Artenreiche Bergwiesen im Naturpark Thüringer Wald
Artenreiche Bergwiesen im Naturpark Thüringer Wald – Arnika & Co.
FKZ 3523894026
Hintergrund
Das Projektgebiet ist durch beträchtliche Höhenunterschiede gekennzeichnet. Das vornehmlich in steilen Kerbtälern oder auf flacheren Hängen zu findende Offenland ist von sehr abwechslungsreichen Biotopkomplexen aus Bergwiesen, Borstgrasrasen und Wiesenmooren geprägt. Charakteristisch ist auch eine sehr hohe Dichte von Quellen und naturnahen, von Feuchtwiesen und Hochstaudenfluren begleiteten Bächen. Dieser Strukturreichtum bedingt eine hohe Dichte von Verantwortungsarten und Zielarten. Die landwirtschaftlichen Betriebe im Projektgebiet wirtschaften überwiegend extensiv. Aufgrund der wenig ertragreichen Böden wird die Bewirtschaftung jedoch zunehmend unwirtschaftlich und immer mehr Flächen fallen aus der Nutzung. Hiervon sind vor allem besonders schwer zu bewirtschaftende Bachtäler und abgelegene kleinere Bergwiesen betroffen, welche zusehends verbuschen und dadurch ihren traditionell offenen Charakter und ihre Artenvielfalt verlieren.
Projekt
Der Landschaftspflegeverband Thüringer Wald setzt von Ende 2025 bis 2030 mit Unterstützung regionaler Akteure Maßnahmen des Arten- und Biotopschutzes auf bis zu 356 Hektar im Naturpark Thüringer Wald um. Begleitet wird dies durch vielfältige Informations- und Umweltbildungsangebote an die Öffentlichkeit. Das Projekt soll dem Verschwinden der artenreichen Berg- und Nasswiesen im Naturpark Thüringer Wald entgegenwirken und zu einer Trendumkehr in der Region beitragen. Übergeordnetes Ziel ist der Erhalt und die Ausbreitung von Bergwiesen- und Borstgrasrasenarten in besonderer Verantwortung Deutschlands.
Im Mittelpunkt stehen die Verantwortungsarten Echte Arnika (Arnica montana), Ästiger Rautenfarn (Botrychium matricariifolium), Weicher Pippau (Crepis mollis), Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), Heide-Labkraut (Galium pumilum), Sparrige Binse (Juncus squarrosus), Schwarze Teufelskralle (Phyteuma nigrum), Prächtiger Saftling (Hygrocybe splendidissima) und Gemeine Plumpschrecke (Isophya kraussii) als typische Vertreter extensiv genutzten Berggrünlands. Sie fungieren als Schirmarten für die Gesamtartenvielfalt ihrer Lebensräume.
Zur Erreichung dieses Ziels wurden 239 potenzielle Maßnahmenflächen mit insgesamt 2.354 Hektar abgegrenzt. Für diese werden im Projekt entsprechend des gegenwärtigen Pflegezustands, der standörtlichen Bedingungen und der Artenausstattung Maßnahmen zur Instandsetzung, zur Erhaltung und Wiederherstellung des Biotopverbundes, zur Bekämpfung von Neophyten und Störzeigern und zur Bestandsstützung der Verantwortungsarten geplant. Gezielte Wiederansiedlungsmaßnahmen sind schwerpunktmäßig für die Echte Arnika beabsichtigt. Als Grundlage des zu erstellenden Pflege- und Entwicklungsplanes ist eine Erfassung der Verantwortungsarten vorgesehen. Darüber hinaus soll ein Spenderflächenkataster für artenreiche Bergwiesen unterschiedlicher Pflanzengesellschaften und Standorte entstehen. Dieses ergänzt das Kataster des Freistaates Thüringens, welches im Projektgebiet bisher keinerlei Flächen ausweist.
Einen weiteren Projektschwerpunkt bildet die technische und personelle Unterstützung des ehrenamtlichen Naturschutzes sowie eine gezielte Nachwuchsförderung, um den Erhalt besonders wertvoller Bereiche auf Sonderstandorten dauerhaft zu sichern. Vielfältige Beratungsangebote und Entwicklung nachhaltiger Nutzungskonzepte sollen die Attraktivität der extensiven Bewirtschaftung auch auf regulären Landwirtschaftsflächen erhöhen, um eine weite Ausbreitung des artenreichen Berggrünlands zu fördern. Eine Machbarkeitsstudie soll Möglichkeiten zur Überführung artenarmen Wirtschaftsgrünlandes prüfen und auf Einzelflächen probeweise umsetzen, um die Artenvielfalt mit Hilfe der ausgewiesenen Spenderflächen in der landwirtschaftlichen Nutzfläche zurückzugewinnen. Dabei wird das Projekt von umfangreicher Öffentlichkeitsarbeit begleitet, die neben der Erhöhung der Akzeptanz nachhaltigen Wirtschaftens vor allem auf die Gewinnung von Nachwuchs für den ehrenamtlichen Naturschutz abzielt und bereits im Schulalter ansetzt.
Maßnahmen
- Erfassung und Bewertung aktueller Nutzung und Ableitung des flächenbezogenen Maßnahmenbedarfs (Erstellung eines Pflege- und Entwicklungsplans (PEPL))
- Instandsetzung und Pflege unternutzter / brachgefallener Flächen und populationsstützende Maßnahmen auf Flächen mit aktuellen / potenziellen Vorkommen der Verantwortungsarten/Zielarten
- Arterfassungen der Flora / Fauna
- Erfassung / Ausweisung geeigneter Spenderfläche für Gewinnung von Saat- und Mahdgut und anschließend die Wiederansiedlung von Verantwortungsarten
- Erhalt, Erweiterung und Weiterführung der ehrenamtlichen Strukturen
- Entwicklung und Realisierung von Angeboten der Weiterbildung und Beratung
- Schaffung von Synergien zwischen der Entwicklung eines nachhaltigen Naturtourismus und der Pflege von Bergwiesen
- Projektbegleitende Öffentlichkeitsarbeit (Informationsveranstaltungen zum Thema Bergwiesen, Durchführen von Exkursionen)