokalen zentralbaltischen Subpopulation zugeordnet, etwa 10 Prozent der Individuen waren migrierende, also wandernde, Tiere aus der westbaltischen Subpopulation (aufgetreten nördlich des Darß). 20 bis 25 Prozent der Individuen konnten nicht konsistent zugeordnet werden.

Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Beate Jessel, weist auf die Bedeutung dieser Forschungsergebnisse hin: "Die Schweinswale in der Ostsee sind zahlreichen Beeinträchtigungen ausgesetzt. Dazu gehören beispielsweise lärmintensive Rammarbeiten im Zusammenhang mit der Windenergienutzung aber auch der Beifang in der Stellnetzfischerei. In Verbindung mit anderen Beeinträchtigungen in der zentralen Ostsee ist es essenziell, die geographische und saisonale Verbreitung von Schweinswalen dieser Population zu kennen. Zudem müssen wir wissen, ob und in welchem Maße ein Bestand genetisch eigenständig ist, um seine Gefährdungssituation einschätzen zu können." Eine eigenständige Population im demographischen Sinne bedeutet, dass es zwar genetischen Austausch geben kann, dieser aber zu gering ist, um die Zusammensetzung des Bestandes signifikant zu beeinflussen. Da der Schweinswalbestand der zentralen Ostsee zahlenmäßig sehr klein ist, würde - im Fall demographischer Eigenständigkeit - Immigration aus der Beltsee nicht in hinreichendem Maße stattfinden, um diesen Bestand zu stützen.

Projektleiter Prof. Ralph Tiedemann, Universität Potsdam, hebt hervor: "Die Ergebnisse der genetischen Analysen zeigen deutlich, dass die von der atlantischen Schweinswalpopulation klar abgegrenzte Ostseepopulation aus zwei Subpopulationen besteht, einer westlichen in der Beltsee und einer östlichen, der zentralbaltische Subpopulation. Beltsee-Individuen wandern zwar auch in die zentrale Ostsee, scheinen sich aber mit der zentralbaltischen Subpopulation selten zu verpaaren, so dass die beiden genetischen Cluster bestehen bleiben." Diese Interpretation steht auch im Einklang mit früheren Untersuchungen. Zählergebnisse im Rahmen verschiedener, auch internationaler Monitoring-Programme weisen auf einen Bestand der zentralbaltischen Population von nur noch etwa 500 Tieren hin. Der Schutz der Schweinswale in der zentralen bzw. östlichen Ostsee ist daher von besonderer Bedeutung und sollte bei Managementmaßnahmen, auch bei Regelungen zur Fischerei, im Vordergrund stehen.

Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens "Individuenspezifische genetische Populationszuordnung baltischer Schweinswale mittels hochauflösender Single Nucleotide Polymorphisms (SNPs)-Technologie" werden veröffentlicht unter: https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/meeresundkuestenschutz/Dokumente/Abschlussbericht_SNPs_2017-3.pdf


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Letzte Änderung: 20.08.2018

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