Schutz für Ostsee und Nordostatlantik
Schutz des Nordostatlantiks
15 Staaten und die Europäische Union arbeiten im Rahmen des OSPAR-Abkommens zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks (Paris 1992) zusammen. Das Konventionsgebiet umfasst den Nordostatlantik vom Nordpol über Grönland bis zu den Azoren sowie die gesamten west- und nordeuropäischen Küstengewässer einschließlich der Barentssee.
Die Mitgliedsstaaten versuchen, menschliche Eingriffe, wie etwa die Öl- und Gasförderung auf See, und Belastungen wie Verschmutzung und Lärm, hinsichtlich möglicher negativer Auswirkungen auf Ökosysteme und die biologische Vielfalt zu bewerten und zu regulieren. Die Fischerei ist dabei explizit ausgenommen; damit beschäftigt sich die Nordostatlantische Fischerei-Kommission (NEAFC).
Das Bundesamt für Naturschutz hat die Naturschutzaktivitäten innerhalb des OSPAR-Abkommens mit vorangetrieben. Die OSPAR-Vertragsstaaten erarbeiteten Empfehlungen zum Schutz und zur Wiederherstellung gefährdeter Arten und Lebensräume.
Natürliche Riffe der Europäischen Auster (Ostrea edulis) sind extrem selten und überwiegend nur noch in degradierten Restbeständen im OSPAR-Meeresbereich vorhanden. Der Schutz der Europäischen Auster als Riffbildner mit einer Vielzahl von Ökosystemleistungen ist besonders wichtig.
Netzwerk von Meeresschutzgebieten im Nordostatlantik
Eines der erklärten Ziele von OSPAR ist es, den Nordostatlantik durch ein ökologisch zusammenhängendes und effektiv gemanagtes Schutzgebietsnetzwerk zu schützen.
2010 verabschiedete die OSPAR-Kommission nach langjährigen, komplizierten Verhandlungen unter den Vertragsstaaten erstmalig 6 großflächige Schutzgebiete im Meeresgebiet jenseits nationaler Rechtszuständigkeit (in der so genannten Area Beyond National Jurisdiction, ABNJ) insbesondere in Bereichen entlang des Mittelatlantischen Rückens und um einige ausgewählte Unterwasserberge. Dieser Schritt fand weltweite Beachtung und wurde auch für andere Meeresregionen wegweisend zum Schutz der marinen Lebensvielfalt auf der Hohen See. Einzigartige Tiefseelebensräume mit Kaltwasserkorallen und Lebensgemeinschaften an hydrothermalen Quellen konnten so geschützt werden.
Seitdem wurden weitere Fortschritte erzielt. So umfasst das OSPAR-Schutzgebietsnetzwerk im Oktober 2021 insgesamt 583 Meeresschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 1.468.053 km². Das entspricht 10,8 % des OSPAR-Meeresgebietes. Allerdings beträgt der Anteil in den Ausschließlichen Wirtschaftszonen nur rund 2,9 %. In Gebieten jenseits nationaler Rechtszuständigkeit (ABNJ) liegen 11 Schutzgebiete, die knapp 19,5 % dieses Bereiches umfassen.
Die OSPAR-Mitgliedsländer haben beschlossen, bis 2030 den Anteil von Schutzgebieten und von Gebieten mit anderen effektiven Schutzmaßnahmen auf 30 % zu erhöhen.
Allerdings werden in vielen der ausgewiesenen OSPAR-Schutzgebiete bislang nur sehr begrenzt Schutzmaßnahmen umgesetzt. Gegenwärtig gelten deshalb viele Schutzgebiete als „paper parks“, da Arten und Lebensräume noch nicht effektiv geschützt werden. Die Schutzgebiete sind zudem noch nicht ausreichend vernetzt, sie sind noch nicht repräsentativ und von der Fläche her auch nicht ausreichend für die zu schützenden Arten und Lebensräume. OSPAR und einzelne Mitgliedsstaaten arbeiten zwar daran, diese Missstände zu beheben, doch werden nur langsam Fortschritte gemacht.
Karte Meeresschutzgebiete (OSPAR MPAs), Vertragsstaaten und Konventionsgebiet der OSPAR-Konvention
Schutz der Ostsee
Alle 9 Anrainerstaaten der Ostsee und die Europäische Union sind Mitglied des 1992 erneuerten Helsinki-Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Ostseegebiets (HELCOM). Von Naturschutzrelevanz ist insbesondere der Artikel 15, welcher die Vertragsparteien verpflichtet, sowohl alleinverantwortlich als auch gemeinsam alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die natürlichen Lebensräume und Naturprozesse sowie die biologische Vielfalt im Meeresgebiet und an den Küsten der Ostsee zu erhalten und zu schützen.
Der Baltic Sea Action Plan formuliert Ziele, Maßnahmen und Indikatoren zu Eutrophierung, Schifffahrt, Biologische Vielfalt/Naturschutz sowie gefährlichen Stoffen. Damit sollen unter anderem die Verpflichtungen aus der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie in der Ostsee umgesetzt werden.
Das Bundesamt für Naturschutz hat die Naturschutzzusammenarbeit innerhalb der HELCOM-Konvention in vielen Bereichen geprägt und vorangetrieben.
Das HELCOM-Schutzgebietsnetzwerk
Zu den prioritären Aufgaben der HELCOM gehören die Entwicklung und Ausweisung eines zusammenhängenden Netzwerks von Schutzgebieten, den sogenannten HELCOM Marine Protected Areas (HELCOM MPAs). Mit Stand Mai 2023 haben die HELCOM-Vertragsstaaten 188 HELCOM-Meeresschutzgebiete an die Helsinki-Kommission gemeldet, das sind 12 % der Ostsee.
Für die Bewertung der ökologischen Kohärenz, also der Frage, ob die Schutzgebiete ausreichenden Schutz bieten, zeigt sich unter anderem, dass aktuell im HELCOM-Meeresbereich die Schutzgebiete noch zu klein sind, um Populationen dauerhaft ein Überleben zu sichern. Auch bietet das Netzwerk keine ausreichenden Möglichkeiten für Wanderung und Verdriftung (zum Beispiel von Larven) zwischen den einzelnen Schutzgebieten. Insofern ist das HELCOM-Netzwerk bislang noch nicht komplett und noch nicht voll funktional.
Die strategische Planung und kontinuierliche Verbesserung von Schutz- und Wiederherstellungsmaßnahmen in der Ostsee wird aktuell von dem innerhalb der EU-Forschungsmission „Restore our oceans and waters“ angesiedelten Projekt „Protect Baltic“ unterstützt. Dieses Projekt wird vom HELCOM-Sekretariat koordiniert. Das Bundesamt für Naturschutz ist aktiv in das Projekt involviert.