Bundesamt für Naturschutz

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Naturschutzforschung am Windtestfeld

Hintergrund

Windenergieanlagen mit Vogelschwarm (© Ulf Hauke)
Das Foto zeigt einen Vogelschwarm, der vor einem Windpark mit mehreren Windenergieanlagen vorbeifliegt.

Um aufkommenden Zielkonflikten beim Erhalt der biologischen Vielfalt und beim Ausbau der erneuerbaren Energien entgegenzuwirken, wird u. a. die Naturschutzforschung an einem süddeutschen Testgebiet für Windenergieanlagen durchgeführt. Vor dem Hintergrund einer möglichst naturverträglichen Ausgestaltung der Energiewende ist ein wichtiges Ziel dieser Feldforschung, neue und wirksame Lösungsansätze zum Schutz von Vogel- und Fledermausarten zu entwickeln.

Das Projekt

Schema des Windenergietestfeldes (© LAREG, TU München)
Die Abbildung zeigt schematisch einen Querschnitt des zukünftigen Windenergietestfeldes. Vor und hinter den beiden Anlagen stehen jeweils 2 Messmasten. Die Gesamthöhe der Anlagen beträgt etwa 100 Meter und die Nennleistung zwischen 500 und 900 Kilowatt.

Wie verhalten sich Vögel und Fledermäuse an Windenergieanlagen? Mit welchen Maßnahmen oder Systemen können Kollisionen dieser Tiere noch besser vermieden werden? Diesen Fragen widmet sich die Naturschutzforschung am Windtestfeld. Dies ist ein Projekt unter derzeit fast 50 Projekten im Rahmen der „Naturschutzbegleitforschung der Energiewende“ am BfN. Durch die Vielzahl technischer Erfassungsgeräte und wissenschaftliche Analysen trägt diese Forschung zur weiteren Erkenntnisgewinnung hinsichtlich des Verhaltens von Vögeln und Fledermäusen gegenüber Windenergieanlagen bei. Gleichzeitig ist damit auch die Untersuchung zum Schutz windenergieempfindlicher Greifvogelarten, wie dem seltenen Rotmilan, möglich.


Mikrofone zur Fledermauserfassung am Windmessmast (© ZSW, Jan Anger)
Das Foto zeigt zwei Mikrofone, die an einem der Messmasten des Windtestfeldes angebracht sind. Im Hintergrund des Bildes ist eine Ortschaft und Landschaft zu erkennen.

Das Windtestfeld besteht aus insgesamt zwei Forschungswindenergieanlagen und vier Windmessmasten an denen verschiedene Forschungsmodule erprobt werden. Erste Untersuchungen zur Erfassung von Tieren sind bereits angelaufen. So werden über dem Luftraum des Testgebiets mittels eines Radargerätes kontinuierlich Vogelbewegungen überwacht. Die Fledermausaktivität wird permanent akustisch an den Messmasten sowie später auch an den Windenergieanlagen erfasst. Für die dreidimensionale Erfassung der Flugbewegungen von Fledermäusen wird ein Wärmebildkamerasystem entwickelt. Zur Erfassung der Flugbewegungen des Rotmilans werden diese mit GPS-Sendern ausgestattet. An den Forschungswindenergieanlagen ist geplant, automatisierte Systeme zur Erfassung von Schlagopfern, zur Ermittlung des Insektenvorkommens und weiterhin die artspezifische Erkennung von windenergiesensiblen Vogelarten zu erproben. 


Standort des Windenergietestfeldes bei Geislingen-Stötten mit den ersten beiden Messmasten (© WindForS)
Das Foto zeigt den Standort des zukünftigen Windenergietestfeldes in Baden-Würrtemberg auf der Schwäbischen Alb bei Geislingen-Stötten. Zu sehen sind die beiden ersten errichteten Messmasten (von insgesamt 4).

Diese Erhebungen geben Hinweise für eine vogel- und fledermausfreundliche Betriebsführung der Windenergieanlagen. Die erhobenen Daten werden mit weiteren Parametern verschnitten, um auch die Weiterentwicklung von Anlagenabschaltungen zu untersuchen.

Ein weiterer Schwerpunkt am Windtestfeld ist die Erprobung und Entwicklung von technischen Vermeidungssystemen. Oben genannte Systeme basieren auf einer Detektion von Vögeln und in der Regel auf einer bedarfsgerechten Reaktion der Windenergieanlage (z. B. durch Abschaltung) zur Verhinderung einer Kollision. Als Ergebnis des Vorhabens wird ein möglichst allgemeingültiger Anforderungskatalog für derartige technische Systeme erstellt.

Ausblick

Milan im Flug (© Nora Köcher)
Auf dem Foto sieht man aus der Froschperspektive aus einen Milan im Flug.

Im Rahmen des Projektes erfolgt schrittweise die Umsetzung der beschriebenen Module am Windtestfeld. In der jetzigen Projektphase werden an einem ungestörten Standort bereits vorab Untersuchungen durchgeführt. Die beiden Forschungswindenergieanlagen werden im nächsten Jahr errichtet. 

Die Untersuchungen an den Forschungsanalagen bieten die Möglichkeit gezielt, zahlreiche Versuche an den Anlagen durchzuführen. Durch die Projektergebnisse sollen noch weitere Forschungsfragen entwickelt und auf andere Anlagentypen übertragen werden. 

Laufzeit

15.11.2018 – 31.10.2021

Förderprogramm

Forschungs- und Entwicklungsvorhaben

Fachbetreuung im BfN

Jens Ponitka, FG II 4.3

Letzte Änderung: 29.05.2019

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