Bundesamt für Naturschutz

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Naturschutzfachliche Bewertung von Einfuhranträgen

Für den grenzüberschreitenden Handel mit Anhang B-Arten in die EU sind die  Nachhaltigkeit der Einfuhr, die Herkunft der gehandelten Exemplare bzw. der Produkte und Erzeugnisse, ggf.  die Unterbringung lebender Exemplare, sowie sonstige Belange des Artenschutzes wissenschaftlich zu prüfen und zu beurteilen. 

Prinzipiell dürfen Anhang A-Arten nicht zu kommerziellen Zwecken gehandelt werden (VO (EG) 338/97 Art. 8 Abs. 1). Eine Ausnahme des Handelsverbotes für gezüchtete Tiere (gemäß Art. Nr. 54 VO (EG) 865/2006, Herkunftscode „C“) und künstlich vermehrte Pflanzen (Herkunftscode „A“) besteht gemäß Art 8 Abs. 3 d) VO (EG) 338/97. Weitere Ausnahmen vom Handelsverbot mit Anhang A-Arten sind in VO (EG) 338/97 Art. 8 Abs. 3 geregelt, unter anderem wird im Falle von Wildexemplaren von Anhang A-Arten der Einfuhrzweck entsprechend den Vorgaben der EG-Artenschutzverordnung geprüft:

  • Fortschritt der Wissenschaft oder grundlegende biomedizinische Zwecke unter der Voraussetzung, dass ausschließlich diese Art für diesen Zweck geeignet ist und keine in Gefangenschaft geborenen und gezüchteten Exemplare zur Verfügung stehen
  • Zucht- und Fortpflanzungszwecke, die zur Erhaltung der betreffenden Art beitragen
  • Forschungs- und Bildungszwecke, die den Schutz oder die Erhaltung der Art zum Ziel haben

Prüfkriterien der Wissenschaftlichen Behörde für die Befreiung vom Handelsverbot mit Arten des Anhänge A und B
Die Abbildung zeigt Prüfkriterien der Wissenschaftlichen Behörde für die Befreiung vom Handelsverbot mit Arten des Anhänge A und B

Nachhaltigkeitsprüfung (NDF)

Naturverträglichkeit im Sinne des Washingtoner Artenschutzübereinkommens bedeutet, dass die Populationen wild lebender gefährdeter Arten durch die Handelsgenehmigung nicht in ihrem Bestand beeinträchtigt werden dürfen. In Artikel IV Abs. 2a) des Washingtoner Artenschutzübereinkommens wird gefordert, dass zur Erteilung einer Ausfuhrgenehmigung für eine Anhang II-Art eine Wissenschaftliche CITES-Behörde des Ausfuhrlandes die Naturverträglichkeit dieser Ausfuhr bestätigen muss (analoges gilt für Anhang I-Arten in Artikel III Abs. 2a). Dies wird als Nachhaltigkeitsprüfung (englisch: Non-Detriment Finding, NDF) bezeichnet (siehe Res. Conf. 16.7 (Rev. CoP17)). Die Nachhaltigkeitsprüfung ist eine der wichtigsten Aufgaben von Wissenschaftlichen CITES-Behörden.

Auf Grundlage der VO (EG) Nr. 338/97, Artikel 4 Abs. 1a) und 4 Abs. 2a) führen die Wissenschaftlichen Behörden der EU-Länder auch bei Einfuhren von Anhang A- und Anhang B-Arten, unter Einbeziehung von Stellungnahmen der Wissenschaftlichen Prüfgruppe (Scientific Review Group, SRG) eine Nachhaltigkeitsprüfung durch. 

Letzte Änderung: 15.03.2021

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