Conservation Union for Management of the Baltic Harbour Porpoise Populations and their Habitat (CUMBIAH)
Beschreibung
Hintergrund
Der Schweinswal ist die einzige dauerhaft in der Ostsee vorkommende Walart und kommt dort in zwei biologisch getrennten Populationen vor. Die Population der zentralen Ostsee umfasst nur noch wenige hundert Individuen und gilt als kritisch gefährdet, während die Beltsee-Population als gefährdet eingestuft ist. Beide Populationen sind erheblichen anthropogenen Belastungen ausgesetzt, insbesondere durch Beifang, Unterwasserlärm, Habitatverschlechterung und Nahrungsverknappung. Trotz rechtlicher Verpflichtungen aus der FFH-Richtlinie und der MSRL bestehen erhebliche Wissenslücken zur aktuellen Bestandsgröße und räumlichen Verteilung. Frühere Projekte wie SAMBAH lieferten erstmals robuste Abundanzschätzungen, sind jedoch inzwischen über ein Jahrzehnt alt. Gleichzeitig zeigen neuere Analysen deutliche Abnahmetrends, insbesondere in der Beltsee. Beifangraten überschreiten dort nachweislich nachhaltige Schwellenwerte. Zusätzlich nehmen industrielle Nutzungen wie Offshore-Windenergie und Schiffsverkehr weiter zu. Managementpläne existieren nur für einen Teil der relevanten Natura-2000-Gebiete. Effektive Schutzmaßnahmen erfordern daher eine aktualisierte, populationsspezifische und grenzüberschreitend harmonisierte Datengrundlage.
Projekt
Das Projekt gliedert sich in mehrere Komponenten:
- Schätzung von Dichte und Abundanz (akustische Detektion, Cue-Raten, Trendanalysen)
- Analyse der Lebensraumqualität und anthropogener Belastungen (Beute, Fischerei, Lärm)
- Lebensgeschichts- und genetische Parameter, Ableitung populationsspezifischer Schwellenwerte
- Grundlagen für zukünftiges Management und Monitoring (Datenstandards, Monitoringkonzepte)
- Öffentlichkeitsarbeit und Politikberatung
- Projektkoordination und -management
Ausblick
CUMBIAH liefert entscheidungsrelevante Kennzahlen für den Schutz der Schweinswale in der Ostsee. Die Ergebnisse ermöglichen erstmals eine konsistente, populationsspezifische Bewertung des Erhaltungszustands über nationale Grenzen hinweg. Damit schafft das Projekt die fachliche Grundlage für wirksame Management- und Schutzmaßnahmen auf EU-Ebene.