Bundesamt für Naturschutz

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Bundesweites Insektenmonitoring wird entwickelt

Hintergrund

Wissenschaftliche Studien und die Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands belegen: Die Zahl der Insektenarten und ihre Bestände in Deutschland sind rückläufig. Bisher gibt es keine regelmäßigen, einheitlichen Untersuchungen auf repräsentativen Flächen, die bundesweit gültige Aussagen zu langfristigen Trends der Insektenbestände in Deutschland ermöglichen. Vor diesem Hintergrund hat die Umweltminister-Konferenz 2017 die Bundesregierung um die Einrichtung eines bundesweiten Insektenmonitorings gebeten, das Bestandteil des „Aktionsprogramms Insektenschutz“ der Bundesregierung ist. Ein Projekt der Universität Osnabrück, das im August 2018 begonnen hat und vom BfN mit Mitteln des BMU gefördert wird, entwickelt die konzeptionellen Grundlagen für ein geeignetes Insektenmonitoring.

Der Braune Feuerfalter (Lycaena tityrus) gilt trotz langfristig mäßigem Bestandsrückgang als häufig (Foto: Thomas Fartmann, t.fartmann@uos.de)
Ein Brauner Feuerfalter sitzt saugend auf den Blüten einer Sand-Strohblume.

Das Projekt

Die seltene Kreiselwespe (Bembix rostrata) kommt in offenen Landschaften mit sandigen Böden vor (Foto: Thomas Fartmann, t.fartmann@uos.de)
Eine Kreiselwespe sitzt auf einer Sandfläche

Von ca. 48.000 Tierarten in Deutschland gehören mehr als 33.000 Arten zu den Insekten. Diese Artenvielfalt und die zahlreichen unterschiedlichen Lebensweisen der Insekten, ihre natürlichen Bestandsschwankungen und die spezifischen und aufwendigen Erfassungsmethoden tragen zur Komplexität des Projektes bei. Das geplante Insektenmonitoring soll Antworten auf wichtige Fragen des Insektenschutzes liefern wie beispielsweise: In welchem Umfang schwinden Artenzahl und Bestände welcher Insektengruppen? Welche Regionen, Lebensräume und Artengruppen sind besonders betroffen? Welche Ursachen liegen den nachgewiesenen, rückläufigen Trends zugrunde? Und nicht zuletzt: Sind die Strategien zum Schutz der Insekten erfolgreich? Zunächst werden die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die Fragestellungen konkretisieren und priorisieren, die mit Hilfe des Insektenmonitorings beantwortet werden sollen. Fachliche Aspekte wie zum Beispiel die Eignung der verschiedenen Insektengruppen, die Verwendung geeigneter Erfassungsmethoden und die raumzeitliche Auflösung der Datenaufnahmen werden in einem weiteren Schritt analysiert. Ein weiterer Aspekt um die Aussagekraft der erhobenen Daten zu steigern wird der Bezug zu etablierten Monitoringprogrammen zu Arten und Lebensräumen der FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union), zu Vögeln und HNV-Farmland (Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert) wie auch zu dem derzeit in der Erprobung befindlichen Ökosystem-Monitoring sein. Darüber hinaus werden im Rahmen des Projektes konkrete Vorschläge zu einem schrittweisen Aufbau und zur Umsetzung des Insektenmonitorings erarbeitet.


In das Projekt fließt neben den Erfahrungen der Bundesländer, die bereits mit ersten Erhebungen begonnen haben, auch der bis März 2019 von Bund und Ländern zu erarbeitende Methodenleitfaden „Insektenmonitoring“ mit ein. Darüber hinaus ist die enge Zusammenarbeit mit den für den Naturschutz zuständigen Länderfachbehörden essenziell, um ein einheitliches Vorgehen der Bundesländer und damit die bundesweite Vergleichbarkeit der erhobenen Daten sicherzustellen. Des Weiteren sollen in enger Kooperation mit Museen/wissenschaftlichen Sammlungen, Fachverbänden und entomologischen Vereinen Möglichkeiten zur Einbindung Ehrenamtlicher entwickelt werden.

Nach dem dunklen Fleck an ihren Flügelspitzen benannt: Spitzenfleck (Libellula fulva).
(Foto: Thomas Fartmann, t.fartmann@uos.de)
Ein Weibchen der Libellen-Art „Spitzenfleck“ ruht auf einem Zweig.]

Ausblick

Als vom Aussterben bedroht eingestuft: Kiesbankgrashüpfer (Chorthippus pullus)
(Foto: Thomas Fartmann, t.fartmann@uos.de)
Ein Kiesbankgrashüpfer sitzt auf einer Sandfläche

Die Einrichtung einzelner in diesem Projekt entwickelter Bausteine soll ab 2019 erfolgen. In kleinen Schritten werden Konzeption und Umsetzung des bundesweiten Insektenmonitorings ausgebaut, optimiert und weiterentwickelt. Damit gewinnen Akteure des Naturschutzes wichtige Informationen zur langfristigen Entwicklung der Insektenfauna und können mit der (Weiter-)Entwicklung von Strategien und Aktionsplänen zum Insektenschutz auf sie reagieren. Das bundesweite Insektenmonitoring bildet einen wichtigen Baustein auf dem Weg zu einem umfassenden bundesweiten Biodiversitätsmonitoring und leistet damit einen Beitrag zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt und der Naturschutz-Offensive 2020.

Publikationen/weiterführende Links

BfN-Webseite Insektenrückgang

BMU-Webseite „Aktionsprogramm Insektenschutz“

Laufzeit

8/2018 bis 1/2020

Förderprogramm

UFOPLAN (F+E-Vorhaben)

Fachbetreuung im BfN

Hella Ludwig, FG II 1.3 Monitoring