Gutachten zum Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz: messbare Erfolge
Mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz will das Bundesumweltministerium den allgemeinen Zustand und die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme in Deutschland deutlich verbessern und so ihre Resilienz und Klimaschutzleistung stärken. Das aktuelle Gutachten bietet eine fundierte Einschätzung zum Umsetzungsstand und voraussichtlichen Wirkungen der Fördermaßnahmen im ANK. Durchgeführt wurde die Untersuchung im Auftrag des BfN vom Ecologic Institut und der Arepo GmbH.
Die Gutachter*innen analysierten unter anderem Projektzahlen, Flächenumfang sowie Mittelbindung und -abfluss und lieferten eine Einschätzung der erwartbaren Effekte für den Klimaschutz und den Schutz der biologischen Vielfalt. Mit inzwischen über 9.500 geförderten Projekte auf mehr als 2,2 Millionen Hektar hat das ANK bereits deutlich Wirkung entfaltet. Grundlage für die Projekte im ANK sind unter anderem verschiedene Förderprogramme, wie „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ oder „Klimaangepasstes Waldmanagement“, die über das ANK finanziert werden. Auf bislang rund 1,5 Millionen Hektar (Stand: 1.1.2025) sind konkrete Maßnahmen geplant und teilweise umgesetzt, beispielsweise die Wiedervernässung von Mooren, die Renaturierung von Auen, die Stärkung naturnaher Wälder sowie Maßnahmen zur Verbesserung des Stadtklimas in Kommunen.
Für 15 vertieft untersuchte Fördermaßnahmen, darunter verschiedene Modellvorhaben und Förderrichtlinien, wie zum Beispiel die Pilotvorhaben Moorbodenschutz oder das Modellvorhaben Moorklimaschutz an der Ostseeküste, konnten die Gutachter*innen mit Hilfe von Daten des Thünen-Instituts bereits abschätzen, wie stark sie zur Minderung von Treibhausgasen beitragen. Demnach ist auf Grundlage der aktuell verfügbaren Daten bis zum Jahr 2045 eine Reduktion von mindestens 1,3 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten zu erwarten. Allerdings liegt das tatsächliche Potenzial des Programms deutlich höher, da sich viele Projekte noch in frühen Phasen befinden oder noch nicht ausreichend ausgewertet werden können. Als besonders wirksam erweisen sich nach Einschätzung der Autor*innen Maßnahmen zur Wiedervernässung von Mooren, an Meeren und Küsten sowie in naturnahen Wasserhaushalten, also der Renaturierung und Revitalisierung von Flüssen, Seen und Auen.
Der Evaluationsbericht zeigt auch: Neben dem Klimaschutz leistet das ANK einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt und zur Stärkung der ökologischen Widerstandsfähigkeit. Wiedervernässte Moore, naturnahe Wälder und renaturierte Auen speichern nicht nur mehr Kohlenstoff und fördern die Artenvielfalt, sondern verbessern durch ihre positiven Wechselwirkungen auch den Hochwasser- und Dürreschutz, die Wasserqualität und die Bodenfruchtbarkeit.
Darüber hinaus bringen die von den Autor*innen untersuchten Fördermaßnahmen zahlreiche soziale und wirtschaftliche Effekte mit sich. Begrünte Stadtquartiere können Hitzestress mindern, die Luftqualität verbessern und neue Räume für Bewegung und Begegnung schaffen. Das erhöht die Lebensqualität und die Akzeptanz von Maßnahmen des Natürlichen Klimaschutzes, was für die erfolgreiche Umsetzung zentral ist. Als wirtschaftliche Effekte nennen die Verfasser*innen zum Beispiel die niedrigeren Energiekosten, eine stabilere Ertragssicherheit in der Landwirtschaft oder eine höhere Attraktivität von Standorten.
Um das volle Potenzial des ANK auszuschöpfen, benennen die Gutachter*innen Punkte, die nachgebessert werden sollten. Empfohlen wird unter anderem eine stärkere Fokussierung auf flächenwirksame Maßnahmen, die Festlegung klarer Ziele für Treibhausgasminderung und Flächenumfang sowie ein ausgebautes Monitoring, das Fortschritte und Wirkungen transparenter macht. Weiterer Handlungsbedarf besteht beim Abbau bürokratischer Hürden, etwa durch die Vereinfachung der Antrags- und Bewilligungsverfahren oder die Reduzierung aufwendiger Abstimmungsprozesse zwischen Bund, Ländern und Verbänden. Ebenso erforderlich sind die Unterstützung finanzschwacher Kommunen sowie die frühzeitige und verbindliche Beteiligung aller relevanten Akteur*innen, um die Akzeptanz für Maßnahmen zu erhöhen und Umsetzungskonflikten vorzubeugen.
Insgesamt kommen die Autor*innen des Evaluationsberichts zu dem Schluss, dass das ANK als zentraler Baustein des Natürlichen Klimaschutzes in Deutschland gut etabliert ist und bereits spürbare Effekte erzielt. Um einen noch substanzielleren Beitrag zu den nationalen Klimazielen und zum Schutz der biologischen Vielfalt zu leisten, sind jedoch weitere Anstrengungen sowie eine kontinuierliche Weiterentwicklung notwendig.
Für die strategische Steuerung des Evaluationsberichtes war das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) verantwortlich. Fachlich begleitet wurde er vom Bundesamt für Naturschutz.